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Chronik Alfred Horst (1970)

Im geschichtlichen Werdegang einer Lebensgemeinschaft kann das augenblickliche Zeitgeschehen nur als Bestandteil des Gesamtgeschehens betrachtet werden. So ist auch unser derzeitiges Wirken zu verstehen, und es wird den kommenden Generationen vorbehalten sein, aus dem Ablauf der Ereignisse Konsequenzen für das jeweilige Geschehen zu ziehen. Auch diesen Generationen wird wiederum die Aufgabe zuteil werden, in ihrer Zeit markante Akzente in das Gesamtbild einzubringen, damit diese Lebensgemeinschaft, die sich „Lohra“ nennt, immer wieder mit Lebenskraft und zeitgemäßem Lebensmut erfüllt ist und als ein jederzeit lebendiges Glied in der menschlichen Gesellschaftsordnung einen gebührenden Platz einnimmt. Es soll in diesem Vorwort keineswegs in die Gedankenführung des Chronisten eingegriffen werden und doch sei es dem an 41. Stelle unter den aufgeführten Schultheißen — derzeit Bürgermeister genannt — erlaubt, aus der Sicht seiner Generation etwas auszusagen. 1913 in Lohra geboren, glaube ich eine Entwicklungsstufe erlebt zu haben, die die Rasanz der technischen Umwälzung in Verwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse bis in die Kleinzelle einer Gemeinde erkennen läßt. Ich erinnere mich an die Zeit, wo man erstmalig durch Drehen eines Schalters eine elektrische Lichtanlage betätigen konnte, wo man mit einem Detektor erstmalig Stimmen aus dem Äther auffangen konnte, wo ein Automobil auf der holprigen Straße eine Sehenswürdigkeit war, wo die ersten Schreibmaschinen bekannt wurden und vieles andere mehr. Heute stehen wir kurz vor der Landung menschlicher Lebewesen auf dem Mond. Anstelle des Detektor-Gerätes haben wir ein Fernsehgerät mit farbigen Bildern. Das menschliche Denken wird zum Teil durch Computer ersetzt. Das Automobil ist mit Fernsprech-Sender und Empfangsanlage ausgerüstet und wird z. T. als ferngesteuertes Fahrzeug entwickelt. Es sind Großraumflugzeuge in Erprobung, die es ermöglichen, Kontinente in 1-2 Stunden zu überfliegen, die Übertragung menschlicher Herzen Wurde bereits mit Erfolg durchgeführt. Ausgehend von der Aufgabe dieser Chronik kann wohl gesagt werden, daß das Geschehen der letzten 50 Jahre trotz aller durch menschliche Unzulänglichkeiten entwickelten Schwierigkeiten der Menschheit Fortschritte gebracht hat, die in früheren Zeiten im Bereich der Phantasie lagen.

Im Aufgabenbereich des Chronisten soll jedoch das Zeitgeschehen der Heimätgemelnde dargestellt werden. Angeregt durch Geschichtsforschungen des in den Jahren 1922-51 hier tätig gewesenen Hauptlehrers Wilhelm Well wurde im Jahre 1952 eine großzügig aufgezogene 1200-Jahr-Feier veranstaltet. Im Festbuch war der geschichtliche Werdegang der Gemeinde z. T. erfaßt und es gab zu dieser Zeit schon Überlegungen, die Geschichtsdarstellung zu vervollständigen und in einem würdigen Rahmen der Nachwelt zu übergeben. Für die Arbeit an einem solchen Werk, das nur mit viel Zeitaufwand, Heimathebe und Idealismus zu ermöglichen ist, konnte zunächst keine geeignete Persönlichkeit gefunden werden. Der Chronist Alfred Horst, von Beruf selbständiger Bäckermeister aus einer alten Lohraer Familie, trat erstmalig in die Öffentlichkeit, als er mit viel Mühe und künstlerischem Geschick ein Gemälde „Lohra überm Wiesengrund“, aus Anlaß der Einweihung des Bürgerhauses am 2.7.1966 als Stiftung überreichte. Er war es, der sich für die Arbeit an Lohras Geschichte interessierte und uneigennützig und ohne Honorarforderung sich für die Gestaltung der Chronik zur Verfügung stellte. Neben dem Dank, der ihm zum gegenwärtigen Geschehensablauf gezollt wird, werden auch wiederum sie nachfolgenden Generationen diese seine Arbeit anerkennen und für das Überlieferte zu danken wissen. Wir alle, die wir Mitglieder der gemeindlichen Selbstverwaltung in einer so ereignisreichen Zeit sind, wollen und müssen erkennen, daß unsere Tätigkeit nur als winziges Zahnrädchen im Gesamtablauf des gemeindlichen Geschehens gesehen werden kann. Wir wollen in unserer Zeit versuchen, die anstehenden Aufgaben zu erkennen und deren Lösung anstreben, damit wir im Gesamtrahmen dieser chronistischen Aufzeichnungen uns einen wohlverdienten Platz erwerben können. Es sei mir vergönnt, dieses Vorwort mit einem Gebet des Dichters Eduard Mörike abzuschließen, das bereits in einer Schulchronik aufgeführt ist, die in den Mauern des in den Jahren 1956/57 erstellten Schulgebäudes (links vom östl. Haupteingang) ruht und das ich für diese Lebensgemeinschaft „Lohra“ in der Gesamtheit aussprechen möchte:

Herr! schicke was du willst ein Liebes oder Leides; Ich bin vergnügt, daß beides aus deinen Händen quillt. Wollest mit Freuden und wollest mit Leiden mich nicht überschütten! Doch in der Mitten liegt holdes Bescheiden. Lohra, im Juli 1969


Walter Schorge (1. Beigeordneter), Helmut Heitmann (Beigeordneter), Johs. Blatt (Beigeordneter), Siegfried Sitter (Beigeordneter), Jakob Dörr (Vorsitzender der Gemeindevertretung), Johann Hallenberger (Gemeindevertreter), Johann Keller (Gemeindevertreter), Hermann Maier (Gemeindevertreter), Jakob Schlag (Gemeindevertreter), Karl Horst (Gemeindevertreter), Heinrich Eidam (Gemeindevertreter), Jakob Schlienbecker (Gemeindevertreter), Kurt Gabriel (Gemeindevertreter) Konrad Ruppert (Gemeindevertreter), Heinrich Schäfer (Gemeindevertreter), Franz Pechmann (Gemeindevertreter), Alfred Horst (Gemeindevertreter), Konrad Hallenberger (Schriftführer)


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