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Kirchenbuch

Kirchenbücher sind Verzeichnisse über Taufen, Konfirmationen, Trauungen, Beerdigungen sowie Protokollbücher, die von Pfarrern meist in chronologischer Reihenfolge angelegt wurden und noch werden. Man unterscheidet:

  • Im Taufregister sind die Daten der Geburt und/oder der Taufe der jeweiligen Person, sowie seiner Eltern und Paten aufgezeichnet.
  • Im Konfirmationsregister sind die Daten und Sprüche zu den Konfirmanden aufgezeichnet
  • Im Heiratsregister sind die Daten der Eheschließung der Ehepartner (bei Frauen tw. nur der Vorname), sowie (nicht immer) der Eltern und Trauzeugen aufgezeichnet.
  • Im Sterberegister sind Todes- und/oder Begräbnisdaten aufgezeichnet.
  • Protokollbücher, Aufzeichnungen meist allgemeiner Art.
  • Fornikationsprotokolle, spezielle, oft peinliche Protokolle.
  • Verwaltungs- und Bauakten
  • Kirchenstuhlregister, die Kirchenstühle (feste Sitzplätze in der Kirche)

Oft sind zusätzliche Daten wie Wohnort oder Beruf der jeweiligen Person angegeben. Der Umfang der Eintragungen ist verschieden und hängt von den Gewohnheiten des zuständigen Pfarrers und dessen Kenntnisstand über die Personen ab. Weil die Kirchenbücher in erster Linie kirchliche Handlungen belegen, werden in historischer Zeit oft nur Ort und/oder Datum der Taufe bzw. der Beerdigung (in anderen Fällen nur das Todesdatum) genannt, nicht aber Geburt und Tod (bzw. Beerdigungstag). Die Kirchenbücher stellen oft die einzigen Aufzeichnungen von Personen dar, da die Eintragungen unabhängig von Stand, Geschlecht und Vermögen gemacht wurden. Kirchenbücher gibt es im deutschen Sprachraum etwa ab ca. 1530, in Lohra ab 1570.

Die Pfarrer führten diese Aufzeichnungen oft auch im landesherrlichen Auftrag. Dadurch bedingt findet man für Zeiten, in denen bestimmte Religionen in bestimmten Regionen unerwünscht waren, auch Aufzeichnungen über Protestanten in katholischen Kirchenbüchern und umgekehrt (Simultanregister).

Abweichende Glaubensrichtungen wurden oft ignoriert.

In seiner 24. Sitzung ordnete das Konzil von Trient per Erlass des Ehedekretes vom 11. November 1563 die Anlage von Eheregistern und im Zusammenhang damit auch die Einführung von Taufbüchern an. Für die Führung von Sterbebüchern, sowie von Firmmatrikeln wurde erst im Rituale Romanum im Jahr 1614 Formulare entworfen, aber auch für die Tauf- und Traumatrikel findet man erst hier genaue Formulare. Allerdings hatte das Rituale Romanum keinen verpflichtenden Charakter, so dass die tatsächliche Qualität der Eintragungen in den Kirchenbüchern weiterhin stark variiert. Auch die Sterbebücher waren immer noch nicht verpflichtend.

Ein großer Teil der (überlieferten) Aufzeichnungen beginnt erst Anfang des 17. Jahrhunderts, wobei aus dieser Zeit durch Kriegswirren nur wenige Bücher erhalten sind. Erst nach Ende des Dreißigjährigen Krieges kann man von einer großflächigen Erfassung der Taufen, Trauungen und vereinzelt auch der Sterbefälle bzw. Begräbnisse sprechen. Doch auch während des Türkenkriegs gingen regional viele Bücher verloren.

In der Regierungszeit Kaiser Josephs II. wurden die Pfarrer gesetzlich verpflichtet, Zweitschriften für staatliche Zwecke anzufertigen.

Zu einem weiteren Verlust an Matrikeln kam es während der Napoleonischen Kriege 1797-1809 und nicht zuletzt im 2. Weltkrieg. Zum 1. Januar 1876 wurde im deutschen Reich mit dem Personenstandsgesetz ihre Bedeutung durch die staatlichen Standesämter abgelöst. Heute dienen diese Bücher nur noch innerkirchlichen Aufzeichnungen. Für die Zeit vor 1876 und bei Verlust der Personenstandsregister im Krieg gelten die Kirchenbücher immer noch als Nachweis.

In zahlreichen Pfarreien beginnen die (erhaltenen) Kirchenbücher erst nach 1648, da die älteren Bände in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges verloren gingen. Durch Brände in den Pfarrhöfen gingen gelegentlich auch spätere Aufzeichnungen verloren.

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