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Siedlungsgeschichte

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Siedlungsgeschichte

Inhaltsverzeichnis

Lage und Klimabedingungen

Zur Beschreibung der Siedlungsgeschichtlichen Entwicklung unseres hiesigen Raumes gehört auch eine kurze Betrachtung der vorzufindenden Lage und Klimabedingungen.

Unser Gebiet befindet sich am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges mit vorwiegenden Verwitterungsböden aus Devonischen Tonschiefern. Die Täler haben meist ein kastenförmiges Profil was auf eiszeitliche Erosion zurückzuführen ist. Die breiten Talböden stehen in keinem Verhältnis zu den in ihnen fliesenden Bächen.

An einigen Stellen wie z.B. entlang der Straße Rollshausen, Altenvers bietet das Gestein am Südhang des Hemmerich einen gewissen Widerstand was zu einer Verengung des Tals führt. In Richtung Seelbach haben wir wieder eine breite Talausdehnung.

Die Klimatischen Bedingungen dürften, auch in früheren Zeiten, als gemäßigt bezeichnet werden. Überwiegend West und Südwinde die sehr regenreich sind, sich aber an der Westseite des Westerwaldes schon stark abregnen, sorgen für ein eher trockenes Klima.

Gemessen an den hohen Bodenqualitäten der angrenzenden Gebiete, Amöneburger- und Giessener Becken gehören wir hier zu den Landwirtschaftlich mäßig ertragreichen Bereichen.

Früheste Besiedlungen

Früheste Besiedlungen sind deshalb auch im Amöneburger- und Giessener Raum zu finden. Funde bei Mardorf aus der Altsteinzeit, der Klingenkultur (15.000 bis 8.000 Jahre vor Chr. sind ein Beleg dafür. Ob sie dauerhaft dort gesiedelt haben ist nicht zu beweisen.

Mit Sicherheit kann man aber sagen, dass während und nach der letzten Eiszeit (Ende vor ca. 15.000 Jahren), kleine nomadisierende Gruppen in unserem Raum gesammelt und gejagt haben.

Man nimmt an das sie aus höchstens 20 bis 30 Menschen bestanden haben. Diese Familienverbände betrieben keinen Ackerbau und waren dadurch nicht an einen Platz gebunden. Vermutlich sind sie ihren Beutetieren wie z.B. Rentieren gefolgt, wie heute noch in Skandinavien die Samen oder in Sibirien und Kanada die Ureinwohner.

Vor 7.000 Jahren

Wann Menschen zum ersten mal mit einfachen Steinwerkzeugen den Boden im Giessener- und Amöneburger Becken bearbeitet haben um von ihren Ernteertägen zu leben ist nicht zu datieren, es war in jedem Fall früher als in unserem Lohraer Raum.

Langsame Verbesserung des Klimas und eine ansteigende Erwärmung führten zu höheren und kontinuierlichen Ernteertägen und damit auch zu einer ständig wachsenden Bevölkerungszahl.

Irgendwann vor 7.000 Jahren reichten die alten Siedlungsräume nicht aus, man musste in die Seitentäler ausweichen, auf diesem Wege wurde vermutlich auch unser Gebiet dauerhaft besiedelt.

Bandkeramik

Klare und eindeutige Beweise für eine dauerhafte Besiedlung haben wir hier seit der Jungsteinzeit, die Zeit der Bandkeramik vor 6.500 bis 7.000 Jahren. Der Begriff kennzeichnet eine Zeit und Menschengruppe die nach Mustern auf ihrer Keramik, Tupfenbänder oder Zackenlinien genau zu identifizieren ist.

In Rollshausen wurde 1941 ein Steinwerkzeug gefunden, welches man eindeutig dieser Zeit und Gruppe zuordnen kann, es befindet sich heute im Landesmuseum Kassel.

In den letzten 25 Jahren wurde bei Damm eine große Anzahl von Gegenständen wie Scherben mit eindeutigen Mustern, Steinbeile, Schaber, Steinmesser und Pfeilspitzen sichergestellt. Die Menge und der Fundort belegen eindeutig einen Siedlungsplatz.

Aufgefundenen Gegenstände

Die aufgefundenen Gegenstände sind von einer sehr hohen Bearbeitungsqualität d.h. sie sind sehr aufwendig und sorgfältig hergestellt worden. Das legt die Vermutung nahe, dass die Versorgung mit Lebensmitteln ausreichend wenn nicht sogar sehr gut war. Man konnte sich Zeit nehmen Gegenstände weit über ihren Gebrauchswert hinaus zu verschönern und zu bearbeiten.

Vermutlich waren hier Spezialisten am Werk die ausschließlich mit der Herstellung von Steinwerkzeugen beschäftigt waren und von den Anderen mitversorgt werden konnten.

Ab 2006 wird nun eine Gesamtabsuche der Gemarkungen der Großgemeinde durchgeführt. Einige Ergebnisse, z. B. in Willershausen, bringen eine unerwartet hohe Zahl von Gegenständen aus der Jungsteinzeit, auch konnten hier zum ersten mal Scherben der Keltenzeit sicher gestellt werden.

Steinkammergrab

Als Bewies einer langen Siedlungsperiode während der Jungsteinzeit sei hier das 1931 von Jakob Elmshäuser von der Götzenmühle in Lohra auf seinem Acker entdeckte Steinkammergrab aufzuführen.

Die Entstehungszeit fällt in die ausklingende Jungsteinzeit, etwa 4.000 bis 3.800 Jahre alt. Das Grabinnere war etwa 5 m lang und 2,20 m breit, es hatte einen rechteckigen Grundriss der mit Sandsteinblöcken umrandet war. Die Sandsteinblöcke von denen Einzelne 60 cm bis 1 m lang, 40 cm dick und 80 cm hoch waren. Ihre Einzelgewichte schwanken zwischen 8 bis 10 Zentnern. Im Inneren der eingestürzten Grabkammer fand man den Leichenbrand von ca. 20 Menschen und im Gegensatz zu anderen Nordhessischen Steinkammergräbern war den Toten reichlich Keramik mitgegeben worden. Außer der Keramik fand man eine sehr sorgfältig gearbeitete Steinaxt aus Serpentin mit ovalem Schaftloch, ein kleines spitznackiges Steinbeil, eine retuschierte Kieselschieferklinge und ein Bronzeblechstück.

Hügelgräberbronzezeit

Die Hügelgräberbronzezeit etwa 1.500 bis 1.300 vor Chr. können wir in unserem Bereich belegen. Im Nordwesten von Willershausen befindet sich ein ganzes Gräberfeld.

Hierzu fehlen bis jetzt eindeutige Spuren einer Siedlung.

Keltische Besiedlungen

Die ältere Eisenzeit 800 bis 600 vor Chr. ist in Lohra und Umland nicht belegbar. Jedoch sind Spuren der jüngeren Eisenzeit 500 bis 400 vor Chr. aufgetaucht.

Diese Zeit, die Zeit der Kelten und ihre Besiedlung, waren bislang in unserem Raum nicht zu finden. Eine intensive Absuche der Gemarkungen von Rollshausen, Altenvers, Weipoltshausen und Kirchvers mit Blickkontakt zum Dünsberg hat zu weiteren Erkenntnissen im Bezug auf Keltische Besiedlungen geführt. Das Opitum Dünsberg nimmt nach neuesten Forschungsergebnissen eine überragende Stellung in unserem Gebiet ein. Es sollen bis zu 7.000 Menschen dort gelebt haben. Deren Versorgung kam aus dem Umland.

Eine Ausgrabung in der Gemarkung Altenvers hat Erkenntnisse zu einer Germanisch kaiserzeitliche Siedlung gebracht.

Mit dem Niedergang des Opitums Dünsberg scheint auch die Besiedelung und Bevölkerung geschrumpft zu sein.

Wir finden keine Spuren in der ausgehenden römischen Kaiserzeit noch aus der Zeit der Völkerwanderung. Orte wie Lohra, Kehna und Allna dürften dauerhaft wenn auch mit geringer Bevölkerungszahl weiter bestanden haben.

Franken

Orte wie Rollshausen, Seelbach und Rodenhausen sind Neu- oder Wiederbesiedlungen durch die Franken im 8. Jh. n. Chr. Als Beleg dafür kann man den Namen Rollshausen anführen.

Unsere –hausen- Orte sind meist Grundherrliche Siedlungen die den Namen des Grundherren, Erstsiedlers oder Sippenältesten bekamen. Für Rollshausen z.B. Ruodo, Rudilo oder Rollo verbunden mit dem Grundwort -hausen (husen ).

In der Zeit zwischen dem 7.- und 9. Jh. nennt man gewöhnlich Orte nach Personen, auch sind die Namen in dieser Zeit sehr gebräuchlich, später nicht mehr.

Fränk.- Karolingische Zeit

Ein weiter Gesichtspunkt ist z. B. die Lage Rollshausens an einer alten Heerstraße von West nach Ost die eine besondere Bedeutung in der Karol. Zeit hatte.

Sie kreuzt auf dem Battingsfeld (Altes Schloss Gronau, Schmelzmühle) die Nord- Süd Straße später als Frankfurt-Bremer Straße bekannt. Hier auf dem Battingsfeld hatten die Franken schon 720 eine starke Straßenfeste die seit 772 stark ausgebaut wurde.

Die durch Rollshausen verlaufende Straße wird in späteren Jahrhunderten als Marburg- Herborner Straße bezeichnet, ihr Verlauf geht über Alt- Hohensolms mit der Straße von Wetzlar zusammen.

Bekannt ist, das die Frankenkrieger Karls des Großen entlang dieser Straße mehrmals zur Eresburg östl. von Brilon gezogen sind. Siedlungen wurden auch in der Fränk.- Karol. Zeit entlang der Straßen als Tagesetappe zur Verpflegung und Unterkunftsmöglichkeit von Truppen und Reisenden angelegt.

Archäologisches Fundmaterial

Werten wir das archäologische Fundmaterial nach Fundorten und Menge aus, ergibt sich das Bild einer starken und dichten Besiedelung während der Jungseinzeit, dieses wird dann immer spärlicher und erreicht erst wieder durch die Neubesiedelung der Franken im 7.– 9. Jh. einen Stand den sie 3.500 Jahre zuvor hatte.

Unsere Orte sind viel älter

Welche die genauen Gründe für eine Besiedlung in unserer Heimat waren, wird für immer unbekannt bleiben. Unsere Orte sind viel älter als ihre erste urkundliche Erwähnung, die mehr zufällig erhaltene Belege von Rechtgeschäften sind.

So haben wir in Lohra oder Seelbach erste Urkunden schon im 8. und 9. Jh. über eine Schenkung, das hätte vermutlich auch jeder andere Ortsteil sein können.

Gründe für eine Siedlung

Es gab mit Sicherheit aber gute Gründe, weshalb grade an diesem Ort eine Siedlung entstanden ist. Es waren meist strategische-, wirtschaftliche-, landwirtschaftliche-, sicherheitstechnische-, energetische- oder wetterbedingte Gründe.

Zersiedlung der Landschaft

Man darf auch davon ausgehen, dass die frühere Besiedlung nicht so aussah wie heute, wo die Orte zentriert sind.

Die frühere Besiedlung würde man heute als „Zersiedlung“ der Landschaft bezeichnen, wofür es zahlreiche Zeugnisse zu den „Wüstungen“ in unserer Heimat gibt.

Die meisten Orte sind bei uns im 14. und 15. Jh. mit ihrem Siedlungsschwerpunkt entstanden.

Siehe auch

Geographie · Wüstungen · Geologie · Geschichte · Großgemeinde · Recherche · Besonderheiten · Siedlungen · Für Neugierige

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