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Schulentwicklung in Lohra

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Schulentwicklung in Lohra

  • Als Bonifatius im Jahre 718 nach Hessen kam, waren den Bewohnern des Landes das Alphabet und die Kunst des Schreibens noch unbekannt. Für den Ackerbau, für die Jagd und den Krieg, die Viehzucht und die Weberei und für den Götterdienst waren diese Dinge nicht erforderlich.
  • Die ersten Schulen, die in Hessen seit dem 13. Jh. eingerichtet wurden, waren Klosterschulen, die eine einheimische Geistlichkeit heranbilden und dadurch den Fortbestand der Kirche ermöglichen sollten.
  • Nach und nach entstanden neben diesen Klosterschulen - auch innere Schulen (interiores) bezeichnet -, sog. äußere Schulen, in denen Weltpriester und Laien ausgebildet werden konnten. Diese äußeren Schulen lagen außerhalb der Klostermauern.
  • Berühmte Klosterschulen bestanden in Fulda, Hersfeld und Fritzlar, denen Bonifatius Schulordnungen gab. Diesen Schulen folgten später die Stiftsschulen, darunter die von Amöneburg und Wetter. Noch dichter war das Netz von Pfarr- und Stadtschulen, wie Marburg, Ziegenhain, Herborn, Biedenkopf. Dazu kamen die Schulen an den Mutter- und Sendkirchen, wie in Lohra.
  • In Kirchvers und Lohra erteilte der Pfarrer Lateinunterricht. Der Lehrer erteilte den Unterricht in demjenigen oberdeutschen oder niederdeutschen Dialekt, den er von Jugend auf redete. Außerdem wurde der Unterricht im Mittelalter bis nach der Erfindung der Buchdruckerkunst wegen der Seltenheit und Kostbarkeit der geschriebenen Lehrbücher vorzugsweise mündlich erteilt; er beruhte auf einer starken Übung des Gedächtnisses.
  • 1529 besaß die Marburger Universität schon ein »Pädagogium«, deren Studenten seit 1540 zumeist in der Stipendiatenanstalt im Kugelhaus wohnten und die Grammatik, Dialektik, Rhetorik und Musik studierten, diese wurden aber nur Lehrer an Stadtschulen und waren Anwärter auf ein Pfarramt.
  • Landgraf Moritz erließ 1618 eine Schulordnung, die viel an Wissen, Können und Tugend verlangte, aber nichts über Vorbildung der Lehrer verriet. Die Schulordnungen von 1623, 1629, 1656, 1700 waren ebenfalls nur für Stadtschulen gedacht. 1698 berücksichtigte Landgraf Karl auch die Dorfschulen. Statt vom 5. —12. Lebensjahr sollte die Schule jetzt vom 7. —14. Jahre besucht werden.
  • 1783 wurde das erste hessische Lehrerseminar in Kassel, das mit dem Lyceum Fridericianum verbunden war, eingerichtet.
  • 1805/06 begann in der Reitgasse, unterhalb des »Kilian«, das Marburger Seminar, das auch Lehrer in die Dörfer schickte. 1835/36 wurde das Kasseler Seminar nach Homberg/Efze und das Marburger nach Schlüchtern verlegt.
  • Das Marburger Seminar hatte um 1810 etwa 20 Seminaristen. Dieses war zunächst simultan, d.h. es wurde von lutherischen, reformierten und katholischen Schülern besucht. Die Ausbildung dauerte zuerst nur 12, dann 18 Monate. Ab 1825 wurde sie auf drei Jahre verlängert.
  • Da die aufgenommenen Bewerber unzureichend vorgebildet waren, wurden diese durch ältere Lehrer, auch durch Pfarrer vorbereitet. Man nannte sie Präparanden, d.h. Vorzubereitende. Kultusminister Falk gründete dann staatliche Präparandenanstalten, und als er 1879 aus dem Amt schied, bestanden 27 derselben in Preußen, zu dem Hessen seit 1867 gehörte.
  • Dieser Werdegang nach acht Jahren Volksschule, dann drei Jahre Präparadenanstalt und drei Jahre Lehrerseminar, hat bis 1926 bestanden. Seit 1926 kam nach absolviertem Gymnasium das Pädagogische Institut und schließlich seit 1961 der Anschluß der Hochschule für Erziehung an die Universitäten.
  • Seit 1849 erstrebte man die Abschaffung der niederen Küsterdienste: die Sorge für Altarwäsche, für die Kirchenuhr und das Glockenläuten, für Kerzenanzünden, Kirchenreinigen, Friedhofsaufsicht, Pflege der Tauf- und Abendmahlsgeräte, Austragen pfarramtlicher Schreiben, Nachtragen der Amtskleidung auf die Filiale, Eiersammeln für den Pfarrer und so vieles andere.
  • Als nebenberufliche Tätigkeit verboten wurde, flüchtete sich der Lehrer in Bienenzucht, Hopfen- und Tabakanbau, Obst- und Rosenveredelung, in Rendantenämter an Pfarrei, Gemeinde oder Sparkasse.
  • Noch 1893 übten Lehrer mitunter diese niederen Küsterdienste aus, 1935 wurde die Verbindung des Organistendienstes mit der Schulstelle aufgehoben.
  • Bis 1863 hatte man auch erstmalig Weltkunde, Landesgeschichte, Turnen, Zeichnen und Handarbeit in den Stundenplan aufgenommen. Schon 1801 hatte man an sogenannte »Industrieschulen« gedacht, in denen Mädchen Nähen und Stricken, Knaben Garten- und Obstbau lernen sollten.
  • Ehe Kurhessen 1867 preußische Provinz wurde, unterrichtete ein Lehrer im Durchschnitt 72 Kinder.
  • Die Volksschule in Lohra war ursprünglich die Schule des gesamten Kirchspiels. Sie bestand schon 1583, besaß aber 1634 noch kein Schulhaus. In Kirchvers bestand ebenfalls eine Schule, hatte aber auch kein Schulhaus. Seit 1624 war es den Eltern in den Filialdörfern erlaubt, ihre Kinder anderwärts unterrichten zu lassen; sie waren jedoch gehalten, ihre Kinder vom 12. Lebensjahre an zur Schule in Lohra zu schicken.
  • 1811 wird die Filial- oder Elementarschule in Altenvers zur selbständigen Schule erhoben, in die auch die Schüler der benachbarten Orte eingeschult werden.
  • Die Schule in Lohra besuchen seit dieser Zeit nur noch die Schüler der Orte Lohra, Damm und Nanz-Willershausen.
  • Die jüdischen Schulkinder besuchen 1854 die Schule in Fronhausen.
  • 1855 gehen die Schüler von Seelbach zur Schule nach Rodenhausen und von Reimershausen und Rollshausen zur Schule nach Altenvers. Weipoltshausen besitzt eine eigene Schule.
  • Seit 1868 wandte das Land Preußen dem Elementarschulwesen seine Aufmerksamkeit, Fürsorge und Tätigkeit zu.
  • Bücher für den Sprach- und Rechenunterricht, den geographischen, geschichtlichen, naturgeschichtlichen und Gesang-Unterricht wurden zur Anschaffung empfohlen.
  • Durch Verfügung vom 30. Oktober 1868 wurde der Turn-Unterricht in den Schulen eingeführt.
  • Nach 1870 hatte die Regierung angeregt, eine Industrieschule für den Kreis Biedenkopf einzurichten.
  • Im Jahre 1887 empfahl die Regierung den Gemeinden, den Lehrern den Glöcknerdienst und andere niedere Kirchendienste abzunehmen, da diese Dienste mit der Stellung und dem Amt eines Lehrers kaum mehr vereinbar erschienen. Dagegen sollte der Organisten-(Kantor- und Vorsänger)Dienst bei dem Schuldienst verbleiben.
  • Durch Erlaß vom 24. August 1896 durfte der Unterricht bei großer Hitze gekürzt werden.
  • 1902 wurden die Zahl und die Dauer der Erholungspausen zwischen den Unterrichtsstunden geregelt.
  • Im Jahre 1907 waren in den meisten Schulen geeignete Vorkehrungen getroffen, die Schüler bei Feuergefahr im Schulgebäude an ein schnelles und geordnetes Verlassen der Zimmer und des Hauses zu gewöhnen.
  • Im Jahre 1925 gründeten mehrere Schulen eine Schulsparkasse.
  • Mit Beginn des Schuljahres 1925/26 wurde die Sütterlinschrift in den Schulen eingeführt.
  • Seit 1941 begann das Schuljahr im Herbst, außerdem wurde die Normalschrift - d.h. die lateinische Kursivschrift - als alleinige Schreibschrift eingeführt, weil sie in allen Kulturländern gebräuchlich sei. Bis dahin lernten die Schüler die lateinische Schrift und die alte deutsche Fraktur, die über 400 Jahre geschrieben wurde.
  • Zu Beginn des 20. Jh. begann der Schulunterricht Ende April/Anfang Mai.
  • Die Ferien waren unterteilt in Pfingstferien, Heuferien, Grummetferien, Kartoffelferien und Weihnachtsferien.
  • Nach dem 2. Weltkrieg wurden auf Anordnung der Militärregierung alle Lehrer, die bis zum 30. April 1937 in die NSDAP eingetreten sind, ihres Dienstes enthoben. Lehrer, die zu einem späteren Zeitpunkt der Partei beigetreten sind, konnten im Amt verbleiben, wenn sie kein Parteiamt verwaltet hatten. Diese Maßnahme führte in der schulischen Betreuung der Jugend zu großen Schwierigkeiten.
  • Am 1. Oktober 1945 wurde mit Glockenläuten der Schulbetrieb wiederaufgenommen.
  • Während des 2. Weltkrieges sammelten die Schulkinder Wildfrüchte wie Hagebutten, Schlehen und Weißdornfrüchte. Außerdem trugen die Schulkinder Altstoffe wie Knochen, Lumpen, Eisen und Papier zusammen.
  • Ab 1. April 1944 erhielt jedes Kind für 1 kg Knochen eine kg-Marke. 5 kg-Marken berechtigten zum Einkauf eines Stückes Kernseife.
  • Nach dem Schulbeginn am 1. Oktober 1945 gab es keine Lehrbücher, die Kinder besaßen teilweise keine Schreibtafel, die Lehrmittel waren zum größten Teil verschwunden. In den Jahren nach dem Kriege herrschte große Lebensmittelknappheit, den Kindern wurde deshalb eine Schulspeisung ausgeteilt. Durch den Zuzug der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge stieg die Zahl der Schüler erheblich.
  • Soziale Gerechtigkeit und die Notwendigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung forderten, daß Landkinder dieselben Bildungsmöglichkeiten erhalten wie ihre Alterskameraden in den Städten. Ihre Berufswünsche glichen sich immer mehr an. Das Land Hessen ordnete deshalb das Schulwesen neu.
  • Im Jahre 1967 wurde der Schuljahresbeginn auf den Herbst umgestellt. Als Übergabe hatte der Kultusminister zwei verkürzte Schuljahre von je 8 Monaten vorgesehen. Das erste Kurzschuljahr begann am 1. April 1966 und endete am 30. November 1966, das zweite dauerte vom 1. Dezember 1966 bis zum 31. Juli 1967.
  • Seit Oktober 1970 benutzen die Schüler der Mittelpunktschule Lohra zum Schwimmunterricht das Hallenbad in Gladenbach. Die Fahrtkosten übernimmt das Land Hessen. Die Kosten für die Benutzung des Bades trägt der Landkreis.
  • Mit Beginn des Schulhalbjahres 1972/73 wird in der Schule Lohra ein erster und mit Beginn des Schuljahres 1980/81 ein zweiter unterrichtsfreier Samstag eingeführt.
Nach dem Stande vom 15. Mai 1965 bestanden in unserer Heimat folgende Möglichkeiten des Schulbesuches:
- Altenvers - Schulverband mit Reimershausen - mit 2 Klassen und 8 Schuljahrgängen. 
- Kirchvers - mit 2 Klassen und 8 Schuljahrgängen.
- Lohra - Schulverband mit Damm und Nanz-Willershausen - mit 9 Klassen und 9 Schuljahrgängen. Die Schule ist Mittelpunktschule.
- Rollshausen - Schulverband mit Rodenhausen und Seelbach - mit 2 Klassen und 8 Schuljahrgängen.
- Weipoltshausen - mit 1 Klasse und 8 Schuljahrgängen.
  • Zu Beginn des 1. Kurzschuljahres (1966) wurde das 9. Pflichtschuljahr eingeführt. Die Schüler dieses 9. Schuljahres in den wenig gegliederten Schulen Altenvers, Rodenhausen, Rollshausen, Seelbach und Weipoltshausen wurden in der Schule Lohra - die die Bezeichnung »Mittelpunktschule« erhielt-zusammengefaßt. Sie wurde von einem Schulverband getragen.
  • Durch eine Verordnung zum Hessischen Schulverwaltungsgesetz trat mit Wirkung vom 1. Januar 1970 der Landkreis Marburg in die Rechte und Pflichten des bisherigen Schulträgers ein.
  • In den folgenden Jahren werden die noch bestehenden wenig gegliederten Schulen aufgelöst. Die Schüler besuchen die Mittelpunktschule Lohra.
Jahr der Auflösung	Schule
1965(31.7.)	Rodenhausen
1969(31.7.)	Weipoltshausen
1970(31.7.)	Rollshausen
1972(31.7.)	Altenvers
1975(31.7.)	Kirchvers, bisher Grundschule Fronhausen
  • Bereits am 1. Aug. 1971 wurde in Niederwalgern die freiwillige Förderstufe eingeführt. Alle Schüler des 5. Schuljahres aus den Ortsteilen der Großgemeinde Lohra, die die Möglichkeit der freien Wahl weiterführender Schulen nicht in Anspruch nehmen, werden ab 1. Aug. 1971 in der Gesamtschule Niederwalgern beschult, wobei diese Zuordnung einen kostenfreien Transport beinhaltete. Bei der Wahl einer anderen Schule musste der Transport dorthin von den Eltern selbst getragen werden, trotz „freier Wahl“.

Einkommen der Lehrer

  • Das Einkommen der Schulmeister war recht verschieden. Die Schulordnung des Großherzogtums Hessen-Darmstadt, die 1626 auch Teile des Marburger Landes einbezog, gibt einen guten Einblick in das Schulwesen und die Besoldung. Das Diensteinkommen der Schulmeister im Marburger Land betrug:
Lohra: der Caplan Heinrich Fenner, so auch zugleich Schulmeister ist, hat jährlich 90 fl, 6 alb. 

Kirchvers: Der Schulmeister und Opfermann Johann Conrad Reitz, hat jährlich an Geld, Brot und Freiheit (d.h. Befreiung von    
bestimmten Lasten und Abgaben) 20 fl, 21 alb. 

Crumbach: Der Opfermann Peter Ludtwig hat an Geld 2 fl Schulgeld. Korn 1 Malter 2,  Mesten, macht 6 fl, 19 alb. Freiheit 2 fl.

Niederwalgern: Der Schulmeister und Opfermann Merten Weimar hat jährlich an Korn 1, Malter 1 Mutt, macht llli fl. »Leubbrodt von  
jederm Hauß zu samblen 2 fl. vom Graß uffm Kirchoff lli fl.«

Fronhausen: Der Opfermann Johann Eberter hat jährlich (... etc___) Summa 40 fl, 16 alb.

Ober-Weimar: Der Opfermann Lucas Spengler hat jährlich (unter anderm, z.B. »Schweine Mast 10 alb, Weidt vor das Vihe 19 alb, 
Schulgeltt 2 fl, Eyer 150 Stück, Leubbrodt«) Summa 44 fl, 5 alb.

Gladenbach: Caplan M. Hermannus Abel so auch Schulmeister ist hat jährlich (unter anderm, z.B. »Korn, Haffer, Weitzen, Erbeiß, 
Gersten, Wicken, Lämmer, Gense, Hahnen, Huener, Wachs, Claffterholtz, Eyer, Kees, Weidt vor Vihe« ... etc. ...) 89 fl. 6 alb. 

Biedenkopf: hat obrist Schulmeister Johannes Gimpell 52 fl, 9 alb. - secundus Bartholo-maeus Rueßdorf 31 fl.
  • Das Gesetz über das Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen vom 26. März 1909 regelte das Diensteinkommen der Lehrer neu. Es setzt sich aus Grundgehalt, Alterszulagen und freier Dienstwohnung oder Mietentschädigung zusammen. Das Grundgehalt betrug für eine Lehrerstelle 1400 Mark jährlich. Nicht festangestellten Lehrern und Lehrern, die weniger als 4 Jahre im Schuldienst gestanden haben, wird das Grundgehalt um ein Fünftel gekürzt. Alterszulagen werden nach 7jähriger Dienstzeit und danach 9 Zulagen in Zwischenräumen von jeweils 3 Jahren gewährt. Sie betragen zwischen 200 und 250 Mark.
  • Nach der Besoldungsordnung von 1928 wurden alle Lehrer gleichgestellt. Die alleinstehenden Lehrer erhielten außerdem 200 Mark Zulage jährlich nach 5jähriger Dienstzeit als alleinstehender Lehrer
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