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Schmied

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Schmied ist die Berufs- und Handwerksbezeichnung für eine Person, deren Hauptaufgabe das Schmieden (Freiform- oder Gesenkschmieden) von Metall in der Einzel- aber auch Massenfertigung ist.

Ein Schmied war früher ein Universalhandwerker, der, von großen Anlagen (Wasserrädern, Gattern) über die Waffenproduktion (Rüstungen, Netzhemden und Schwertern) bis zur Prothetik (Gliedmaßen, Zähne) gefragt waren.

Aus diesem Berufsstand gründen sich neben Müller die meisten Familiennamen.

Schmieden ist das spanlose Umformen von Metallen zwischen zwei Werkzeugen durch Querschnittsveränderung. Vorteile sind geringer Materialverlust im Gegensatz zur spanenden Bearbeitung, nachteilig die geringere Genauigkeit. Heutzutage ein fast ausgestorbenes Handwerk. Früher arbeitete der Schmied mit Hammer, Amboss und Steinkohlen-Esse. Im Vergleich zum Gießen verbleibt der Werkstoff (in der Regel Metall) im festen Aggregatzustand und wird mit Hammer, Amboss oder gleichartigen Maschinen (Mühlen) bearbeitet.

Wahrscheinlich wurden von Menschen zuerst die Metalle Gold, Silber und Kupfer bearbeitet. Diese drei kommen in der Natur gediegen (metallisch) vor und können im kalten Zustand zu Blechen verarbeitet werden. So sollen die Bewohner des heutigen Afghanistan bereits um 6000 v. Chr. Metalle be- und verarbeitet haben.

Als der Handel immer größere Gebiete bediente, spezialisierten sich Schmiedemeister, die vorher ein breites Produktspektrum bedienten. Mit der Gründung der Manufakturen verfeinerte sich die Spezialisierung immer weiter, sodass es hier eine große Zahl von Berufen gab.

Inhaltsverzeichnis

Kirchvers

Schmidtjirje

Haus: Burggarten 7, alte Nr. 2

Deutung: Beruf Schmied und Vorname Georg (mundartlich „Jirg“)

Herkunft: Der Namensgeber für diesen Dorfnamen und erster bekannter Besitzer des Hofes war Georg Simon (1640-1707), der von Beruf Schmied war und Anna Elisabetha geb. Schmidt geheiratet hatte. Er wurde mundartlich „Schmidt-Jirg“ genannt. Sein Sohn Hans Reinhard Simon (1677-1730) übernahm den Besitz mit seiner Ehefrau Margaretha geb. Kaletsch aus Altenvers und gab ihn später an seinen Sohn Hans Henrich (1714-1775) weiter, der mit Anna Catharina geb. Rau, ebenfalls aus Altenvers, verheiratet war. Der Sohn des letztgenannten war Johann Georg Simon (1754-1807), der mit seiner Ehefrau Elisabeth geb. Becker aus „Hanse“ nur einen Sohn hatte, welcher aber im Alter von zwei Tagen starb. Alle bisher genannten Besitzer waren wie der Namensgeber des Dorfnamens ebenfalls Schmiedemeister.

Johann Georg Rühl (1776-1815) aus „Juusts“ und dessen Frau Susanne geb. Becker aus Wenkbach bekamen nun nach dem Tod seines kinderlosen Onkels Johann Georg Simon den Hof zugesprochen. Deren Sohn war Johannes Rühl (1814-1892), verheiratet mit Elisabeth geb. Schreiner aus Weidenhausen. Dieser vererbte später das Anwesen an seinen gleichnamigen Sohn (1853-1926), der mit Catharina geb. Beil (1851-1904) aus Rodenhausen verheiratet war. Wiederum dessen Sohn war Johann Georg Rühl III. (1882-1962), verheiratet mit Katharina geb. Herrmann (1886-1943) aus Rodenhausen, der den Hof an seinen Sohn Karl (1908-1994) und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Windolf (1910-1978) aus Wilsbach weitergab. Karl Rühl war von 1946-1956 Bürgermeister. Im Jahr 1926 brannte das Wohnhaus samt Stallung nieder und wurde im folgenden Jahr neu erbaut.

Heutiger Besitzer des Anwesens ist Ernst Willershausen, der Schwiegersohn Karl Rühls, gebürtig aus „Mellerhanse“. 47)

Schmidts

Haus: Kirchstraße 1, alte Nr. 22

Deutung: Nachname Schmidt

Herkunft: Erster nachweisbarer Bewohner war Dietrich Schmidt (+ 1650), auch „Bach-Dietrich“ genannt, ein Gerichtsschöffe am Gericht in Lohra und 1644 auch Bürgermeister in Kirchvers. Nach einem alten Dokument im Pfarrarchiv soll er ein Vetter des Georg Rühl im vorher beschriebenen Hof gewesen sein. Im Jahr 1612 heißt es zu seiner Person: „Diederich Schmiett zu Kirchversch gezogen u. geborn, sein Vatter habe Johan Schmiett geheissen, dreissigk Jahr alt, 500 fl. (= Gulden) reich, sey ein ackerman“. Er war aufgrund seines Schöffenamtes und seines Reichtums wegen ein angesehener Mann im Ort.

Sein Sohn Johannes Schmidt (1609-1673) übernahm den väterlichen Besitz. Er war, wie auch später Sohn und Enkel, als Opfermann der Kirchverser Kirche tätig. Zu den Opfermännern findet man im Salbuch der Pfarrei Kirchvers aus dem Jahr 1697 folgendes: „Das Schulwesen belangendt, so wirdt allhier undt zu Weipelßhausen von den opffermännern die Schule gehalten undt Zwar des tages 4 stundte (...) Der Opffermann zu Kirchvers hat jährlich von einem jeden Haus eine Meste Korn undt 2 laib brodt vom Läuten u. uhr stellen, weiter 1 laib wan ein Kindt getaufft wirdt, 1 laib wan eines stirbt, 2 laib wan ein alt mensch stirbet von dem Läuten. Vom Singen 1 Kopfst.(ück) nach Fürstl. ordnung.“ Dazu bekam er während seines Opferdienstes drei Äcker, ein Wieschen und ein „Drieschchen“ zur Bewirtschaftung überlassen.

Johannes Schmidts Sohn Georg (1630-1722), verheiratet mit Elisabetha geb. Wack aus Reimershausen, und wiederum dessen Sohn Johann Jacob Schmidt (1670-1754) waren die nachfolgenden Besitzer des Hofes, der im Kirchenbuch auch als „Opfermanns Hauß“ genannt wird. Der Sohn des letztgenannten, Jacob Schmidt (1714-1796), heiratete Anna geb. Wagner aus „Groawedäiresch“. Er war Kirchenältester und Steinsetzer. Sein Schwiegersohn Johann Adam Gerhardt (1750-1806) heiratete aus Fronhausen ein. Er wird im Kirchenbuch zeitweise als Kastenmeister, Zöllner, Gerichtsschöffe und Kirchenältester bezeichnet. Auch dessen Schwiegersohn Johannes Gerhardt (1780-1857) stammte aus Fronhausen. Sein Sohn Johannes Gerhardt II. (1808-1884) war mit Elisabeth geb. Seibert aus Altenvers verheiratet und von 1863-1871 Kirchverser Bürgermeister. Johannes Gerhardt (1839-1918), der Sohn des vorgenannten, versah dieses Amt in den Jahren 1879-1898. Er war in erster Ehe mit Anna Margaretha geb. Ruth aus Fronhausen und in zweiter mit Anna Katharina geb. Gerhardt aus Reimershausen verheiratet. Die Tochter Katharina (1897-1928) aus zweiter Ehe heiratete Johannes Willershausen (1891-1970) aus Weipoltshausen. Sie waren die Eltern des verstorbenen Ernst Willershausen.

Die alte Scheune aus dem Jahr 1609 und das straßenseitige Stallgebäude (1800) brannten bedauerlicherweise 1982 nieder, so daß nur noch das Wohnhaus aus der Zeit um 1800 von dem stattlichen Fachwerkhof erhalten geblieben ist. 47)

Schmiejes

abgeschliffen zu „Schmiers“

Haus: Am langen Loh 2, alte Nr. 16

Deutung: fraglich

Herkunft: Der Dorfname könnte sowohl eine mundartliche Abwandlung von „Schmidtches“ sein oder aber auch von der Schmiege, einem Zimmermannswerkzeug zum Einstellen von Winkeln, herrühren.

Erster bekannter Besitzer war Reinhard Schmidt (+1663), der den Hof an seinen Sohn Philipp Schmidt den Jüngeren (1629-1707) und dessen Ehefrau Catharina geb. Rühl (1638-1693) aus „Jirje“ in der Kirchstraße weitergab. Deren Enkel Tobias Schmidt (1695-1764) wird im Kirchenbuch als „der Schmieges Mann“ bezeichnet, was auf den heutigen Dorfnamen „Schmiejes“ hinweist. Eventuell fertigte er oder einer seiner Vorfahren für Zimmerleute Schmiegen an. Er war mit Anna Elisabetha geb. Möller aus Weipoltshausen verheiratet.

Nach ihm übernahm sein Schwiegersohn Johannes Wagner (1724-1759) aus „Roths“ den Hof. Dessen Sohn Johann Peter Wagner (1757-1799) mußte im Februar 1798 miterleben, wie der gesamte Hof ein Raub der Flammen wurde. Dieser abgebrannte, ursprüngliche „Schmiejes“-Hof befand sich nach der alten Ortskarte etwa gegenüber „Schreinersch“ Haus im Bornweg, wo heute das Elektrogeschäft Rühl seinen Standort hat. Noch im selben Jahr baute Wagner ein neues Wohnhaus; das heute noch erhaltene Haus am Langen Loh. Im darauffolgenden Jahr starb er.

Die Ehe seines Sohnes Johannes verblieb kinderlos, so daß die Witwe nach seinem frühen Tod dessen Bruder Johann Adam Wagner (1783-1856) heiratete. Auch diesem waren in insgesamt drei Eheschließungen keine Nachkommen vergönnt. Daher bekam sein Großneffe Johann Adam Wagner (1837-1898) aus „Roths“ den Hof geschenkt. Er war mit Anna Elisabeth geb. Kuhl (1834-1891) aus Lohra verheiratet. Deren Enkel war Adam Wagner (1891-1973), verheiratet mit Anna Katharina geb. Linne (1894-1971) aus „Kätte“ in der Kirchstraße. Die Tochter Elisabeth wohnt heute im neuen Haus hinter dem Hof. 47)

Waldschmidts

Haus: Bornweg 17, alte Nr. 60

Deutung: Nachname Waldschmidt

Herkunft: Johannes Waldschmidt (1881-1957) und dessen zweite Ehefrau Elisabeth geb. Kuhl (1888-1971) stammten beide aus Krumbach und leiteten früher die Zigarrenfabrik. Deren Sohn Willy Waldschmidt (1913-1982) übernahm das Haus von seinen Eltern. 47)

Siehe auch

Kirchvers · Straßen · Geographie · Wüstungen · Link-Service · Literatur · Recherche · Hausnamen · Flurnamen

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