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Orgel

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Orgeln in Lohra

Die Orgel der evangelischen Kirche in Lohra

Selbst wenn einige Übersetzungen der oft schwer lesbaren Wörter falsch sein sollten, steht einwandfrei fest, daß in den Jahren 1672 - 1675 von der Kirchengemeinde Lohra zumindest ein Regal sowie ein Flötenregister zu dem bereits vorhandenen Positiv hinzugekauft und eine/n Organistenbestellung (= Ersteinstellung) erfolgte. Auch ein Caliant wurde angestellt.

Man nennt die Zeit, um die es hier geht, auch das Zeitalter der lutherischen Orthodoxie (= Recht - bzw. Strenggläubigkeit). Der große, 30 Jahre dauernde Krieg hatte überall tiefe Wunden hinterlassen. Die Menschen waren wieder, wie nach jedem Krieg, zumindest religiös interessiert.

Besonders diese Zeit kann man als Blütezeit des lutherischen Kirchenliedes bezeichnen. Das Kirchenlied war für das religiöse Volksleben von größter Bedeutung. Es war die wichtigste Quelle der Religiosität und spielte besonders im Gottesdienst eine große Rolle. Viele bedeutende Kirchenliederdichter dieser Zeit sind uns bekannt. Bestimmt waren die Gottesdienste gut besucht, wenn nicht gar überfüllt. Endlich war es möglich, dass alle Kirchenbesucher mitsingen durften, was ja vorher oft nur einer ganz bestimmten Gruppe oder einem Chor vorbehalten blieb. Man war froh darüber und selbstverständlich bestrebt, wenigstens einen Teil der neuen und wirklich so schönen und erbaulichen Kirchenlieder zu erlernen. Das Einüben und Erlernen der Lieder mag jedoch vielerlei Probleme mit sich gebracht haben, da es noch nicht jedem möglich war das lesen zu erlernen.

So war es sicherlich auch in Lohra. Wahrscheinlich hatte man vor Jahren irgendwoher zur Unterstützung des Gemeindegesangs ein gebrauchtes Positiv günstig erstanden. Vielleicht war die Gemeinde, von der es gekauft worden war, mit dem Instrument nicht zufrieden gewesen. (Oft kam es zu dieser Zeit vor, dass eine Gemeinde den Einsatz eines Instrumentes für den Gottesdienst ablehnte, um dadurch abzuwenden, dass der Gemeindegesang durch kunstvolles Orgelspiel, oft in Zusammenarbeit mit dem Chor, zurückgedrängt wurde.) Ein Organist (Jahresgehalt 2 Gulden) sowie ein Calcant (Bälgetreter) (Jahresgehalt 1 Gulden) wurden angestellt bzw. ernannt. Man beschloss eines Tages, das vorhandene Positiv (kleine Orgel), durch ein Regal (ein Zungenregister) und ein Flötenregister zu ergänzen und dadurch zu verstärken. Die zu kleine Orgelbühne musste vom Schreiner wesentlich geändert werden. Dies zeigt die relativ hohe Summe der Kosten hierfür, welche in den sog. Kastenrechnungen der 70er Jahre im 17. Jahrhundert verzeichnet ist.

Mit der Zeit wurde das vorhandene Instrument, wohl dem Zeitgeschmack entsprechend, verändert und erweitert. Ein Regal (= ein Zungenregister) und ein Flötenregister wurden zur Verstärkung eingebaut. Die vorhandene Orgelbühne wurde um ein Beachtliches erweitert. Dies zeigt die relativ hohe Summe der Kosten hierfür, die ein »Schreyner«-meister des Dorfes geltend machte. In der 90er Jahren des 17. Jahrhunderts wurde im Zusammenhang mit einer allgemeinen Kirchenrenovierung durch den Orgelbauer J. H. Schaum aus Langgöns in das bereits vorhandene Gehäuse ein neues Orgelwerk eingebaut. Die auf der die Orgelempore tragenden Säule angebrachte Jahreszahl 1690 oder (1699?) dürfte im Zusammenhang mit dieser Erneuerung stehen. Der mit reichlichen Schnitzwerken versehene und durch seitlich angebrachte Flügel verschließbare Orgelprospekt (Pfeiffengehäuse) wurde mit einem neuen Anstrich versehen, und die Prinzipalpfeiffen (die Hauptstimmen einer Orgel), die wie bei unserer Orgel gut sichtbar angebracht sind, wurden mit einer »Cannelierung verziert, welche in Zonen schräg, lothrecht und kreuzweise« liefen.

Die Brüstungen der Orgelemporen wurden ebenso wie die Brüstungen im Kirchenschiff von dem Gladenbacher Kirchenmaler Wilhem Hermann Werner gestaltet. Die Bildtafeln an der Orgelempore zeigen die vier Apostel Matthäus, Markus, Lukas und Johannes und die Außenseiten der Türen zum Orgelwerk die bildliche Darstellung der Tugenden Justitia und Fortitudo.

Erstaunlich, dass die entstehenden Kosten von der verhältnismäßig kleinen Kirchengemeinde aufgebracht werden konnten. Lohra selbst mag m. E. zu dieser Zeit etwa 400 bis 450 Einwohner gehabt haben. Eine verhältnismäßig gute Einnahmequelle bestand zu dieser Zeit noch in der Erhebung der sog. „Kirchenbuß". Wenn man z. B. damals bei der Predigt in der Kirche einschlief (das gab es zu dieser Zeit auch schon), sich während derselben „übel stellte" oder lachte, konnte es vorkommen, dass man eine angemessene Buße an die eigene Kirchengemeinde zahlen musste. In einem der 70er Jahre des 17. Jahrhunderts wurden sogar über 18 Gulden als „Kirchenbuß" in Lohra vereinnahmt. Eine stattliche Summe für die damalige Zeit und die damaligen Verhältnisse.

Es ist durchaus möglich, daß von dem alten Instrument der 70er Jahre im 17. Jahrhundert nur noch sehr wenig, evtl. nur noch ein Teil des Gehäuses, vorhanden ist. 1,5,29,37)

Siehe auch

Einrichtungen · Bauwerke · Kirchen · Geschichte · Vereinigungen · Geistliche · Lieder · Bauwerke

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