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Burg Offenhausen

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Burg Offenhausen

Inhaltsverzeichnis

Verwaltungseinheit

Siedlung der Gemeinde: Lohra, Ortstyp: Wüstung, Gemarkung: Lohra

Karte

Bilder

Lagebezug

  • ca. 13 km südwestlich Marburg
  • Topographische Karte: 5217 Gladenbach
  • Gauß-Krüger Rechtswert: 3472650 m
  • Gauß-Krüger Hochwert: 5623500 m
  • Höhenlage: 214 m über NN

Lage der Siedlung

Wüstung mit Burgwüstung am rechten Ufer der Salzböde 2 km nordwestlich Lohra bei der Mappesmühle; Flurnamen: im Offenhausen; auf der alten Burg; unterm Burggraben (1746)

Verkehrslage der Siedlung

Ersterwähnung

1324

Namen

Historische Namensformen

  • Uffinhusin (1324)

Flurnamen

Siedlung und Gemarkung

Älteste Gemarkungskarte

Siedlungsentwicklung

Wüstung bis spätestens Anfang 17. Jh. (Burg). Die Reste einer viereckigen Wasserburg mit kreisförmigem Graben 1929 beseitigt.

Flächennutzungsstatistik

Einwohnerstatistik

Verwaltungsbezirk

Grundherrschaft und Grundbesitzer

1324 besitzt das Erzstift Mainz einen Hof in O. 1434 belehnt Graf Johann IV. von Solms- Lich den Junghenne zu Fronhausen und Henne Lappe von Gleiberg mit Gerechtsamen in O. - Den Zehnten hatten 1592 die Riedesel zu Kirchvers. 1,3,5,6,18,22,23,24,25)

Ortsadel

Ortskirche

Wirtschaft

Im Detail

Die Burg Offenhausen ist eine abgegangene Niederungsburg in der Gemarkung Lohra

Zwischen dem Subach genannten Flußlauf und dem Hauptarm der Salzböde lag auf Höhe des Mappesmühle im engsten Durchlass im Talgrund vermutlich eine kleine Befestigung mit Namen Offenhausen oder Uffenhausen, gleichnamig zu der Wüstung die sich oberhalb der Subach hinzog. Erstmalig finden wir 1324 in den Amöneburger Kellereiabrechnungen einen Mainzischen Hof in Uffinhausen, dessen Zehnt 1592 im Lohraner Saalbuch als Herrn Reinhard Riedesel zu Kirchvers zusteht. In den Urkunden wird eine kleine kreisförmige Umwallung in der Gemarkung Lohra im Salzbödetal nahe der hessischen Grenze beschrieben. Nachweislich seit 1803 bis heute führt der Kataster von Lohra die Örtlichkeit, ein tiefgelegenes Wiesengelände als „Die Burg“.

Von der kreisförmigen Umwallung die noch Reimer erwähnt und die noch in den alten Messtischblättern von Lohra eingezeichnet ist, ist heute im Gelände nichts mehr zu sehen. Die Erdaufschüttung, die etwa 15m im Durchmesser betragen haben soll, ist durch Herrn Paul, den damaligen Müller und Besitzer des Grundstückes, abgetragen worden,. Mit der Abtragung hat er nach eigenem Bekunden Wasserlöcher verfüllt, die um die Aufschüttung herumlagen (vermutlich den Wassergraben der Anlage). Ein weiterer Teil des Materials wurde als Böschung am Ufer der Salzböde aufgeschüttet. Gemäß Dr. Stab, der sich für das Bauwerk interessierte und dessen Protokoll über die Geländebegehung vorgelegen hat, konnte er diese 1932/33 in Augenschein nehmen, und sie als größere Flussgerölle aus der Salzböde beschreibt.

Nach Aussagen von Herrn Paul (Mappesmühle) sind Mauerwerk oder Spuren von Mörtel, die auf einen Mauerverband hinweisen könnten, nicht gefunden worden. Im gleichen Winter des Jahres 1932/33 ging Dr. Stab das Wiesengelände ab und fand eine kreisrunde Aufschüttung in jenem Bereich, der bis heute die Bezeichnung „Die Burg“ trägt. Um die Aufschüttung herum lagen Wasserlöcher. Die Anlage befand sich in der ebenen Talsohle auf dem linken (?) Ufer der Salzböde unmittelbar neben dem Flusslauf.

Wichtig hierbei erscheint die Anmerkung daß das besagte Wiesengelände sich im Überschwemmungsgebiet der Salzböde befindet. Hierzu bemerkt die Katastervorbeschreibung von Lohra 1844/1847 ….bei anhaltendem Unwetter, bei starken Gewitterregen sowie dem Abgang von Schnee tritt dasselbe (Wasser der Salzböde) sehr leicht aus, überschwemmt den ganzen Wiesengrund, folglich auch den tiefer gelegen Teil des Dorfes. Es werden von der Überschwemmung getroffen die Wiesengründe auf dem Grabstück, in der Salz- und Eichwiesen und im Offenhausen.

Folgende Aussagen lassen sich treffen

  • Aufgrund der nachweislichen Baureste ist ein Gebäude/Baukomplex von etwa 15m Durchmesser zu postulieren
  • Der Baukomplex war mit Wasserlöchern umgeben, die eine Nutzung als Wassergraben nahe legen
  • Aufgrund des Wassergrabens (als Teil einer Wehranlage) ist eine befestigte Anlage wahrscheinlich.
  • Die Lage im Überschwemmungsgebiet mit einer für einen reinen bäuerlichen Betrieb zu kleinen Fläche schließt eine rein landwirtschaftliche Nutzung eher aus.
  • Dies bestätigt auch die Existenz der Wüstung Offenhausen unweit mit deutlicher höherer Lage am Hang oberhalb des potentiellen Überflutungsgebietes.
  • Ein Nutzen dieser Anlage ergibt sich nur durch die sichere Füllung des Umfassungsgrabens durch Salzböde und Mühlgraben, als auch durch den hohen Grundwasserstand in diesem Talgrund. Inwieweit der Mühlgraben bereits zur Zeit der Anlage existent, war ist nicht nachzuvollziehen. Eine Mühle in Nähe einer Siedlung mit Befestigung ist jedoch wahrscheinlich.

Wozu eine Befestigung in einer so kleinen Ansiedlung?

  • Aufgrund der Rivalität zwischen Kurmainz und Hessen, und der Nähe der Landesgrenze ist eine Befestigungsanlage durchaus sinnvoll, und ihre Errichtung nachvollziehbar.
  • Insbesondere in der rund 100 Jahre andauernden so genannten Dernbacher Fehde (um 1230 bis 1336) bei der unter anderem als Hauptgegener der hessische Landgraf und der Mainzer Erzbischof gegenüberstanden. Der nicht weit entfernt gelegene Blankenstein war einer der stärksten Befestigungen der Landgrafen. Ein festes Haus(Weiherhaus oder Motte) bei der es sich vermutliche bei der Offenhausen handelte, war durchaus in der Lage sowohl die Wege durch die Flussaue zu kontrollieren als auch der Mainzer Besitzung Offenhausen Schutz zu geben.
  • Zudem, wenn man den Feldrainen der zu Offenhausen gehörigen Feldfläche von etwa 15ha (was auf etwa 4 Höfe insgesamt schließen lässt) folgt, so bewegen sie sich um den Berg herum um bis zum so genannten Schmidtloch vorzustoßen. Hier war durch die „Verhüttung von Erz“ ein Betrieb der mittelalterlichen Montanindustrie angesiedelt der eine Sicherung gegen Begehrlichkeiten des Landgrafen notwendig machte.

Siehe auch

Ansichten
Persönliche Werkzeuge