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Leonhäuser

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Familienname Leonhäuser


Karl Leonhäuser, Forstamtmann

Wurde am 29. 7.1911 in Halsdorf, Kreis Kirchhain, geboren. Nach der Volksschule in Halsdorf besuchte er die Mittelschule in Kirchhain und anschließend die Oberrealschule in Marburg. Diese beendete er mit der sog. Primareife. 1930 begann er die Forstausbildung (Revierförsterlaufbahn) im Forstamt Oberkaufungen, anschließend besuchte er die Polizeischule in Hannoversch-Münden, danach die Preußische Forstschule in Spangenberg.

Von 1932 - 1937 absolvierte er die Hilfsförsterzeit in den Forstämtern Wolkersdorf, Wetter, Hatzfeld und Marburg Süd. Von 1936 an war er in Lohra als Hilfsförster tätig und beendete 1937 seine Ausbildungszeit mit der Revierförsterprüfung. Die Revierförsterei Lohra war in den 30er Jahren eine sog. »Bebaute Hilfsförsterstelle«. Diese Einrichtung war eine Folge der Brüningschen Notverordnung von 1930, einer Sparmaßnahme, die dazu führte, Planstellen nur mit in Ausbildung befindlichen Beamten zu besetzen. Nach der Pensionierung des Hegemeisters Bernhard Riemenschneider wurde also der Dienst in Lohra von Hilfsförstern versehen. Somit hat Karl Leonhäuser ab 1936 zunächst als Hilfsförster und ab 1938 bis zu seiner Pensionierung zum 31. 7.1976 als Revierförster (später Forstamtmann) die Revierförsterei Lohra, nach der Gebietsreform von 1972 Lohra-Nord, geleitet.

Die alte Revierförsterei Lohra umfasste die Wälder der heutigen Großgemeinde Lohra, die Gemarkungen Kehna und Oberwalgern. Die Gesamtwaldfläche betrug 2081 ha, somit war Lohra die flächenmäßig größte Revierförsterei Hessens (nach 1945).

Karl Leonhäuser sah einen Schwerpunkt seiner Arbeit in der Bewirtschaftung und Betreuung des Kleinprivatwaldes mit einer Fläche von 1200 ha. Der meist bäuerliche Privatwald, stark parzellierte Kleinflächen zwischen 0,5 und 4,0 ha, hatte eine wichtige Funktion als Holzlieferant für die landwirtschaftlichen Betriebe und diente auch gleichzeitig als »Sparkasse«. Mancher Schlepperkauf oder bauliche Veränderungen der Höfe in den 50er und 60er Jahren wurden mit Einnahmen aus dem Wald finanziert. Der Privatwald kann dieses langfristig nur leisten, wenn eine fachkundige Betreuung vorhanden ist und der Waldbesitzer die Beratung erfährt, die für eine nachhaltige Bewirtschaftung und Nutzung des Waldes erforderlich ist.

Karl Leonhäuser hat sich dieser Aufgabe mit großem Einsatz gestellt. Die zur Verfügungstellung von Arbeitskräften, die Einführung moderner Arbeitsverfahren bei der Holzernte mit entsprechendem Werkzeug, aber auch die Vermarktung des Holzes, soweit nicht für den Eigenbedarf erforderlich, waren ihm besonders wichtig.

Hervorzuheben sind aber auch Besonderheiten der Nachkriegszeit wie Arbeitslosigkeit und Brennholzmangel. Da erschienen z. B. eines Tages im Forsthaus Lohra zwei arbeitslose heimatvertriebene Waldfacharbeiter, mit je einer Axt ausgerüstet: »Förster, wir suchen Arbeit!« Karl Leonhäuser konnte sie im Privatwald beschäftigen. In der Nachkriegszeit wurde die Brennholzversorgung der Bevölkerung nach unterschiedlichen Verfahren geregelt. Ein besonderes Verfahren war die Brennholzversteigerung, genannt Holzverstrich, die von Leonhäuser vorbereitet und durchgeführt wurde. Das Ausstellen unzähliger Lesholzscheine trug dazu bei, den Mangel an Heizmaterial zu lindern. »Holznot« war ein Begriff der Nachkriegszeit. Leonhäuser sah eine wichtige Aufgabe der Linderung dieser Not darin, ertragsschwache Waldbestände, z. B. Stockausschlagbestände aus Eichen und Buchen, zu verändern in Bestände aus Fichten, Douglasien, Kiefern und Lärchen. Unvergessen sind die Pflanzkolonnen, Frauen aus Lohra und Umgebung, die auf Eckerts Peters Gummiwagen, gezogen von einem »Porsche«-Schlepper, in den Wald fuhren und dort die kleinen Baumpflanzen setzten.

Zahllose Waldbestände aus dieser Zeit liefern heute wertvolles Industrie- und Bauholz. Nach dem Kriege wurden Wildschweine zu einer Plage. Die Schäden an verschiedenen Feldfrüchten waren für die meisten Kleinbauern schwer zu verkraften. Karl Leonhäuser nutzte in den Sommermonaten die frühen Morgenstunden, bei Mondschein auch die Nächte, um dem Schwarzwild nachzustellen. Im Winter organisierte er Treibjagden in den Wäldern um Lohra. Anfänglich für amerikanische Soldaten, aber nach Erlangen der Jagdhoheit für Deutsche und der Überlassung von Gewehren an Forstbeamte und deutsche Jäger auch für die Waidmänner der Umgebung. Da es noch keine Gefriertruhen gab, musste das kostbare und begehrte Wildbret portioniert und an Familien im Dorf, unterschiedliche Mengen je nach Familiengröße, verteilt werden.

Erinnerlich ist noch, dass er einmal in einer Woche vier Sauen erlegt hatte und somit die Fleischversorgung für viele Familien, zumindest kurzfristig, gesichert war. Da das sog. »Kleine Jägerrecht«, die Innereien des erlegten Wildes, dem Schützen zusteht, kam die Familie des Försters öfters in den Genuss der sehr schmackhaften Wildschweinlebern.

In seine Dienstzeit fiel der Ausbau eines Waldwegenetzes vor allem im Privatwald. Denn befestigte Waldwege, die mit schweren Holztransportern befahren werden können, sind eine unerlässliche Bedingung für die Vermarktung des eingeschlagenen Holzes und somit eine wichtige Voraussetzung für eine zeitgemäße Forstwirtschaft. Die Zeit der Kuhgespanne und Pferdefuhrwerke, die zwei Meter Brennholz oder wenige Holzstämme über zerfurchte Erdwege ins nahe Dorf brachten, ist längst Vergangenheit. Eine größere Anzahl junger Forstbeamter hat einen Teil ihrer Ausbildung bei Karl Leonhäuser absolviert. Sie wurden nicht nur im forstlichen Bereich, also der Begründung, Pflege und Nutzung der Wälder und der Erledigung schriftlicher Arbeiten unterwiesen, sondern mussten sich auch Grundbegriffe aus Ackerbau und Viehzucht aneignen und bestimmte Arbeiten, beispielsweise das Mähen mit der Sense, erlernen.

Zur Försterei gehörte bis in die 1960er Jahre eine kleine Landwirtschaft. Der Stolz des Försters waren zwei rote Vogelsberger Kühe, die vor einen gummibereiften Wagen gespannt werden konnten, was allerdings dann sehr zu Lasten der Milchleistung ging. Karl Leonhäuser hat sich auch über die Pensionierung hinaus, zeitweise als Vorsitzender der Forstbetriebsvereinigung Lohra, um die Belange des Privatwaldes gekümmert. Die Region um Lohra mit ihren Wäldern und Menschen, besonders die Bauern mit ihrem Waldbesitz, aber auch Familien, die als sog. Ausmärker zu Waldbesitz in Lohra gekommen waren, hat er sich in hohem Maße angelegen sein lassen.

Seine privaten Interessen lagen auf dem Gebiet der Heimatforschung und Geschichte. Er war ein sehr aktives Mitglied des Lohraer Geschichtsvereins. Forstamtmann a. D. Karl Leonhäuser verstarb am 16. 9. 1982 und wurde auf dem Friedhof zu Lohra beigesetzt. 37)


Siehe auch

Branchen · Forstwirtschaft · Landwirtschaft · Großgemeinde · Persönlichkeiten · Vereinigungen

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