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Land- und Forstwirtschaft

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Kulturlandschaft

Nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch selbst hat der Landschaft Gestalt und Gesicht verliehen. Wir sprechen daher in unserem Räume von einer „Kulturlandschaft". Wie es vor Jahrtausenden einmal in unserer heimischen Landschaft ausgesehen hat, als die ersten Siedler hier festen Fuß fassten, vermag die Wissenschaft nicht mit absoluter Genauigkeit für jede einzelne Örtlichkeit anzugeben. Aber die Entwicklung der Landschaft zur Kulturlandschaft hin lässt sich nur ganz allgemein andeuten. Es müssen dabei größere Räume berücksichtigt werden, und für den Raum von Lohra gilt das Gleiche, was nun im Allgemeinen dargestellt werden soll. Vielleicht reizt die Betrachtung diesen und jenen, in Wald und Flur der Heimat den Spuren dieser großen Entwicklung unserer Landschaft nachzugehen. Vor rund 20.000 Jahren wichen die Gletscher, die während der Eiszeit sich bis an den Rand unserer Mittelgebirge vorgeschoben hatten, langsam nordwärts zurück, und unsere wärmeliebenden Waldbäume, die von der Kälte verdrängt worden waren, wanderten wieder in unsere Mittelgebirge ein. Es lösten (eine Folge der nach und nach einsetzenden Erwärmung) Birken-, Kiefern- und Eichenmischwälder einander ab. Erst spät, etwa 3000 v. Chr.- erschien die Buche in unserer Heimat. Sie unterwanderte, da sie bei weitem weniger Licht braucht, die Eiche. Dass es nun nicht zu einer völligen Verdrängung der Eichenbestände kam, ist bereits ein Verdienst des Menschen. Denn die Eichenwälder spielten schon in frühester Zeit ernährungswirtschaftlich eine große Rolle (man denke an die Bedeutung der Eichelmast für die Haustierhaltung). Bis ins vorige Jahrhundert wurde der Wald als Weide benutzt und die Reste ehemaliger alter Hutewälder (alte Eichenbestände) sind z. T. noch erhalten. Eine klare Grenze zwischen Feld und Wald (d. h. zwischen land-, und forstwirtschaftlichem Nutzungsraum) zog erst die moderne Forstwirtschaft. Dies alles gilt durchaus auch für unseren Lohraer Raum. Man muss sich vorstellen, dass noch etwa zur Zeit Luthers Baumgruppen, Gebüschhecken auf den hohen Ackerrainen und mitten in den Feldern lichte Gehölze standen. Die intensivere Bewirtschaftung drängte den Wald zurück, vernichtete einst in den versumpften Talniederungen die alten Bruchwälder und ließ ganz neue Kulturpflanzen bei uns heimisch werden. Die Jungsteinzeit kannte nur Gerste und Weizen, die Bronzezeit brachte den Hafer und erst die Eisenzeit den Roggen. Düngung kannte die alte Zeit nicht. Unregelmäßig wechselten Kultur- und Brachland. Der schollenwendende eiserne Pflug und die Einführung der Dreifelderwirtschaft waren die ganz großen Umwälzungen für die Landwirtschaft in unserer Heimat während der Frühzeit. Erst jetzt wurde die Ernährung von Dörfern und kleineren Städten möglich. Der Mensch brachte neue Pflanzen in unsere Heimat. (Man denke an die Einführung des Kleeanbaues und an die Einbürgerung der Kartoffel). Aber seine Herrschaft vernichtete zugleich manche schöne Naturpflanze, so dass gewisse Arten sogar unter Naturschutz gestellt werden mussten. Dies ist z. B. der Fall mit dem in der Nähe des alten Hillershausen noch üppig wachsenden Knabenkraut, das zur Familie der Orchideen gehört. Ähnlich verhält es sich mit der Tierwelt. Luchs, Bär, Wolf und Wisent sind längst aus unseren Wäldern verschwunden, kein Biberbau ist mehr zu finden. Ganz besonders arm ist die Vogelwelt geworden: alte Jagdberichte aus dem 17. und 18. Jahrhundert nennen noch Trappen, Kraniche und Fasanen neben Auerhahn, Birk-, Hasel- und Feldhühnern, ja selbst der Steinadler soll im hessischen Hinterland vorgekommen sein. Der Fischbesatz in Flüssen und Bächen hat schwere Einbußen erlitten. So ist unsere Nutztierwelt heute oft zum Verkümmern verdammt. Es hat also der Eingriff des Menschen nicht nur Kultur, sondern auch Zerstörung in unserer heimatlichen Natur hervorgerufen. Auf die Dauer wird solches Tun auch ihm Zeugnis werden. Um zu verhindern, dass unser Land schließlich zur trostlosen «Kultursteppe" verarmt, gilt es, die gottgegebene Schönheit unserer heimatlichen Landschaft zu erhalten, den Reichtum unserer Wälder, unserer Tier- und Pflanzenwelt recht zu hegen und zu bewahren für uns selbst und alle die, die nach uns im schönen Lohra und seiner Landschaft rechtes Heimatglück finden wollen. 11)

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