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Kraft

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Familienname Kraft


Inhaltsverzeichnis

Tagebuch der Anna Kraft zum 1. Weltkrieg

Am 29.Juni 1914 wurde in Serajewo das Österreichische Thronfolgerpaar von einem Serben ermordet. Der Funke zum Weltkrieg war entzündet, Österreich rückte im Juli in Serbien ein. Die Russen und Franzosen mobilisierten und legten ihre Truppen an die Deutsche Grenze. Auf Befehl S. M. des Deutschen Kaiser wurde auch in Deutschland mobil gemacht.

Am Sonntag den 1. August

Abend 6:15 Uhr traf die Mobilmachungsorder auch in Lohra ein. Wie ein elektrischer Strom verbreitete sich die Kunde. Als Mobilmachungstag galt der 2. August. Am untersten Backhaus war die Mobilmachungsorder angeschlagen. Eine Bekanntmachung folgte auf die andere und der Klang der Ortsschelle am frühen Sonntag ging durch Mark und Bein. Im Gottesdienst, Sonntag den 2 August vormittags wurde für die ausziehenden Krieger das Abendmahl gereicht und nachmittags 13:30 Uhr wurde Kriegsgebetsstunde abgehalten. Gegen 15 Uhr kam der Befehl, dass die Mannschaften aus Lohra nicht ausrücken sollten. Es war von dem Kreisarzt in der Familie eines hiesigen Einwohners Typhus- Erscheinungen festgestellt. In der nächsten Woche wurde dieses Verbot schon aufgehoben. Eine Kriegstrauung fand statt.

Am Montag am 3. August war die erste Pferdemusterung und am Sonntag den 22, August die zweite. Von Lohra wurden 13 Pferde ausgehoben u.z. 1. Bürgermeister Rau, 2. Adam Schorge / Nickels, 3. Konrad W'agner / Horns, 4. Johs. Barth / Reitze, 5. Jakob Schorge / Hansams, 6. Konrad Elmshäuser / Gastwirt, 7. Jakob Elmshäuser / Götzemühle, 8. Konrad Elmshäuser / Gilges, 9. Heinrich Grosch / Gastwirt, 10. Jakob Rühl / Deiresch, 11. Johs. Laucht / Anelise. 12. Jon. Fink / Eselsmühle. 13. Johs. Willershausen / Bruch.

Es kam der Befehl, dass Straßen und Bahnen bewacht werden sollten. An den Eingängen des Dorfes nach Damm, Rollshausen, Mornshausen und Willershausen standen je 3 Mann Posten mit geladenem Gewehr, hier wurden auch die Straßen durch Wagen, Eggen, Stangen abgesperrt. Radfahrer, Wagen, Auto, und fremde Personen wurden angehalten. Flieger mussten am Postamt gemeldet werden.

Als unsere ersten Krieger aus Lohra ausrückten versammelten sich am Bahnhof eine große Menge der Ortsbewohner um den scheidenden Krieger ihr „Lebewohl“ „Auf Wieder sehn“ nachzurufen, schwer und ernst war der Abschied.

Da bestieg in mitten dieser Volksmenge Herr Hauptlehrer Manz eine Bank und sprach in einer kurzen markigen Rede über die Worte. „Gott, für Krieg und Vaterland“ den scheidenden Krieger den Abschiedsgruß. Die Volksstimme stimmte ein in den kräftigen Gesang das Lied: „Ein feste Burg ist unser Gott“. Und als der Eisenbahnzug heran nahte erbrauste das Lied: Deutschland, Deutschland über alles. Kein Auge blieb da tränenleer, Ein letzter Gruß ein letzter Händedruck - Auf Wieder sehn - Dumpf hörte man aus dem abfahrenden Zug die Weisen das Liedes: „Morgenrot, Morgenrot, leuchtest mir zum frühen Tod“. So wir wissen haben sie ihre liebe Heimat nicht wieder geschaut. Sie liegen auf ferner, fremder Au - im kühlen Grab - im Heldengrab.

Liebestätigkeit

In der ersten Mobilmachungs - Woche begann Hauptlehrer Manz mit der Sammlung der Liebesgaben, Er durchzog mit seinen Schülern das Dorf von Haus zu Haus. Keiner wollte zurückstehen. Ja der Ärmsten gab es reichlich. Schon am 9. August 1914 konnte dem Vaterländischen Frauenverein und Verein vom Roten Kreuz in Marburg für Verpflegung unserer durchziehenden Truppen ein Wagen voll Liebesgaben überbracht werden.

1. Sendung am 9. August 1814 140 M bar Geld, 77 Brote, 20 Pfd. Butter, 43 Pfd, Würste, 464 Eier, 32 lA Pfd. Schinken, 16 Hemden, 10 Paar Strümpfe, 5 Betttücher, 2 Kolter, 2 Jacken, 6 Unterhosen, 2 Kistchen Zigarren, 50 Bleistifte, 12 Hemden.

II Sendung am 11. Sept. 1914 Dem Vaterländischen Frauen verein und Verein vom roten Kreuz wurde an den Bahnhof Marburg gebracht. 517 Eier, 138,40 M bar Geld. III Sendung am 5. Okt. 1914 Dem Feldlazarett zu Marburg wurde abgeliefert, 77 Brote, 27 lA Pfd. Butter, 12 Pfd. Speck, 18 Pfd. Würste, 270 Eier, 80 M Geld. 49 Kopfschützer, 45 Paar Strümpfe, 11 Pulzwärmer, Ferner: Saft, Honig, Mus, Dörrobst, Leinen, Nudeln, Kaffee, Zucker, und wollene Hemden. IV. Sendung am 11. Okt. 1914 An das Feldlazarett in Marburg, Eine Waggon Ladung, 100 Sack Kartoffeln, 7 1/1 Ztr. Kraut, 6 Ztr. Weizenmehl, lZtr. und 51 Pfd. Erbsen, 6 Ztr. und 57 Pfd. Kohlrabi, 1 Ztr. und 30 Pfd. Möhren, 5 Pfd. Wurst, 19 Pfd Speck, 35 wollene Hemden. V. Sendung am 27. Okt. 1914 Für das Rote Kreuz wurde eine Geldsammlung veranstaltet und der Kreis Kommunal - Kasse zu Marburg zugeführt. 241M 35 Pfg.

VI. Sendung am 16. Dez. 1914 Für das Rote Kreuz wurde gesammelt und von einem Wagen hier abgeholt 64 Brote, 5 Pfd. Butter, 86 Stück Eier, 2 lA Pfd. Fleisch, 21 Pfd. Speck, 53 lA Pfd. Wurst, 10 Pfd. Erbsen, 10 Pfd. Dörrobst, 2 Korbe Äpfel, 7 Töpfe Eingemachtes, 45 M 65 Pfg. Geld, 3 Betttücher, 42 kleine Kisschen, 9 wollene Hemden, 4 Paar Stümpfe 25 Zigarren 1 Ballen Leinen. VIl, Sendung am 5 Juni 1915 Es wurde für Krieger Heimstätte an die Kreis - Kommunal Kasse zu Marburg folgender Betrag angeliefert. 155 M bar Geld. VIII Sendung der Liebesgaben, Am 23,Feb. 1916 wurde in der Gemeinde Lohra für das Rote Kreuz von den Schüler der Klasse 150 M 85 Pfg. gesammelt. IX. Sendung der Liebesgaben Am 7,Feb, 1917 wurde durch die Schüler der öberklasse 65 M 55 Pfg, gesammelt und an den Kgl. Herrn Landrat zu Marburg für Notstand im Kriege übersandt.

Goldsammlung

Herr Hauptlehrer Manz wechselte seit der Mobilmachung bis zum 1. April 1915 in der Gemeinde Lohra 15.400 M Gold ein, und führte dieses der Reichsbank und dem Postamt zu Marburg zu. X. Sendung. Am 8. Juli 1916 wurde 185 M Volksspende Kgl, Herrn Landrat zu Marburg abgeführt.


Die Jugendwehr

Auf Grund des Ministerial - Erlasses über militärische Vorbildung der Jugend wurde vom Herrn Landrat zu Marburg am 16. Sept. 1914 eine Versammlung der Lehrer von Lohra, Rollshausen, Altenvers und Weipoltshausen im Schulhaus zu Lohra abgehalten. Seine Ex. Generalleutnant von Henning hatte die Oberleitung. Es wurde zu Lohra eine Übungskompanie gebildet. Zu erscheinen hatten die Burschen von 16 Jahren aus den Ortschaften: Lohra, Damm, Nanz - Willershausen, Kirchvers, Weipoltshausen, Altenvers, Reimershausen, Rollshausen, Seelbach, Rodenhausen. Jeder bekam als Abzeichen eine Armbinde und brachte ein Holzgewehr mit. Förster Riemann Schneider war der Führer der Kompanie. Sonntags waren die Übungen. Es fanden auch gößere Übungen mit Nachbar -Kompanien unter Leitung und Aufsicht des Herrn Landrat statt. Bei diesen Gelegenheiten wurden auch Auszeichnungen ausgeteilt. Leider schliefen hier im Frühjahr 1915 die Übungen schon wieder ein.


Verkehrsleben / Volksernährung

Infolge der Truppentransporte stockte in den Mobilmachungstagen der Personenverkehr auf der Bahn. Viele Personenzüge wurden eingestellt. Auch der Postverkehr stockte, da die Postbeamten und Briefträger vielfach eingezogen wurden. Während der Kriegszeit wurde das hiesige Postamt von der ältesten Pfarrerstochter Fräulein Elisabeth Bücking versehen. In Marburg war dem Bahnhof gegenüber ein Feldlazarett gebaut. Auch in den Kliniken, Verbindungshäuser der Studenten und in den Wanderarbeitsstätten am Südbahnhof wurden Verwundete untergebacht Bei Gießen und Niederwalgern waren große Gefangenenlager erbaut. Vom 30. Nov. bis 6. Dez. 1914 waren in unserem Dorf 30 schlesische junge militärpflichtige Burschen einquartiert. So in den meisten Schlesischen Ortschaften wegen der Russen Gefahr an der schlesischen Grenze. Die Frauen im Dorf nähten wollene Hemden und die Mädchen der Oberklasse machten Kisschen für die Verwundeten. Eine große Petroleumsnot trat ein, diese steigerte sich von Monat zu Monat der Petroleumswagen brachte dem Krämern immer weniger, so dass diese ihren Kunden zuletzt nicht mehr als ½ l ablassen konnten. Wenn der Petroleumswagen kam, lief jeder mit seiner Kanne von Krämer zu Krämer um sich zu sichern - manches Haus war in Dunkel gehüllt. Viele Leute brannten Kerzen, andere erstanden sich Karbid- Lampen. Die Ortschaften im Lahntal welche schon mit elektrischem Licht versehen waren wurden beneidet. Die Lederpreise stiegen so enorm, dass die arme Bevölkerung sich kaum Schuhe kaufen und flicken lassen konnte. Auch der Zwirn wurde teuer, so dass Hausfrauen und Schneiderinnen sich vorsahen, der Flachs war sehr teuer und wurde überall aufgekauft. Es wurde für den Ztr. 70 -100 M bezahlt So kam es, dass in jedem Bauernhaus mit dem alten Vorrat an Flachs aufgeräumt wurde. An sonnigen Tagen hörte man überall Geklapper der Brechen. Die Bewohner und Bäcker wurden von der Behörde angehalten so genanntes Kriegsbrot zu backen das mit dem Buchstaben K versehen sein musste. Unter diesem Brot musste ein bestimmter Teil Kartoffelmehl enthalten sein. Die Müller mussten das Mehl bis 85% ausmahlen. Das Weizenmehl wurde viel dunkler, Roggen Weizen und Hafer wurden in Beschlag genommen. Mit dem Vieh durfte keine Brotfrucht verfüttert werden. Vom Kreisausschuss wurde für je einen Bezirk eine Kommission ernannt, welche von Gehöft zu Gehöft nachsah, wie viel Getreide jeder Landwirt übrig hatte. In dem hiesigen Bezirk wurden 2800 Ztr. Roggen festgestellt. Der Kreis Marburg welcher 56000 Ztr. Korn liefern sollte, brachte über 100.000 Ztr. auf, so dass an dem Kreis Biedenkopf über 26.000 Ztr. Roggen abgegeben werden sollte. Vom 20. März 1915 bekamen alle diejenige welche ihr Brot kauften, „Brotkarten“. Auf je eine Person entfiel 2Kg. Brot pro Woche, Preis 65 Pfg. Den Landwirten wurden bis zur Ernte pro Person 120 Pfd. Roggen belassen. Für jedes Pferd wurde täglich 2 1/2 Pfd. Hafer berechnet, der andere Hafer musste geliefert werden. Für den Doppelzentner wurde 23 M bezahlt Vom 18-24. Jan. 1915 war die Reichswollwoche, die Knaben der Oberklasse durchzogen das Dorf und sammelten unter Beisein des Hauptlehrers wollene Sachen, Decken, Hemden, Strümpfe, Hosen, Mäntel, Röcke, Tücher u.d.g. Viele neue wollene Decken gaben die Leute her, die Sachen wurden nach Marburg gebracht. In der Woche von 15.-21. April wurden alle alten Gummisachen als Fahrrad-Mantel, Schläuche, Gummischuhe von den Schulknaben gesammelt, diese Sachen wurden in der Gasanstalt zu Marburg abgeliefert.

Des gleichen wurden durch Hauptlehrer Manz und dessen Schüler alte Kupfer, Zinn, Messing, Zink, Blei und Nickelsachen gesammelt die Sachen wurden an das Artillerie Depot in Kassel geschickt.

Im Monat Sept. 1915 wurden alle Kupfernen Kessel beschlagnahmt. Jeder Hausbesitzer brachte seinen Kessel zum Bahnhof, hier wurden dieselben gewogen und verladen. Für 1kg. Kupfer wurden 4 - 4,50 M und für 1 Kg. Messing 3 M bezahlt. Man kaufte als Ersatz eiserne Kessel. Da es an Pferden mangelte, lernten die Landwirte Kühe oder Ochsen an. Die noch brauchbaren alten Pferde wurden verkauft, und für diese 1600 bis 2000 M gezahlt Beutepferde wurden nur an Landwirte verkauft, welche Militärpferde geliefert hatten. Zuerst kamen Belgische Pferde dann auch Russen Pferde.

Am 17. Aug. 1915 bekam Lohra 10 Gefangene (Franzosen) als Arbeiter. Dieselben wurden von 2 Deutschen Wachmannschaften beaufsichtigt. In der Wachstube des obersten Backhaus waren diese untergebracht. Tagsüber arbeiteten sie bei den Landwirten, der eine hier der andere dort, konnten kein ort deutsch. Im Lauf der Zeit lernten sie jedoch sich mit den Leuten zu verständigen. Sie arbeiten gern. Und wollten nicht mehr zum Gefangenenlager zurück. Ein Kriegsbild in unserem Dorf. Zahlreiche Feldpostpakete wurden abgeschickt, die Schachteln mit aufgeklebten Adressen waren bei den Krämern käuflich. Es gingen täglich über 6 Mill. Pakete ins Feld.

Die Bautätigkeit ruhte während des Krieges An jedem Mittwoch - Vormittag wurde Kriegsgebetsstunde in der Kirche abgehalten und nach derselben Kriegs Kollekte erhoben. Diese Kriegsbetstunden waren schlecht besucht. Den gefallenen Helden wurden in der Kirche eine Gedächtnisfeier gehalten. Waren die Gefallenen Vereinsmitglieder so beteiligten sich die Vereine nebst Fahne an dieser Feier. Ein großer Lorbeer oder Eichenkranz mit schwarz weiß roter Schleife wurde auf den Altar niedergelegt, die Kränze wurden dann der Reihe nach in der Kirche aufgehängt. Der kommandierende General des 11 Armee Korps Ex. Haugwitz hatte folgende Verordnung erlassen:

Von Samstag - Nachmittag 15 Uhr bis Montagvormittags 10 Uhr darf kein Alkohol ( Schnaps) in Wirtschaften u,s,w, verabfolgt werden. An Musterungstagen durfte an die Stellungspflichtigen Mannschaften kein Alkohol (Bier - Schnaps) verabfolgt werden. Jugendliche (unter 18 Jahre) durften in den Abendstunden (nach 18 Uhr) keine Wirtshäuser besuchen. Jugendliche durften nur mit Genehmigung ihrer Eltern Erzieher oder deren Vertreter und außerhalb der Wohnung nur in deren Beisein Alkohol enthaltende Getränke zu sich nehmen oder rauchen, Jugendliche dürfen keine Lichtspiele Schaubühnen besuchen. Zuwiderhandlungen werden bestraft mit Geldstrafe bis 100 M an deren Stelle, falls sie nicht beigetrieben werden kann Haftstrafe bis zu sechs Wochen oder mit Gefängnis bis zu einem Jahr. Den Schulkindern wurden von der Regierung Urlaub erteilt, um im Herbst das Vieh weiden zu können, damit Futter gespart werde. Eicheln sollten gesammelt werden als Mastfutter, für die Schweine Bucheckern, Lindensamen und Sonnenblumensamen sollten gesammelt werden um daraus Öl zu gewinnen. Die Eisenbahnverwaltung ließ an den Eisenbahn - Böschungen Sonnenblumen anpflanzen. Diese kamen aber nicht zur Entwicklung, da es im Sommer zu trocken war. Öl war kaum zu haben und sehr teuer. Aus den umliegenden Ortschaften kamen die Leute zur hiesigen Eselsmühle mit Krügen und Kannen um sich mit Speiseöl zu versehen. Auch die Butter wurde sehr teuer, hier kostet im Oktober 1915 das Pfd. 1M und 60Pfg. In den Städten war sie noch viel teuerer. Es wurde verboten, in den Kuchen Milch zu nehmen. Da es im Herbst 1915 sehr viele Kartoffeln gegeben hat, so konnten mit den Schweinen wieder mehr Kartoffeln verfüttert werden. Folgendessen fielen die Schweinepreise. Junge Schweine waren sehr teuer. Im Sommer 1915 wurden hier vom Metzger nur Rindvieh geschlachtet. Zur Hausschlachterei im Herbst und Winter 1915 war kaum ein Metzger zu haben, da alle Metzger eingezogen waren.

Am 30. Oktober 1915 wurde beschlossen in der Gemeinde Lohra elektrisches Licht anzulegen. Bisher war noch keine Straßenbeleuchtung, Der Gesundheitszustand der Bevölkerung war sehr gut. Die Ärzte hatten wenig zu tun. Sehr selten sah man einen Arzt im Dorf. Sterbefälle kamen in den Kriegsseiten weniger vor als sonst.

Der seit 1897 im Amt stehende Bürgermeister legte sein Amt nieder und dessen Sohn H. Rau wurde als Nachfolger gewählt. Wie in allen größeren Städten auch für die Stadt Marburg wurde eine nachstehende Verordnung herausgegeben. …

Preise

Die Ernte recht gut eingebracht Die Getreideernte wurde sehr gut, das Heu wurde weniger gut. Gemüse gab es sehr reichlich, dagegen fiel die Kartoffelernte sehr schlecht aus, so dass die Städte nicht hinreichend damit versorgt werden konnten. Es musste deshalb statt derer vielfach Kohlraben geliefert werden.

Am 8. Januar fiel ein tiefer Schnee, dazu kam, eine grimmige Kälte. Die am 4. Febr. bis auf -24 Grad sank, und die Schule der großen Kälte wegen ausfallen musste. Groß war zu dieser Zeit die Kohle-Not die meisten Schulen und Theater, Kino u. d. g. mussten geschlossen werden. Auch mangelte es in den Städten an Licht, weil die Gas- Anstalt nicht ausreichend Kohlen hatten. Meist versagte auch der elektrische Strom.

Die vierte Kriegsanleihe Die am 22.März 1916 brachte 10,6 Milliarden ein. Die 1. Klasse zu Lohra hatte 3.400 Mark gezeichnet. In Lohra hatte Hauptlehrer Manz 38.000 M zusammen gebracht. Im ganzen wurde in Lohra 47.000 gezeichnet.

Kaiser und Kaiserin an Staatssekretär Helferich Berlin 25. März Hocherfreut durch ihre Meldungen von dem glänzenden Ausfall der vierten Kriegsanleihe spreche ich Ihnen wie allen an diesen großartigen Erfolg Beteiligen meinen wärmsten Dank und Glückwunsch aus. Der neue Beweis einmütigen Siegeswillens und ungebrochener Kraft reicht sich den Bewunderns werten Zeugnissen von Heldenmut und Vaterlandsliebe. Die unsere Kämpfer an der Front täglich ablegen, würdig an. Ein Volk, das in solchem Geist zusammensteht, gegen den Ansturm seiner Feinde, darf in Vertrauen auf Gott den Sieg und seine gerechte Sache mit Zuversicht verwarten. Wilhelm R. Ich kann nicht unterlassen, Ihnen gegenüber meiner großen Freude Ausdruck zu verleihen über das glänzende Resultat der vierten Kriegsanleihe, Gott segne unser Volk dafür Auguste Viktoria

Wetter und Ernte

Unsere Feinde hatten die Absicht Deutschland auszuhungern. Es ist ihnen nicht gelungen, der Herr gab uns eine reiche Ernte und ein herrliches Erntewetter. Trotz der wenigen Arbeiter ging die Erntearbeit flott vonstatten. Ein jeder griff fleißig zu. Alte Leute und Kinder waren meist auf dem Felde. Der Sommer 1914 war heiß und trocken, selten gab es Gewitter die Ernte war vorzüglich. Es gab wohl Roggen, Weizen, Gerste und Hafer, der Raps war nicht gut geraten. Auch wer Erbsen aussäte, hatte eine reichliche Ernte. Im Herbst war das Wetter nach Wunsch. Es wechselte Regen und Sonnenschein, sodass Landwirten pflügen säen und ernten konnten. Schon frühzeitig war die Erntearbeit und Aussaht beendigt. Im Winter 14/15 hatten wir viel Regen. Ende Januar hatten wir etwas Frost und Schnee der März brachte uns schon das schönste Frühlingswetter. In den Gärten wurden früh gegraben und ausgestellt. Auch im Feld begann die Arbeit. Es wurden viele Kartoffeln gepflanzt. In den Städten wurden sogar Anlagen Spielplätze und Ziergärten mit Kartoffeln und Gemüse bestellt, besonders Frühgemüse. Der Sommer 1915 war auch heiß und trocken. Im Vorsommer gab es sehr wenig Regen. Die gesetzten Pflanzen im Garten und Feld mussten zeitig gegossen werden.

Die Ernte war reichlich und konnte gut eingebracht werden. Wenn Roggen und Weizen an Garben nicht so viel einbrachte wie im letzten Jahr 1914 so war doch der Körnerertrag zusammen sehr gut. Nur der war Stellenweise schlecht ausgefallen und wurde gar nicht gedroschen, sondern mit dem Vieh verfüttert. Späthafer und Späterbsen brachten reichlich ein. Das Stoppelfeld wurde umgepflügt und Stoppelrüben gesät. Diese Ernte war ebenfalls gut und ersetzte noch ein Futter. Vor allem war die Kartoffelernte im Herbst 1915 so reichlich und gut wie noch nie, sodass die Keller die Fülle gar nicht fassen konnten, die Kartoffeln waren auch mehlig und gesund. Reichlich war im Herbst 1915 die Kernobsternte. An Zwetschgen gab es sehr wenig. Es schien als habe die Natur dafür gesorgt, dass nicht so viele Zwetschgenkuchen gebacken werden sollten als sonst. Auch die Nussbäume gaben reichlich ihre Gaben. Die Herbstaussaat ging flott vonstatten. Es wechselten Regen und Sonnenschein, die Saat ging wunderschön auf und stand geschlossen. Auch die Obsternte war im Herbst 1915 sehr gut. Reichlich war die Kernobsternte, dagegen an Zwetschgen gab es herzlich wenig. Die Hausfrauen kamen dafür auch nicht in die Versuchung so viele Zwetschgenkuchen als sonst zu backen. Nussbäume und Lindenbäumen gaben reichlich ihre Früchte, als wollten sie das fehlende Öl ersetzen. Der Winter trat schon im Nov. sehr heftig auf. Am 26.Nov. fiel ziemlich viel Schnee, worauf der Frost so heftig eintrat, dass die Pumpen und Wasserleitungen einfroren. Jedoch schon nach einigen Tagen wurde es schon so gelinde, dass die Landwirte selbst mit Rindvieh wieder pflügen konnten. Am 6. und 7. Dez. regnete es so heftig, dass die Wiesen überschwemmt wurden, das gleiche im Januar 1916 fiel andauernd Regen. Es war so gelinde, dass in den Gärten und Grasplätze die Frühlingsblumen blühten.

Die Schule

Die vierzügige Schule zu Lohra hatte 3 Lehrkräfte 1. Hauptlehrer Manz, 2. Lehrer Geiger, 3. Lehrerin Fräulein Bayer, Ortsschulinspektor war Pfarrer Bücking Lohra, Kreisschulinspektor war Pfarrer Schmidt Oberweimar, Schulrat war Geheimrat Quehl Kassel.

Schon von der Mobilmachungswoche ab, mussten die Schüler der Oberklasse tüchtig mithelfen an der Erntearbeit. Es wurden deshalb die Sommerferien verlängert. Die Mädchen der Oberklasse nähten Kisschen für die Verwundeten. Im Monat Oktober und November strickten sie Fleißig Strümpfe, Kopfschützer und Pulswärmer. Den Kopfschützern fügten die Mädchen Postkarten mit ihrer Adresse bei. Auf diesen hatten sie je ein kleines Verschen geschrieben z. b." Dies strickte ich für Dich ! Bitte um einen Gruß für mich." ! Zur größten Freude der Kinder wurden auch alle Karten von den Feldgrauen in Feindesland beantwortet. Einige Karten kamen aus Frankreich, viele aus Russland und etliche aus Serbien, Auf etlichen Karten war ein heiteres Verschen zu lesen.

Im Januar 1915 gründete Hauptlehrer Manz für Klasse 1 eine Schulsparkasse. Jeden Monat wurden die Sparpfennige eingesammelt. Das Geld wurde in der hiesigen Spar- und Darlehnskasse verzinslich angelegt. Wöchentlich kamen 20 - 30 M ein. Die Ersparnis sollte jedem Kind vor seiner Schulentlassung ausgezahlt werden. Osten 1916 wurden den Konfirmanden 283 M zurückgezahlt. Herbst 1915 konnte aus dieser Ersparnis für die dritte Kriegsanleihe schon 300 M gezeichnet werden.

Am 25. Sept. erhielt Hauptlehrer Manz folgendes Telegramm durch die Post:

Seine Majestät der Kaiser und König hat zu befehlen geruht, dass anlässlich des glänzenden Ereignisses der Zeichnung auf die dritte Kriegsanleihe zu der Lehrer und Schüler in erfreulicher Weise beigetragen haben der Schuljugend der allerhöchste Dank zum Ausdruck gebracht wird und, dass den Schülern der Monarchie der Unterricht heute ausfällt. Der Landrat

Lehrer Ruppersberg von Rollshausen und Lohra, Lehrer Limmroth von Altervers waren eingezogen, die Schüler zu Rollshausen wurden von Ostern 1915 bis Nov. 1915 von Hauptlehrer Manz und die Schule zu Altenvers von Lehrer Geiger mitversehen.

Am 6. Mai 1915 unternahmen Klasse 1 und die Schule zu Rollshausen einen Ausflug nach Gießen: Morgens 8 Uhr versammelten sich alle Schüler am hiesigen Bahnhof. Hier gedachte der Hauptlehrer in einer kurzen Ansprache des Geburtstags unseres geliebten Kronprinzen, die Schüler sangen das Lied:

Immer feste druff

Die Fahrt nach Gießen war sehr schön, konnten doch alle Schüler in einem Eisenbahnwagen 1. u. 2. Klasse bis nach Gießen fahren. Nun ging es durch die geflaggten Straßen der Stadt Gießen bis zum Gefangenlager. Allerlei Gefangene waren hier zu sehen, Russen, Franzosen, Belgier. Engländer und Schotten.

Auch konnten die Kinder auf den Exerzierplatz die hier von verwundeten Soldaten angelegten Schützengräben, Unterstände u. dgl. besichtigen.

Die Schüler beteiligten sich sehr rege an den Sammlungen der Liebesgaben. In der Reichswollwoche im Januar 1915 sammelten die Knaben der 1. Klasse wollene Decken, Hemden, Strümpfe, Unterhosen, Röcke, Mäntel und allerlei wollene Kleidungsstücke.

In der Woche vom 15. -21. April sammelten die Knaben allerlei Gummisachen. Das Gleiche sammelten die Knaben, 6 1/2 Ztr. Alte Kupfersachen, Zinn, Messing, Blei und Nickel Kessel, Moser, Kräne, Hülsen, Knöpfe Leuchter, Uhrgehäuse u. dgl. Hauptlehrer Manz schickte dieses an das Art. Depot in Kassel.

Im Herbst 1915 sammelten die Schüler für das Rote Kreuz und den Vaterländischen Frauenverein 37 Ztr. Äpfel (Fallobst) 16 Körbe Holunderbeeren und 8 Sack Hagenbutten. Auch einige Körbe Brombeeren konnten geliefert werden. Besondere Freude bereitete das den Siegesleuten. Am 11. Sept. 1914 hatten die Mädchen der Oberklasse das Vergnügen die Siegesglocken zu läuten. Eine besonders ergebnisreiche Sammlung wurde für Emden erhoben. Hauptlehrer Manz stiftete als Wandschmuck für das erste Klassezimmer ein Hindenburgbild.

Eine erhabene Schulfeier war der Hohenzollemtag am 21. Okt. 1915.

Zum Weihnachtfest 1915 bekam jeder Krieger von Lohra, Damm, Nanz und Willershausen eine Weihnachtkarte von den Schüler der ersten Klasse. Zum Weihnachtsfest 1915 bekamen 88 Krieger im Feld in den Lazaretten und in der Gefangenschaft Weihnachtspakete. Von Weihnachten 1915 ab bekamen unsere Feldgrauen von den Schülern der ersten Klasse Zeitungen zugeschickt. Vo Zeit zu Zeit auch Briefe in welchen ihnen die wichtigsten Neuigkeiten aus der lieben Heimat mitgeteilt wurden. Wie sehr sich alle Krieger darüber freuen, bekunden die vielen Dankschreiben an die Schüler der Klasse I. In Gastwirtschaften Schank- und Speisewirtschaften sowie in Vereins- und Erfrischungsräumen dürfen am 1. Montag und Donnerstag Fleisch, Wild, Geflügel, Fisch, und sonstige Speise, die mit Speck oder Fett gebraten, gebacken oder geschmort sind, sowie zerlassendes Fett und: 2 Sonnabends Schweinefleisch nicht verabfolgt werden. Gestattet bleibt obiges Fleisch als Abschnitt aufs Brot.

Vom November 1915 ab bekommen die Bewohner mit landwirtschaftlichen Betrieben besondere Petroleumskarten.

Am 12 November 1915 war die Musterung der Rekruten der Jahrgang 1917. Die Schweinepreise gingen bedeutend zurück von 130 M auf 90 M Am Dienstag und Freitag durften die Metzger kein Fleisch verkaufen. Die Uhr wurde am 30 April nachts 11 Uhr um eine Stunde vorgerückt. So im ganzen Deutschen Reich am 30 Sept. soll dieselbe wieder um eine Stunde nachgerückt werden. Es wurde dadurch im Sommerhalbjahr eine Stunde Arbeitzeit gewonnen. Die Schüler besonders von den Dörfern Willershausen, Damm und Nanzhauen fiel es schwer, eine Stunde früher zur Schule zu kommen, mussten die Kinder doch schon nach alter Zeit um 5 Uhr jeden Morgen aufstehen. Im Sept. mussten alle Gummibereifungen der Fahrräder abgeliefert werden. Nur diejenige durften ihre Fahrräder benutzen, welche vom Landrat die Erlaubnis hierzu bekamen. Hier wurde wie im ganzen Land die Kaninchenzucht eifrig gepflegt. Es war fast keine Haushaltung ohne Kaninchenzüchtung. Da die Männerkraft bei den landwirtschaftlichen Arbeiten fehlte wurden noch mehrere Gefangene hier eingestellt im landwirtschaftlichen Betrieb, denn die Kinder und alten Leute konnten die Arbeit nicht bewältigen. Jeder Selbstversorger bekam seine Mehlkarten und durfte nur sein ihm zustehendes Quantum Getreide haben. Es wurden ferner Fettkarten, Seifekarten, Zuckerkarten, Petroleumskarten und Fleischkarten eingeführt. Den Brotkarten entsprechend erhielt jede Person in der Woche 4 Pfd. Brot oder 1365 g. Mehl, die Schwerarbeitende Bevölkerung erhielt Zusatzkarten. Sämtliche Milch musste an die hiesige Molkerei abgeliefert werden. Nur für Kranke und Säuglinge durften gegen Bezugschein täglich 1 l. Vollmilch verabfolgt werden. An die Privatperson durfte keine Butter verkauft werden. Auch durfte von Januar 1917 ab keine Butter durch die Post versandt werden. Sämtliche Butter musste zur Buttersammelstelle bei Frau Dörr gebracht werden. Hier erhielt man gegen Butterkarte für die Woche a. Person 60 g. Butter. Die Seifekarte sprach jeder Person pro Woche 50g. Feinseife zu. Die Zuckerkarte berechtigt zum Einkaufen von 1 1/2 Pfd. Zucker im Monat. Im Jahr 1915 wurden fleischlose Tage eingeführt. Am Dienstag und Freitag durfte kein Fleisch genossen werden. Mittwoch und Sonnabend waren fettlose Tage.

Ab dem 18. April 1916 wurden die Hausschlachtungen verboten, ab Herbst 1916 durfte nur der Selbstversorger gegen Erlaubnisschein schlachten, wenn er 6 Wochen lang das Schwein im eignen Stall gefüttert hatte. Ab Dez. 1916 mussten davon 2% Speck abgeliefert werden. Die Fleischkarten berechtigten pro Person in der Woche zu 250g, Fleisch, Den Selbstversorgern wurden Fleischkarten entzogen. Die Petroleumskarten berechtigten den Haushalt für 1 1/2 l. Petroleum pro Monat. Für Kleidungsstücke, Wolle, Leinen, Anzüge, Tücher, Schürzen, Taschentücher, Handschuhe, und d. gl. musste sich jeder einen Bezugschein beschaffen. Der Bezugschein wurde vom Bürgermeister ausgestellt und musste auf dem Landratsamt bescheinigt und gestempelt werden. Im Herbst 1916 wurden auf den Nebenbahnen mehrere Eisenbahnzüge eingestellt weil viele Eisenbahnbeamte und Eisenbahner zum Heeresdienst einberufen worden waren. Im Monat Januar 1917 wurden auf den Hauptstrecken mehrere Schnellzüge eingestellt um Kohlen zu sparen. Unregelmäßig und mit großen Verspätungen fuhren die Personenzüge. Bahnschaffnerinnen versehen jetzt den Dienst. Auch auf den Postämtern versehen Postschaffnerinnen jetzt vielfach den Postdienst. In ganz Deutschland wurde der Zivildienst eingeführt.

Siehe auch

Kriegszeiten · Literatur · Geschichte · Für Neugierige

Ansichten
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