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Ketzerordnung 1232

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Ketzerordnung Kaiser Friedrichs II., 1232

  • Friedrich, von Gottes Gnaden Kaiser der Römer und allzeit Mehrer (des Reiches), König von Jerusalem und Sizilien, seinen geliebten Fürsten, den ehrwürdigen Erzbischöfen, Bischöfen und anderen Prälaten der Kirchen, den Herzögen, Markgrafen, Grafen, Baronen, Schultheißen, Burggrafen, Vögten, Richtern, Ministerialen und Beamten und allen im ganzen Reich, die gegenwärtiges Schreiben sehen, seinen Getreuen Gnade und alles Gute.
  • Die Sorge für die uns vom Himmel aufgetragene Königsherrschaft und die Hoheit der uns von dem Herrn verliehenen kaiserlichen Würde gebieten uns das weltliche Schwert, das wir getrennt von dem Priestertum führen, gegen die Feinde des Glaubens und zur Ausrottung ketzerischer Schlechtigkeit zu ziehen, damit wir die Schlangensöhne des Unglaubens, die den Herrn und die Kirche beleidigen wie Entweiher des eigenen Mutterleibes, mit gerechtem Urteil verfolgen und die Bösewichter nicht leben lassen, durch deren verführerische Wissenschaft die Welt vergiftet und die Herde der Gläubigen durch diese räudigen Schafe angesteckt wird.
  • Wir bestimmten daher, dass Ketzer, wie sie auch immer benannt sein mögen, wo irgend im Reich sie von der Kirche verdammt und dem weltlichen Gericht überwiesen sind, mit der gebührenden Strafe belegt werden.
  • Wenn aber von den Genannten welche nach ihrer Ergreifung aus Furcht vor dem Tode zu der Glaubensreinheit zurückkehren wollen, so sollen sie den kanonischen Satzungen gemäß, um Buße zu tun, zu lebenslänglicher Haft eingeschlossen werden.
  • Ferner sollen, wenn Ketzer in Städten, Flecken oder anderen Orten des Reichs durch die vom apostolischen Stuhle bestellten Inquisitoren und andere Eiferer für den rechten Glauben aufgefunden sind, diejenigen, welche daselbst die Gerichtsbarkeit haben, auf Anzeige der Inquisitoren und anderer katholischer Männer gehalten sein dieselben gefangen zu nehmen und streng in Haft zu halten, bis sie dieselben, durch kirchlichen Spruch verurteilt, dem Tode der Verworfenen überliefern als solche, welche ihrerseits die Sakramente des Glaubens und des Lebens verwarfen.
  • Gleiche Strafe, meinen wir, muß alle diejenigen treffen, welche die Verschlagenheit des arglistigen Feindes zum Schutz ketzerischer Irrtümer anstiftet und zu unerlaubter Verteidigung derselben bestimmt, zumal da sie der sie besudelnden Tat gleichkommt, wenn sie nicht auf vorherige Ermahnung abgestanden und ihr Leben zu retten beschlossen haben.
  • Ferner sollen diejenigen, welche, an einem Orte der Ketzerei überführt, sich nach anderen Orten begeben, um ungestörter das Gift ketzerischer Verderbtheit auszusprengen, die gebührende Strafe erleiden, wenn hierüber von Leuten, die von demselben Irrtum bekehrt sind, oder auch von solchen, welche sie der Ketzerei überführen, was wir in diesem Falle für erlaubt erklären, ein bestimmtes Zeugnis vorliegt.
  • Dem Tode verfallen erklären wir dann diejenigen Ketzer, welche vor Gericht gezogen in Gefahr des Lebens die Ketzerei abschwören, dann aber des Meineides und der Lüge in betreff des Glaubens überführt freiwillig rückfällig in dieselbe Krankheit geraten, auf dass die Ungerechtigkeit recht zu eigener Verdammnis gelogen habe und die Lüge der gebührenden Strafe nicht entgehen möge.
  • Obenein entziehen wir jegliche Wohltat des Aufrufs und der Appellation den Schützern und Begünstigern der Ketzer, da wir Willens sind aus den Grenzen Deutschlands, wo der Glaube immer rein gewesen ist, die Keime des ketzerischen Unkrauts auf alle Weise auszutilgen.
  • Weil wir aber im übrigen vom Himmel soviel Barmherzigkeit erfahren haben und hoch über die Menschenkinder gestellt sind, sollen wir zum Dank dem, der uns das verliehen hat, um so demütiger Gehorsam leisten.
  • Da wir nun, wenn unser erhabener Zorn gegen die, welche unsern Namen geschmäht haben, entbrennt, die der Majestätsbeleidigung Schuldigen in ihren Personen und ihre Kinder zur Enterbung verdammen, so verfahren wir würdiger noch und viel gerechter gegen die Schmäher des göttlichen Namens und die Verkleinerer des katholischen Glaubens, indem wir die Erben und die Nachkommen der Schützer, Begünstiger und Schirmherren der Ketzer bis in die zweite Generation aller weltlichen Güter, öffentlichen Ämter und Ehren kraft kaiserlicher Autorität berauben, auf dass sie in Erinnerung an das Verbrechen des Vaters in dauernder Trauer dahinschwinden.
  • In Wahrheit wissend, dass Gott ein eifriger Gott ist, der die Sünden der Väter an den Söhnen gewaltig heimsucht, haben wir auch das dem Umfang unserer Barmherzigkeit nicht entziehen zu müssen gemeint, dass diejenigen Söhne, welche ohne die väterliche Ketzerei zu teilen den heimlichen Unglauben des Vaters enthüllen, wie ihre Schuld auch bestraft werden möge, als unschuldig der vorerwähnten Beraubung nicht unterliegen sollen.
  • Dazu wollen wir, dass allen bekannt werden, dass wir den Prior und die Brüder des Predigerordens von Bremen, die in Glaubenssachen gegen die Ketzer Bevollmächtigten für Deutschland, unsere Getreuen, und auch die übrigen, welche zur Aburteilung von Ketzern gehen und zusammenkommen, mit Ausnahme der etwa von dem Reiche geächteten, im hingehen, verweilen und zurückkehren unter unsern und des Reiches besonderen Schutz nehmen und dass es unser Wille ist, dass sie überall unter dem Schutze und dem Schirm der Getreuen des Reichs unbehelligt sein sollen, indem wir euch allen anbefehlen, dass ihr sie, von wo und zu wem immer sie kommen mögen, freundlich aufnehmet und ihre Personen vor den Angriffen der Ihnen auflauernden Ketzer unbeschädigt bewahret, ihnen Geleit und Hilfe gewähret für die Verrichtung dem Herrn so wohlgefälliger Geschäfte, die Ketzer aber, welche die ergreifen oder euch anzeigen in dem Bezirk eurer Gerichtsbarkeit, ergreifet und mit besonderem Fleiß festhaltet, bis sie nach dem kirchlichen Verdammungsurteil die verdiente Strafe erleiden, indem ihr wisset, dass ihr in Vollstreckung dieses Geschäftes Gnade bei Gott erwerbet und löblichen Gehorsam vor uns erweist, wenn ihr zur Vertilgung der neuen und ungewohnten Schande der Ketzerei zugleich mit eben jenen Brüdern tatkräftig Hilfe leistet, und dass wer sich darin nachlässig und saumselig zeigt, vor Gott und vor unseren Augen mit Recht schuldig erscheinen kann.
  • Gegeben zu Ravenna. Im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1232 im Monat März. In der fünften Indiktion.

Siehe auch

Ortsrecht · Administration · Verwaltung · Mitteilungen · Großgemeinde

Weiterführende Literatur

Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm

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