Lohra-Wiki

Hufeisenkirche Altenvers

Aus Lohra-Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Alte Kirche Altenvers

Der kleine Bau der alten Steinkirche in der Mitte von Altenvers ist von mächtigen alten Bäumen und in Ansätzen mit wehrhaften Mauern umgeben. Der Grundriss des im Kern romanischen Kirche mit kleinem Saalbau und hufeisenförmiger Apsis ist wohl karolingisch aus dem 8./9. Jh.

Die alte Kirche in Altenvers besitzt ein ca. 9,70 m langes und 7,80 m breites Langhaus mit hufeisenförmiger Apsis, die ca. 3,60 m auslädt, einen gotischen Dachstuhl mit Dachreiter und hat im Mauerwerk mehrfach Veränderungen erfahren. Durch dendrochronologische Untersuchung ist er auf die Zeit um 1456 datiert.

Die Balken entlang der Innenwand der Kirche zeigen an, dass der Bau vermutlich 1529 erneuert oder verändert wurde. Das an der S-Wand ca. 0,95 m starke Mauerwerk besteht im Kernbestand aus Plattenschichten (Kieselschiefer).

Ausbesserungen am Mauerwerk haben u.a. - laut Bezeichnung an der SO-Ecke - 1729 stattgefunden; 1906 hat der kleine Bau die großen Rundbogenfenster erhalten - eines an der S-Wand ist lediglich etwas älter, jedoch auch nachmittelalterlich.

An die ehemalige Wehrhaftigkeit erinnert eine ca. 0,20 m breite und ca. 0,90 m hohe Schlitzscharte in ca. 3,30 m Höhe an der W-Wand, die nachmittelalterlich zugesetzt wurde.

Kanzel und Emporen der barocken Innenausstattung sind 1729 erneuert worden. Bei einer Innenrenovierung wurden Reste alter Bemalung des 13. und des 17./18. Jhs. freigelegt und teilweise konserviert. Die Bankwangen zeigen schöne Blumenmotive, die mit den Kräutern und Blumen im Kirchgarten korrespondieren.

Der Dachreiter erhielt nach der Renovierung eine neue Glocke und Kirchturmhahn, außerdem wurde die Kirche mit einer neuen kleinen Orgel ausgestattet. Die Kanzel ging verloren.

Die Kernanlage ist wohl im Hinblick auf die Hufeisenapsis als frühmittelalterlich anzusprechen. Ob die Schlitzscharte an der W-Wand bereits diesem Kernbau angehört, kann schwer festgestellt werden. Das Dachwerk über Apsis und Langhaus ist spätgotisch; aus dieser Zeit dürfte auch die Flachdecke mit der polygonalen Mittelstütze und vielleicht auch das Portalgerähme stammen.

1974 wurde der Dachstuhl über der Apsis erneuert.

Nachmittelalterlich ist die Innenausstattung mit umlaufenden Emporen, dem Pfarrstand und der Kanzel (teils 17., z.T. 18. Jh.).

Die kleine Kirche war seit einigen Jahren aufgegeben worden. Ihr bereits vorgesehener Abbruch konnte im letzten Augenblick verhindert werden.

Vom Typus her handelt es sich um eine der frühesten Landkirchen in Hessen.

Erst nach eingehender Bauuntersuchung, die an den finanziellen Möglichkeiten der Eigentümerin bisher scheiterten, ist es möglicht, eine einschränkende Datierung vorzunehmen.

Die Kirche liegt entlang des „Elisabethenpfades“.

Heute finden hier vorzugsweise Trauungen, Ausstellungen und Andachten statt. Daneben wurde die alte Kirche durch Konzerte, Vorträge und Krippenausstellungen überregional bekannt.

Der Verein für Geschichte und Volkskunde Lohra ist die Eigentümerin der alte Kirche von Altenvers. 12,19)

Inhaltsverzeichnis

Träger der Einrichtung

Verein für Geschichte und Volkskunde Lohra

Termine

Öffnungszeiten nach Vereinbahrung und bei Veranstaltungen

Aktuelles

Filmbeitrag des hr über die alte Kirche in Altenvers

Filmbeitrag des hr mit der alten Kirche in Altenvers

Große Schäden vorsichtig beheben

Die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten an der Historischen Kirche in Altenvers haben begonnen: Fachleute reparieren nun zunächst die Decke und Dachkonstruktion auf der Südseite und Eingangsseite des Kirchenschiffes.

Lohras Bürgermeister Georg Gaul (parteilos), Ortsvorsteher Wolfgang Spies, Dr. Bernhard Buchstab vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Dr. Markus Morr, Pressesprecher des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Horst Köhler, Rudolf Hetche und Dr. Heinrich Justus Wagner vom Verein für Geschichte und Volkskunde Lohra (VGVL) machten sich am Freitag selbst ein Bild vor Ort.

Planer und Bauleiter Franziskus Hartmann erläuterte die ersten Arbeiten, deren Kosten sich auf rund 63.000 Euro belaufen. Bei der Maßnahme handelt es sich jedoch um einen Teil des ersten Bauabschnittes, der in zwei Hälften unterteilt wurde. Um die einzige in Deutschland erhaltene Kirche mit einer Apsis in Hufeisenform vollständig sanieren zu können, muss der Verein für Geschichte und Volkskunde Lohra, der sich dem Erhalt des Kulturdenkmals gewidmet hat, in den nächsten Jahren schätzungsweise rund 250.000 Euro aufbringen.

Die sehr umfangreiche Instandsetzung der alten Kirche geschehe in enger Zusammenarbeit mit einer Restauratorin vom Landesamt für Denkmalpflege, führte Hartmann aus. Den Baumaßnahmen seien daher ebenso umfangreiche Untersuchungen vorausgegangen. "Dabei haben wir keine zusätzlichen Schäden gefunden", sagte der Architekt. Jedoch seien die, mit denen man bereits gerechnet habe, "sehr eindrucksvoll". Denn die Holzbalken des alten Gotteshauses litten unter Kernfäule, das bedeutet, die Balken sähen von außen noch intakt aus, doch der gesamte Kern sei zerbröselt. Oder aber sie seien gerissen, zumeist durch einen Wasserschaden und auch an diesen Stellen habe sich der Fäulnispilz bereit gemacht. Auch die Mauerkrone müsse neue aufgesetzt werden. Dabei gelte es auch noch Verformungen auszugleichen. Und die Türpfosten sackten Stück für Stück ab, kurzum es gibt viel zu beachten.

Die alte Putzschicht der Kirche haben die Fachleute auf Spalierlatten gesichert - damit sie so in ihrer Gänze erhalten werden könne. "Das ist nicht ganz unproblematisch, da die Deckenbalken oben drüber verfault sind", meint Hartmann. "Das hier sind alles Arbeiten, die mit Akkord nichts zu tun haben", betont der Bauleiter. Im Gegenteil sei große Vorsicht geboten: "Jede Erschütterung zerstört den Putz".

Dass die Sanierungsarbeiten nun beginnen konnten, sei dem Zusammenschluss mehrerer Partner zu verdanken, erzählt Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege: Durch ein "Joint Venture" aus mehreren Töpfen sei zumindest die Finanzierung der ersten Arbeiten gesichert: Beteiligt sind die Gemeinde Lohra, der Landkreis Marburg-Biedenkopf, das Landesamt für Denkmalpflege, die Sparkasse Marburg-Biedenkopf sowie die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und natürlich der Verein für Geschichte und Volkskunde Lohra (VGVL). Nichtsdestotrotz hoffe der Verein zusätzlich sehr auf die Hilfe privater Spender, betonte Wagner.

"Wir werden das Budget nicht überschreiten - weil wir es nicht dürfen", versichert Hartman auf die Frage ob denn die 63.00 Euro für die anspruchsvollen Arbeiten ausreichten. "Wir müssen schlichtweg rechtzeitig aufhören". 31)

Die Rettung der alten Kirche

Nachdem die „Initiativgruppe Marburger Stadtbild" die alte Kirche von Altenvers zunächst durch Übernahme in ihr Eigentum vor dem 1968 genehmigten Abbruch bewahrt und erste Notsicherungen - insbesondere die Erneuerung des eingestürzten Daches über der Apsis durchgeführt hatte, strebte sie nach Übertragung des Baudenkmals an die politische Gemeinde Lohra, da die auf die Erhaltung des Marburger Stadtbildes orientierten Ziele der Gruppe bei begrenzten personellen und finanziellen Grundlagen eine weitere Sorge für die Zukunft der alten Kirche in Altenvers nicht zuließen.

Das Gemeindeparlament von Lohra lehnte in seiner Sitzung vom 28.4.1978 den Antrag zur Übernahme der Kirche bei Stimmengleichheit ab, ebenso in seiner Sitzung vom 29.11.1978 einen entsprechenden Übernahmeantrag des im Jahr 1978 neu gegründeten „Vereins für Geschichte und Volkskunde Lohra", der sich die Aufgabe stellte, die Erhaltung und Renovierung der Kirche zu betreiben".

Aufgrund des bedrohlich schlechten Zustandes der Kirche bestand dringender Handlungsbedarf. Der Dachreiter und die Nordseite des Daches waren schadhaft, Fenster zerstört, der Außenputz mürbe und zum Teil abgefallen. Deshalb wurde der Ablösebetrag von 3000,- DM an die Initiativgruppe Marburger Stadtbild aus dem Erlös von gestifteten Bildern bereits 1978 durch den Verein aufgebracht und die Kirche zunächst nominell auf ein Vorstandsmitglied übertragen. Nach amtlicher Registrierung des Vereins im Sommer 1979 erfolgte die offizielle Übernahme der Kirche durch den Verein. Die notarielle Urkunde vom 30.8.1979 ist unterzeichnet von Jakob Schlag, Jakob Wagner, Hermann Maier und dem Notar.

Noch im selben Jahr geschah die Entfernung des alten Putzes, der Neuverputz und sein Anstrich mit Mineralfarbe entsprechend den angetroffenen Fassungsbefunden. Die Eckquader an den Gebäudeecken und die Einfassungen der Fenster wurden nach punktuell angetroffenen Befunden, die vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammen, auf den Putz aufgemalt. Auch die Neueindeckung des Turmes und von Teilen des Daches mit Naturschiefer sowie die Neuverglasung von Fenstern und deren Neuanstrich erfolgten noch im Jahr 1979, so dass mit dieser Außeninstandsetzung die Sicherung des Baues gegen die Unbilden der Witterung vor dem Wintereinbruch gelang. 1980 wurde die schadhafte Kirchhofmauer instand gesetzt, mit einer neuen Abdeckung versehen und darauf ein Staketenzaun als Einfriedung des Kirchgartens errichtet. In der Folge erfuhren auch die seltenen alten Bäume Pflege und erhielten eine Beschilderung, die alte Robinie wurde baumchirurgisch behandelt.

Vor Inangriffnahme der Innenrenovierung galt es, diese vorzubereiten und erneut Finanzierungsmittel zu beschaffen. Dies gelang bei großem Einsatz der Vereinsmitglieder mit gutem Erfolg durch Einwerbung von Spenden während einer geschichts- und volkskundlichen Ausstellung, die der Verein im Bürgerhaus Lohra veranstaltete sowie durch Erwerb eines gebrauchten Verkaufswagens, mit welchem der Verein auf allen Kirmesveranstaltungen, Bratpartien und anderen Dorffesten der Region präsent war und Geld durch Tombolen zugunsten der alten Kirche von Altenvers einnahm. Den folgenden Winter 1980/81 nutzte man dann zur Vorbereitung der Innenrenovierung mit restauratorischen Voruntersuchungen sowie zu einer punktuellen archäologischen Untersuchung innerhalb des Altarraumes und der anschließenden Bereiche des Kirchensaales, so dass im Frühjahr 1981 zügig mit der Innenrenovierung - d.h. Elektroinstallation mit Anschluss einer Unterbankheizung, Erneuerung des Fußbodens, Restaurierung der Bänke, Putzsicherung und Neu- Ausmalung - begonnen und ihr Abschluss im Mai 1981 gefeiert werden konnte.

Die Farbgebung der Holzeinbauten und Wände, die aufgrund überlieferter Ausgabenbelege und stilistischer Merkmale in die Zeit von 1784/85 bis in das frühe 19. Jahrhundert zu datieren sind und dem überlieferten Raumeindruck seiner maßgeblichen Umgestaltung im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts entsprechen.

Die Instandsetzung des Baues und die Renovierung seines Innenraumes wurden im Interesse einer vielfältigen Nutzung noch vervollständigt durch eine neue Glocke im Turm und die Anschaffung eines Orgelpositivs. In den nachfolgenden Jahren kam schließlich die Erneuerung der einfachen Fensterverglasung als farbige Bleiverglasung hinzu und ließ den heute zu Ausstellungen, Vorträgen, Konzerten, Taufen und Hochzeiten genutzten Raum, der sich auch einer großen Zahl zum Teil weit gereister Besucher erfreut, noch ansprechender werden.

Der Einsatz des Vereins für Geschichte und Volkskunde Lohra, in den Anfängen besonders motiviert durch Jakob Schlag, Lohra, und Jakob Wagner, Rollshausen, heute durch Dr. Heinrich-Justus Wagner, war außerordentlich. Insgesamt wurden für durchgeführte Arbeiten an Kapelle, Kirchgarten und Kirchhofmauer vom Verein durch Spenden und Erträge aus Veranstaltungen 92.000,- DM aufgebracht, während die Zuwendungen aus Mitteln der Gemeinde, des Landkreises und der Landesdenkmalpflege sowie Beiträge des „Förderkreises Alte Kirchen" und des Geschichtsvereins Marburg insgesamt 70.000,- DM betrugen. D.h. der Löwenanteil der Kosten wurde vom Verein bereitgestellt, neben nicht geringen Eigenleistungen an Arbeitsstunden. Dieser Einsatz erfuhr seine Würdigung durch Verleihung des Hessischen Denkmalschutzpreises am 31. August 1995. 29,41)

Quellen und Befunde zur Baugeschichte seit dem Spätmittelalter

Die zur Vorbereitung von Maßnahmen an einem Baudenkmal notwendigen bauhistorischen und restauratorischen Voruntersuchungen, welche die Grundlage für eine denkmalpflegerisch angemessene technologische und gestalterische Maßnahmenplanung bilden und verhindern sollen, dass für die Geschichte des Baues und seiner Veränderungen wichtige Spuren unerkannt verloren gehen oder verfälscht werden, wurden vom „Verein für Geschichte und Volkskunde Lohra" in Auftrag gegeben. In Verbindung mit Daten aus den ab 1568 überlieferten Aufzeichnungen der Bauausgaben und Archivrecherchen sowie den Ergebnissen bauhistorischer und restauratorischer Untersuchungen und einer kleinen archäologischen Untersuchung von Anfang des Jahres 1981 lassen sich einige sichere Erkenntnisse über die jüngere Veränderungsgeschichte der Kirche gewinnen.

Einen wichtigen Schlüssel zur Baugeschichte stellt die dendrochronologische Datierung (Jahres- Ring- Datierung der Hölzer) der in die Kirche eingestellten Holzkonstruktion aus innenseitig vor den Außenwänden angeordneten Stützen und Rähmbalken dar, welche die Decken und Dachkonstruktion tragen sowie die Datierung der Dachkonstruktion selbst. Danach wurden die Hölzer der Konstruktion im Zeitraum zwischen 1444 und 1456 gefällt, so dass aufgrund der üblichen Praxis, die Hölzer bald nach dem Einschlag zu verbauen, von der Errichtung des tragenden Innengerüstes und Daches mit Turm in den Jahren 1456-57 auszugehen ist.

Den äußeren Umfassungswänden vorgestellte Innengerüste als Auflager von Zwischendecken, Emporen und Dachbalkenlagen finden wir häufig als nachträgliche Einbauten oder Teil umfangreicher Veränderungen bereits bestehender Gebäude. So erscheint es durchaus möglich, dass die Umfassungswände des Kirchenraumes von Altenvers zu dieser Zeit bereits bestanden. Auszuschließen ist jedoch nicht, dass sie zumindest in Teilbereichen mit der hölzernen Innenkonstruktion und dem Dach neu errichtet wurden. Dafür konnten Gefügewechsel im Bereich der nordwestlichen und nordöstlichen Gebäudeecken sprechen. Ein gänzlicher Neubau des Kirchenraumes gleichzeitig mit oder nach Errichtung des Daches kann wohl ausgeschlossen werden, zumal man im 15. Jahrhundert sicher schon für eine ausreichende Belichtung durch Fenster Sorge getragen hatte. Wiederholte Veränderungen und Ausbesserungsarbeiten am Mauerwerk finden sich dagegen neben dem Einbruch eines neuen Fensters 1654-57 und Fenstervergrößerungen im Jahr 1784 in den seit 1568 überlieferten Bauausgaben belegt. Schon seit 1568 sind außerdem jährliche Besoldungen des Steindeckers von zunächst 5 alb, später 8 alb für die Besteigung des Daches vermerkt, zu welcher bei Bedarf noch Ausgaben für Material und Arbeitslohn hinzukommen.

Die an einem Eckquader aus Sandstein an der Südostecke befindliche, nach der mittelalterlichen Schreibweise der 5 als 1529 zu lesen und bezieht sich möglicherweise auf eine umfassende Instandsetzung nach der Reformation. In den Bauausgaben um 1729 sind jedenfalls keine Aufwendungen für Arbeiten am Mauerwerk aufgeführt. Aus den Feststellungen geht hervor, dass Eckquader aus Werksandstein nur an den östlichen Gebäudeecken vorgefunden wurden. Die westlichen Gebäudeecken fanden sich in der Art des angrenzenden Mauerwerks ausgeführt. Die wiederhergestellte rote Aufmalung der Eckquader an den Gebäudeecken geht auf einen jüngeren Befund auf dem während der Voruntersuchungen angetroffenen Putz zurück.

Aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg sind für die Jahre 1649-92 umfangreiche Instandsetzungs- und Erneuerungsmaßnahmen überliefert, beginnend mit Zimmer- und Dachdeckerarbeiten an Dach und Turm, Maurer- und Weißbinderarbeiten in Verbindung mit dem Einbruch eines neuen Fensters in den Jahren 1654-57, Ausgaben für neue Fenster und eine neue Kirchentür sowie schließlich eine Kanzel im Jahr 1664 und die Anschaffung und Erweiterung einer Orgel in den Jahren 1675 bis 1692.

Nach wiederholten Fenstererneuerungen im 18. Jahrhundert - zehn Jahre nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges - sind, verteilt über die Jahre 1773 bis 1785, wieder Ausgaben für umfangreiche Arbeiten an der Kirche aufgeführt, insbesondere für einen neuen „Pfarrstuhl" und neun neue „Weibsstühle" in den Jahren 1773-78, Ausbesserung eines großen Risses im Mauerwerk 1781, für die Erweiterung von zwei Fenstern und die Erneuerung von vier Fenstern in der Kirche 1784 sowie „die Kirche daselbst von innen und außen weiß zu binden, zu tünchen und silberfarben anzustreichen" im Jahr 1785.

Im Verlauf und gleichzeitig mit den zuvor beschriebenen Arbeiten sind auch Reparaturen am Dach vermerkt und schließlich noch einige kleinere Maßnahmen zur Ausstattung in der Folge.

Der grundlegenden Instandsetzung und Innenrenovierung der Kirche in den Jahren 1649-92 - insbesondere den Maurer- und Weißbinderarbeiten von 1654-57 kann sicher der Putzschicht entnommen werden. Dafür sprechen die Schreibweise des freigelegten Buchstaben „H" mit Bogenschnörkel im Querstrich, wie auch entsprechende Befunde des 17. Jahrhunderts in anderen Kirchen.

Die Fensterveränderung und Ausbesserung des Mauerwerks in den Jahren 1781-84 hat, wie aus den Bauausgaben zu ersehen, die belegte Außen- und Innenrenovierung der Jahre 1784-85 nach sich gezogen. Sie ist sehr wahrscheinlich mit der Fassung in weißem Kalk mit nicht rekonstruierbaren, wiederum schwarzen Bemalungsresten zwischen den Chorfenstern in Verbindung zu bringen, die auf einer Putzschicht aus feinem Kalksandputz mit Beimengungen aus Stroh und Flachshäcksel liegt. Ob die in den Bauausgaben genannte „silber Farbe" den wohl in diese Zeit datierbaren Grundanstrich der bis 1778 fertig gestellten neuen ,,Weibsstühle" sowie der Emporen in einem hellen Türkisblau mit floraler Bemalung der Bankwangen meint, ist nicht mit Sicherheit zu sagen.

Die 1981 wieder freigelegte Bemalung der Bankwangen blieb offenbar bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts sichtbar und erlebte zwei weitere Ausmalungen der Raumschale: in einem hellen, bräunlich- roten Kalkanstrich, der wohl um 1806 nach der Erneuerung des Chordaches im Jahr 1799 entstand, dann die in einem hellblauen Kalkanstrich, auf welchem sich einige Reste einer floralen Bemalung in Ultramarin, Rosa, Grün und Schwarz fanden, wie sie in der Region für die Zeit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts häufig anzutreffen ist. Unter den nunmehr nur noch sehr spärlichen Aufwendungen für die Kirche in Altenvers findet sich für das Jahr 1830 die Verzeichnung von zwei größeren Beträgen von je 40 Gulden für „...Reparatur an der Kirche in Altenvers" und „für Herstellung der Kirche in Altenvers...", so dass der beschriebene Befund wohl sicher diesem Datum zugeordnet werden kann. Die hellblaue Grundfarbe dieser Ausmalung wurde bei der Renovierung von l981 aufgenommen.

Die Fassungsschicht auf fettem Lehmputz ist aufgrund der aufgefundenen Reste von Schablonenornamenten der Jugendstilzeit in eine mit dem Datum 1906 überlieferte Renovierung einzuordnen. Zu ihr gehören auch die Erneuerung der Eingangstür mit der Jahreszahl 1906 auf dem Türschild und die 1981 noch vorhandenen, inzwischen ausgetauschten Fensterverschlüsse sowie vermutlich die jüngere Fassung der Emporen und Bankwangen in Umbragrün mit floraler Bemalung auf den Bankwangen. Danach gab es noch eine weitere, wahrscheinlich aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts stammende Ausmalung des Raumes und der Apsis in Weiß sowie zuletzt die noch 1979 sichtbare Ausmalung der Apsis in Hellblau und der Wandflächen des Kirchenraumes in Rosa, begrenzt durch rotbraune Streifen unterhalb der Decke. Der zugehörige braune Schriftzug am Chorbogen: „Ehre sei Gott in der Höhe" wurde 1950 erneuert. 29,41)

Befunde und Schlussfolgerungen zu den Anfängen

Die Bau- und Renovierungsabfolgen der alten Kirche von Altenvers seit dem Einbau der hölzernen lnnenkonstruktion und Errichtung des Daches im 15. Jahrhundert weitgehend nachvollziehbar und seit der grundlegenden Instandsetzung und der Erneuerung der Ausstattung in den Jahren 1649-92 sowie dem Einbruch eines neuen Fensters in den Jahren 1654-57 auch mit geringen Lücken datierbar. Putz- und Bemalungsreste aus der Zeit vor 1649 konnten allerdings bislang nur in der Apsis gefunden werden, sei es weil die Untersuchungen von 1980 aus finanziellen Gründen nur auf wenige Stellen begrenzt durchgeführt werden konnten oder Ereignisse in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, aus welcher es keine Aufzeichnungen gibt, vielleicht auch Verwüstungen während des Dreißigjährigen Krieges oder die 1649 beginnenden Maßnahmen zu einer weitgehenden Zerstörung der Raumoberflächen führten. Dass es nach der Erneuerung des Dachwerkes in den Jahren 1456/57 keinen Verputz und Anstrich des Kirchenraumes gegeben hat, ist wohl auszuschließen.

Die jüngere der beiden ältesten, nur in der Apsis festgestellten Raumgestaltungen besteht aus Putzschicht aus einem groben Kalksandputz mit Kalkknoten und dazugehörig einem rötlich- weißen Kalkanstrich. Unter diesem Aufbau befindet sich als bislang ältester Befund einer Raumfassung, unmittelbar auf dem Mauerwerk aufliegend der grobe, kalkgebundene Lehmbewurf, auf dem sich die Fassung in blaugrau befindet, zu welcher der Chorbogen nach der farbigen Befunddarstellung, eine Aufmalung weißer Quaderfugen auf blau-grauem Grund zeigte. Eine graue Fassung der Wandflächen mit weißer Fugenaufmalung und rot abgesetzten Wandgliederungen wurde als erste Fassung aus dem dritten Viertel des 13. Jahrhunderts in der nicht weit entfernt südöstlich von Altenvers gelegenen Prämonstratenserinnenklosterkirche von Altenberg gefunden. Eine Datierung der grauen Fassungsschicht in der Apsis der alten Kirche von Altenvers in das späte 13. Jahrhundert erscheint daher möglich. Sie konnte in Zusammenhang gebracht werden mit der während seiner archäologischen Untersuchung Anfang 1981 südlich des Fußes der nördlichen Chorbogenlaibung gefundenen Wandungsscherbe eines Kugeltopfes, die in das 12. bis 13. Jahrhundert, bei neuerlicher Überprüfung in das 11. bis 13. Jahrhundert datiert. Für einen im 13. Jahrhundert errichteten Chor bzw. Altarraum wäre allerdings entsprechend den Formen der Gotik ein polygonaler Grundriss und für den Chorbogen eine Spitzbogenform anzunehmen. Der hufeisenförmige Apsisgrundriss und die Rundbogenform der Öffnung zwischen Apsis und Kirchenraum sind jedenfalls nicht einer Entstehungszeit im 13. Jahrhundert oder noch späteren Umbauten zuzuordnen, sondern gehören zweifellos einer älteren Bauperiode an, für die es bisher keine weiteren Belege gibt.

Die Lage im Umfeld der Kreuzung alter, überregional bedeutender Verkehrswege, wie die in Süd-Nord-Richtung ziehende Weinstraße und die in ihrem Verlauf wechselnde West-Ost-Verbindung des Rennweges bzw. der Hohen und späteren Köln-Leipziger-Straße sowie Funde des ausgehenden 2. und des 8. Jahrhunderts im Umfeld und die Zugehörigkeit von Güterbesitz des Mainzer Stephansstiftes in Vers in der Zeit um 1130 zur Villikation Ebsdorf belegen eine frühe Besiedlung des Raumes und lassen eine frühe Entstehung der Kapelle Altenvers möglich erscheinen.

Ein weiterer Anhaltspunkt für eine frühe Entstehung könnte auch die Nähe zu der befestigten karolingischen Anlage des Gronauer „Alten Schlosses" sein. Die darin befindlichen Reste eines rechteckigen Steinbaues mit an die Längsseite anschließender Apsis wurden in die Zeit der karolingisches Renaissance datiert. Das Mauerwerk des Gronauer Hauses ist wie Teile des Apsismauerwerks in Altenvers, insbesondere im Fundamentbereich, lehmgebunden. Auch diese Befunde konnten für eine frühe Entstehung der Kirche Altenvers sprechen, die im Laufe der Zeit immer wieder instand gesetzt und verändert wurde.

Die häufig erwähnte Hufeisenform des Apsisgrundrisses der Kirche von Altenvers ist in der Region sonst nicht eindeutig nachzuweisen. Hufeisenförmige Grundrisse von Apsiden an Kirchenbauten und Kapellen des 8. bis 12. Jahrhunderts, die aber oft auch nicht sicher datierbar sind, finden sich im deutschsprachigen Raum vor allem im Bereich des ehemaligen Bistums Konstanz in der Schweiz und im Elsass: z.B. Ebhausen, Bau II - seine Datierung „um 800" nicht gesichert; Gelterkinden, Kanton Basel-Land, St. Petrus, Bau II, datiert ins 10./11. Jahrhundert; Hilterfingen, St. Andreas, Bau I, datiert ins 10/11 Jahrhundert, Bau II datiert ins 10./11. Jahrhundert.

Die angegebenen Durchmesser der genannten Beispiele liegen zwischen 3,10 m und 4 m, die Tiefe der Apsis in Altenvers beträgt z.B. wie in Ebhausen 3,10 m, die Weite 4,12 m, in Ebhausen 3,60 m. Die Obermittlung einer solchen Grundrissform über die alten Verkehrswege bis nach Altenvers kann wohl nicht ausgeschlossen werden, ebenso vielleicht auch nicht ein Einfluss des Bau I von St. Gereon in Köln mit seiner Ostkonche von hufeisenförmigem Grundriss, der in das letzte Drittel des 4. Jahrhunderts datiert wird. 29,41)

Resümee

Zusammenfassend ist zur Baugeschichte der Alten Kirche von Altenvers festzuhalten: Der Ursprung bzw. die Zeit ihrer Entstehung konnte bislang nicht sicher geklärt werden.

Aufgrund der Chorbogenform und des hufeisenförmigen Apsisgrundrisses steht eine Bauzeit vor der ältesten, vermutlich gotischen Ausmalung des späten 13. Jahrhunderts, d.h. spätestens in romanischer Zeit, fest.

Die südlich des Fußes der nördlichen Chorbogenlaibung 1981 aufgefundene, in die Zeit des 11. bis 13. Jahrhunderts datierbare Scherbe lässt eine Datierung in das 11 .-13. Jahrhundert zu. Einige Indizien lassen auch eine Datierung in die Zeit zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert nicht ganz ausschließen.

Die Hufeisenform des Apsisgrundrisses wurde bislang in der Region an keiner anderen Stelle aufgefunden. Nur der Apsisgrundriss des Kirchenstumpfes von Udenhausen bei Ebsdorfergrund- Rossberg besitzt einen an der "Nordseite deutlich eingezogenen, d.h. halbseitig hufeisenförmigen Grundriss.

Eine grundlegende Wiederherstellung des Baues mit Einbau des tragenden Innengerüstes und Errichtung des Dachwerkes aus Eichenholz erfolgte nach der dendrochronologischen Datierung um 1456/57. Nach Dachreparaturen ab 1649 und dem Einbruch eines neuen Fensters im Jahr 1657 erhielt der Kirchenraum den dort bislang ersten festgestellten, mit Verputz und eine Ausmalung in weiß mit blaugrauer Bandeinfassung und roten Begleitstrichen um die Fenster im Kirchenraum, im Chor eine Bemalung mit schwarzer Schrift und „Ranken" zwischen den Fenstern.

Einer Zwischenrenovierung um die Mitte des 18. Jahrhunderts folgte wiederum eine grundlegende Umgestaltung mit Anfertigung neuer Frauenbänke („Weibsstühle") im Kirchensaal, eines neuen Pfarrstuhles, dem Einbau von vier neuen Fenstern und der Vergrößerung von zwei vorhandenen Fenstern sowie der Reparatur eines großen Risses im Mauerwerk, worauf 1784/85 wiederum Putzarbeiten und außen wie innen ein neuer weißer Anstrich in Kalk folgten. Innen erhielt der Putz im Chor wohl erneut eine dekorative Bemalung, deren geringe schwarze Reste jedoch keine Rekonstruktion zuließen,

Die Bänke und Emporen wurden in einem hellen Türkisblau gestrichen und sicher entstand zu dieser Zeit schon die florale Bemalung der Bankwangen, die bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts sichtbar blieb. Dieser Raumfassung folgten noch fünf weitere Renovierungen, unter denen die Fassung mit leider nur fragmentarisch angetroffener Bemalung mit farbigem Blumenschmuck auf hellblauem Grund den Ausgaben „für Herstellung der Kirche in Altenvers" im Jahr 1830 zuzuordnen ist, die ebenfalls besonders zu erwähnende Fassung mit Schablonen- Ornamenten der Jugendstilzeit dem Jahr 1906.

Die letzte Ausmalung der 1940er Jahre oder ersten Nachkriegszeit mit hellblauem Anstrich im Chor und rosa Fassung der Wände im Kirchenraum bestand bis 1979.

Auch wenn der vermutete frühe Ursprung der Kirche von Altenvers um 800, für den, wie gezeigt, einige Indizien sprechen, nicht sicher belegt werden kann, reichen ihre Anfänge doch zweifellos bis spätestens in romanische Zeit zurück.

Als Dorfkirche romanischen wenn nicht karolingischen Ursprungs mit einer weitgehend erhaltenen Ausstattung des 17. bis 18. Jahrhunderts und einer nachvollziehbar bewegten Geschichte besitzt sie daher als Spiegel politischer Ereignisse, wirtschaftlicher Entwicklung und dörflicher Kultur nicht nur für Altenvers, sondern für die ganze Region und auch die Landesgeschichte besondere Bedeutung.

Der hohe personelle und finanzielle Einsatz des Vereins mit seinen Mitgliedern und seine nun schon fast 28 Jahre bewährte Treue und Ausdauer in der Sorge um den lebendigen Erhalt der Kirche, die ohne den Verein unwiederbringlich verloren gegangen wäre, verlangt den uneingeschränkten Dank und die wirksame Unterstützung durch die Allgemeinheit. 29,41)

Siehe auch

Altenvers · Besonderheiten · Einrichtungen · Bauwerke · Geschichte · Kirchen · Sehenswürdigkeiten · Vereinigungen · Veranstaltungskalender · Link-Service

Ansichten
Persönliche Werkzeuge