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Horns

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Das von Hornsche Haus in Lohra

Unweit des alten Rathauses stehen noch vor der Wallgasse im alten Zentrum des Dorfes die Reste einer ehemaligen großen Hofanlage, von dessen alter Gebäudeausstattung lediglich noch das Wohnhaus und ein mit diesem die Toreinfahrt bildendes kleines Nebengebäude erhalten sind. Die Scheune wurde bereits 1952 im Rahmen von Sanierungs- und Umbaumaßnahmen an dem Wohngebäude entfernt. Reste des Baumaterials fanden sich im 2011 abgerissenen Waschhaus verbaut.

Die im mittleren Giebelquerbalken des Wohnhauses zu lesende Inschrift lautet: Got wolle stehen lassen dieses Haus, bis vom Golt den Kavfleuten graus, und dem Vieh eckelt vor der Weit und bis das Wassser den Fischen ist leit. Erbaut im Jahre 1702. Soli deo glorio-Got allein die Ehr.

Aufgrund akuter Einsturzgefahr im Jahr 1953 kam es zur baupolizeilich veranlassten Sperrung des Wohngebäudes und dem hierzu notwendigen Auszug der damaligen Mieter. In den darauffolgenden Jahren unter dem seit 1952 neuen Besitzer Heinrich Dörr wurde das Gebäude neu unterfangen. Der vorher lediglich auf das Vorderhaus beschränkte Keller (ein 4,50m x 8,60m x 2,15m messender Gewölbekeller) wurde entfernt und das ganze Haus dabei unterkellert. Zudem wurde der erste Stock in Massivbauweise ausgeführt wie auch Teile des hofseitigen zweiten Stockes. Das Vorhaben den Bau wie von der damals beteiligten Denkmalpflege gefordert wieder mittels Eichenfachwerk in diesen Bereichen zu rekonstruieren (hierzu wären Hölzer in den Dimensionen 20x20 und 20x24 notwendig gewesen) wurde aufgrund fehlender Gelder aufgegeben.

Man kann bereits auf einem Photo von 1947 sehen, dass im Bereich des Fachwerkes des 1. Stockwerkes öfters Reparaturen vorgenomen wurden. Lediglich der rechte Eckständer mit der Eckaussteifung, als auch der nach links zweite Ständer sind von der Lage und Dimensionierung noch Teil des ursprünglichen Fachwerkbaus. Die übrigen Ständer und Riegel folgen einem konstruktiven Aufbau, wie er für das 19. Jhd. typisch ist und sind als Reparaturen zu sehen.

Vom Fachwerkbild müssen wir uns das Stockwerk analog dem Aufbau des noch existenten 2. Stockwerkes vorstellen, wobei die Dimension des Bauholzes nach unten hin zunahm. Mit dem Umbau 1953 wurde auch der Dachboden zum Wohnraum umgebaut, was konstruktiv eine andere Treppe als die bis dahin bestehende steile leiterähnliche Treppe zu den Dachböden bedurfte. Um die notwendige Kopffreiheit zu erhalten wurde hofseitig und symetrisch dann auch gegenseitig aufgegaubt. Die alte Treppe in den Keller und in den 2. Stock wurden durch eine Neukonstruktion ersetzt.

Die querstehende Scheune, deren Balkeninschrift uns durch den Artikel der OP von 1953 überliefert ist, war vermutlich wie das Wohnhaus 1702 datiert (Bav. Herr. Hans Hinrich von Horn- Johann Adam ... und der Rest war verwittert). Im Bereich des Gewölbekellers soll ein weiterer Stein gewesen sein, der auch diesen auf das Jahr 1702 datierte.

Im Zeitverlauf der drei vergangenen Jahrhunderte sind mehrfach weitere Veränderungen an dem Gebäude als auch an der Hofanlage vorgenommen worden, letztmalig 2011 durch den Abriss des in der ehemaligen Hofmitte stehenden Wirtschaftsgebäudes, daß nach Abriss der Scheune dort aus Resten des Abbruches errichtet wurde und das charakterisiert war durch eine zur Strasse hin gewandte Anlage aus insgesamt 5 Toiletten für das zu Lebzeiten des langjährigen Besitzers Heinrich Dörr teilvermietete Gebäude. Nach dem Verkauf ziehen 2008 die letzten Mieter aus und das Haus steht bis 2011 leer, danach Verkauf an die Familie Saleck und Hetche und Beginn der Renovierung/Restaurierung.

Insgesamt wurde nach dem Unterfangen des Hauses keine größere Umbauten oder Bauunterhaltung vorgenommen, teilweise wurde die Bausubstanz sogar absichtlich geschädigt, wie am Beispiel des Nebengebäudes bis April 2012 noch ersichtlich war.

Der an Stelle des ehemaligen Gewölbekellers eingefügte Geschäftsraum diente meist als Schreibwarenladen, Kiosk (Fa. Schild; Fa. Ursula Ludwig) als auch Standesamt der Gemeinde Lohra.

Dabei hatte das Anwesen bessere Tage gesehen¸ insbesondere kann man davon ausgehen, dass das damals noch vollständig in Fachwerkbauweise ausgeführte Wohngebäude 1702 eines oder das größte Wohnhaus am Ort gewesen sein dürfte. Gebaut hatte es sich der aus Rheinischem Landadel stammende Hans Heinrich von Horn (Hornumb/Hornum), dessen Familie mit seinem Vater in Hessen im Raum um Rosenthal landsässig wird. Dieser war als Regimentskommandeur zuletzt für den Kurhessischen Landgrafen in den Reichskriegen tätig und wurde als Obristleutnant aus dem aktiven Dienst entlassen.

Als Besonderheit zudem gegenüber den übrigen Höfen war der Hof als auch die ihm zustehenden Ländereien Eigentum der Familie.

Im Gegensatz zum Beständerverhältnis (d.h. Lehns – oder Pachtverhältnis) bei den Familien der anderen Höfe, die Unfreie waren, und die, obwohl sie schon teilweise seit mehreren Generationen den Hof bewirtschafteten auf dem sie wohnten, doch daran kein oder nur begrenztes Eigentum hatten. Ihr Hof gehörte einem fremden Lehnsherren.

Wenn man der sogenannten Bruchschen Karte folgt so umfasste die Hofanlage neben dem Wohnhaus noch insgesamt 7 Wirtschaftsgebäude. Noch 1804 weist die Hofanlage eine Ausdehnung in östlicher Richtung auf die sie an das heutige Haus der Familie Rudolf Keller (Wallgasse XX) grenzen lässt, nach Süden stellt sie Begrenzung zur Bäckergasse (der späteren Wallgasse), und zur Lindenstrasse hin umschließt sie das heutige Haus und Nebengebäude der Familie Kraft vollständig. In den darauffolgenden Jahren bis zur nächsten Kartographierung 1884 scheint es zu einigen Verkäufen und Abtrennungen gekommen zu sein (im Süden entsteht das heutige Haus der Fam. Pahlke; Abtrennung des hinteren Gartens an einen Familienangehörigen der von Beruf Schneider ist ("Goreschneirersch"). Zudem ändert sich die Zufahrt zum heutigen Hof Schäfer/Müller ("Saiwets") die bisher den hinteren Grundstücksanteil teilte. Dieser Verlauf der Grenzlinien besteht bis heute (2012) fort.

Lohra

Haus: Lindenstraße X, alte Nr. X

Deutung: Familie von Hornum

Am 10.Februar 1667 heiratet der um 1640 geborene Kornett (Reiterfähnrich) Hans Heinrich von Hornumb (von Horn) die um 1645 geborene Katharina Fuchs aus Lohra (Kirchenbuch 1 S.113). Man begräbt ihn am 21. August 1711 in Lohra, seine Frau wird ihn um 10 Jahre überleben (Tod 8. Februar 1721)

Sein Vater Wilhelm von Hornumb, wohl noch in der Kölner Gegend geboren, siedelt sich mit seiner Heirat in Rosenthal (Kreis Frankenberg) an. Er dient 1651-1655 als Leutnant in Schwedischen Reiterregimentern, 1659/1660 wird er zum Major befördert und 1664 verabschiedet. Bereits 1670/1671 finden wir ihn wieder, diesmal in Braunschweiger Diensten wo er als Obristwachtmeister zu Pferd 1675 genannt wird. Endlich 1677 als Hessischer Obristleutnant führt er 4 Kompanien gegen die Schweden, wo er auf Rügen 1678 mit seinem Sohn gefangengenommen, auf Wartegeld (Lösegeld) gestellt, 1685 in Rosenthal bestattet wird.

Sein ältester Sohn Hans Heinrich von Hornumb lässt sich durch Heirat in Lohra nieder, wo er aufgrund seiner adeligen Herkunft in den Protokollen und Kirchenbüchern weiter als Herr geführt wird und mit dem Anredetitel "Herr" ausgezeichnet wird. Andere Nachkommen seines Vaters dienen häufig als Hessische Offiziere und wohnen auf Gütern in Wohra, Josbach, Bürgeln und Jesberg, wo noch 1767 ein adeliger Heinrich August von Horn getauft wird.

Wie und warum es zu dieser Hochzeit kommt, kann heute nur noch vermutet werden. Auch das Kirchenbuch (Kirchenbuch 1 S 113) gibt hierzu keinen weiteren Hinweis. Fest steht, dass Hans Heinrich von Hornum, insbesondere als ältester Sohn einer Adelsfamilie, deutlich unter Stand heiratet in einer ständisch gegliederten Gesellschaft. Er riskiert damit die ihm zustehenden ständischen Privilegien für sich und seine Nachkommen. Dieses tritt bereits in der vierten Generation später auf, als ein Nachkomme, nämlich Johann Heinrich Horn, den von seinem Großvater "aufgegebenen Adel" (Weglassen des Praefixes "von") erneuern lassen will, und dies aufgrund seines nun bäuerlichen Standes abschlägig beschieden wird.

Die Lohraner Linie von Horn (Jeweils der älteste Sohn und Namensträger)

  • Hans Heinrich von Hornumb (von Horn) Korporal und Wachtmeister in landgräflichen Diensten, später Kornett (Reiterfähnrich) geb. um 1640 – begraben in Lohra am 21.08.1711, heiratet in Lohra am 10.02.1676 Katharina Fuchs geb. um 1645, begraben in Lohra am 08.02.1721, Tochter des Bauern Johannes Fuchs und einer geborenen Scherer in Lohra
  • Johannes von Hornum getauft am 19.12.1676 in Lohra, Bauer in Lohra, heiratet am 09.06.1705 Katharina Laucht, Tochter des Johannes Laucht in Allna
  • Johann Heinrich Horn, getauft am 09.10.1706 in Lohra, Bauer und Kirchenältester, heiratet am 28.12.1731 Elisabeth Schmidt aus Reimershausen
  • Johann Heinrich Horn, geboren am 01.09.1739, gestorben um 1800, Bauer in Lohra, auch Grebe (Dorfvorsteher) heiratet am 03.12.1762 Christina Lapp, Tochter des Johann Georg Lapp von Lohra
  • Johann Heinrich Horn, geboren am 09.12.1762, Bauer in Lohra, stellt 1805 den Antrag auf Erneuerung des Adels unter Nachweis seiner Abstammung aus den Kirchenbüchern.

Siehe auch

Familiennamen · Straßen · Geographie · Wüstungen · Link-Service · Literatur · Recherche · Hausnamen · Flurnamen

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