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Großgemeinde

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Die Großgemeinde Lohra besteht seit der Gebietsreform 1972/1974 aus den früher selbstständigen Gemeinden:

Das Wort „Lohra" kommt vielleicht vom althochdeutschen Wort „läri" (auch: gi-lari) und bedeutet: Stätte der Niederlassung, der Siedlung. Wir entnehmen daraus, dass im Gebiet von Lohra schon in sehr früher Zeit menschliche Ansiedlungen angelegt worden sind.

Wir können die Zeit der Anlage der ersten Dörfer nur annähernd vermuten. Lohra aber gehört, das scheint sein Name zu zeigen, sicherlich zu den ältesten Siedlungen, die man etwa bis ins 5. Jhd. v. Chr. datieren kann.

Die Namen der auf -hausen endenden Dörfer in Lohras Umgebung verraten jüngere Siedlungen (wohl in fränkischer Zeit entstanden). Aber viele der alten Siedlungen wurden von ihren Bewohnern wieder aufgegeben. So z. B. das ehemalige Hillertshausen westlich von Lohra. Seine alte Ackerflur ist heute noch nachweisbar in dem „die Flurnamen" genannten Waldstück.

Solche Wüstungen finden sich vielerorts, ihre Zahl übertrifft oft die der heute vorhandenen Dörfer. Warum diese Anlagen von den Menschen verlassen wurden, ist nicht einfach zu bestimmen. Meist sind sie im späten Mittelalter aufgegeben worden, nicht wie allgemein angenommen wurde in der Zeit des 30 jährigen Krieges.

Die Orte, die die Gemeinde Lohra heute bilden, gehören schon seit jeher zu einen regionalen Gebiet, wo die frühere Gemeinde Lohra den Mittelpunkt bildete.

Der Raum um Lohra - ein uraltes Siedlungsgebiet

Als Kleinstlandschaft - begrenzt von den Höhen des Hemerichs im Süden, den bewaldeten Höhen des Oestebachs im Westen und Nordwesten, vom Hainbuch und Brachterwald im Norden und Osten, beherbergt die Talweitung der Salzböde in heutiger Zeit das Dorf Lohra. Von der Talsohle an sanft steigend, den Wald weit zurückdrängend, breiten sich die Felder und Wiesen, die mit mittleren Böden für die nähere Umgebung Lohras durchschnittlich gute Erträge bringen, die jedoch der Bevölkerung unserer Dörfer zu dessen Versorgung nicht ausreichen.

Noch aus der Zeit Mitte des 19. Jh. ist dagegen überliefert, dass „im Dorfe nicht mehr Feldfrucht gezogen wird, als zur Versorgung der Bewohner notwendig". Und so wird es auch in der rückliegenden Zeit bis zur ersten urkundlichen Erwähnung (Mitte des 8. Jh.) gewesen sein.

Wir haben es also in historischer Zeit mit einer Kleinlandschaft zu tun, die alle Voraussetzungen zum Anlegen und Erhalt einer menschlichen Ansiedlung in sich barg. Weideland boten die Salzbödewiesen, zum Anbau der Feldfrüchte dienten die sanften Hänge, natürliche Quellen und künstlich angelegte Brunnen lieferten das lebensnotwendige Trinkwasser. Auch Obstbau war möglich infolge der Höhenbegrenzung im Norden, die das Tal vor den rauhen Winden schützt.

Austauschmöglichkeiten für Güter aller Art erleichterte die über die südliche Bergkette heranführende alte Höhenstraße, in frühester Zeit von dem „Alten Schloß" an der Schmelz südöstlich an Lohra vorbei, weiter über das „Alte Ding" bei Nanzhausen zwischen Nanz- und Willershausen auf den Höhenweg der West- Ostverbindung einmündend; sowie die bis in das 19. Jahrhundert noch benutzte Höhenstraße, die von [Gießen] durch die Subach nach [Gladenbach] und [Biedenkopf] führte.

Was aber war vor der „urkundlichen" Zeit? Damit, dass in der erhaltenen Urkunde des Klosters Fulda, Schenkungen von Gütern zu „Lare" (Bezirk) an das Kloster Fulda und in weiteren Urkunden aus derselben Zeit Landübereignungen an das Kloster Lorsch genannt werden, ist schon der Beweis geliefert, dass hier ums Jahr 750 bewirtschaftete Ländereien einer Siedlung bestanden haben.

Und da es unwahrscheinlich ist, dass Ländereien von den Menschen, die sie eben erst urbar gemacht hatten gleich wieder verschenkt wurden, liegt der Schluss nahe, dass schon lange vor besagten „Adelman und seiner Frau Uodalswint" Menschen zu Lare siedelten und ihr Feld bebauten.

Und in diesen Zeitraum hinein leuchtet ein Beweis, der in seiner Eindeutigkeit alle Zweifel ausschließt, dass in früher Zeit unser Tal für damalige Verhältnisse nicht unbedeutend besiedelt war: in der Feldflur „Im Hillershausen", am Südosthange, weisen sich langhinziehende (z. Z. über 1200 Schritte lang und 6 - 12 Schritte breit) terrassenförmige Bodenprofilierungen eindeutig das Vorhandensein einer Feldbewirtschaftung aus. Diese ,,Langstreifenfeldflur-wirtschaft", die Vorstufe zur Dreifelderwirtschaft, wurde in der Form betrieben, dass mit dem Pfluge vom Hange abwärts fallende Furchen gezogen und solange bestellt wurden, bis der urbar gemachte Streifen seine naturgegebenen Nährstoffe verbraucht hatte. Eine Düngung mit organischem (oder gar künstlichem) Dünger kannte man noch nicht! War der angerodete Streifen „ermüdet", wurde ein neuer, oberhalb des durch die Abackerung entstandenen Raines, angelegt. So wanderte die Bewirtschaftung stufenweise bergan und hinterließ uns im Laufe der Zeit die sich heute noch klar abzeichnenden Terrassen. Nach Ablauf des Zeitabschnittes, den der Boden brauchte, um wieder ertragsfähig zu werden, konnte die Bewirtschaftung wieder von neuem beginnen.

Zum Leben brauchten die ansässigen Bewohner Wasser. Dieses lieferte die Quellsenke im Hillershausentälchen, unterhalb der heutigen Jagdhütte. Hier wird in direkten Umgebung die Siedlung selber zu suchen sein. Es wird vermutet, dass die Ansiedlung am unteren Ende der Langstreifenfeldkultur zu suchen ist, weil dadurch für die Landbesteller von Hillershausen eine ganz bedeutende Arbeitserleichterung gegeben gewesen wäre. Sie zogen mit ihren Karren leer bergauf und rollten mit der vom Felde abzufahrenden Last der Ernten bergab zu ihrem Heime. Die Zeitbestimmung der Siedlung fällt vielleicht schon in das 6. Jahrhundert. Da fast alle Siedlungen, die auf -.hausen enden, auf die fränkische Zeit zurückzuführen sind, wird dies auch für Hillershausen zutreffen. Erhärtet wird die Beweisführung für eine damals schon starke Besiedlung des fraglichen Raumes durch die Feststellung gleichgearteter Langstreifenfeldfluren oberhalb des Nachbardörfchens Nanzhausen in der Flur „Neue Hecke" und „Im Wäldchen", in der Gegenwart forstwirtschaftlich genutzt. Auch hier finden sich heute noch austretende Quellen in nächster Umgebung der Terrassen.

Ein Beweis für eine sich über längere Zeitabschnitte erstreckende Ansiedlung im Salzbödetal bereits in frühester, also in prähistorischer Zeit, erbrachte das auf dem ,,Gernstein", in dem westlichen Teil der Gemarkung Lohra ausgegrabene Steinkistengrab, wo durch die Art der Herrichtung dieser Bestattungsstätte vor rund 4000 Jahren sesshafte Siedler in der Talweitung der Salzböde im Raume Lohra lebten. Nicht allzu weit von dieser Grabstelle sprudelte im Tale die Salzquelle, die wahrscheinlich dem Flüßchen seinen Namen gab. Hier fanden Menschen wiederum alles, was sie zum Leben dringend brauchten. Es ist das Tal der Salzböde bei Lohra seit der Steinzeit ein Raum gewesen, in dem Menschen gesiedelt haben. Und in christlicher Zeit häufen sich die Beweise, dass unser Tal menschliche Ansiedlungen fast rund um Lohra herum enthielt. 3,11)

Siehe auch

Straßen · Verfolgte · Hausnamen · Aktuelle Ereignisse · Persönlichkeiten · Berufe · Einrichtungen · Sehenswürdigkeiten · Vereinigungen · Link-Service

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