Lohra-Wiki

Grebenordnung von 1739

Aus Lohra-Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Grebenordnung von 1739

Landgraf Friedrich I. (1730-1751) erließ im Jahre 1739 die so genannte Grebenordnung:

»Verordnung des Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten Fürsten und Herrn Friedrichs, von Gottes Gnaden der Schweden, Goten und Wenden Königs u. u. Landgrafen zu Hessen, Fürsten zu Hersfeld, Grafen zu Katzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain, Nidda und Schaumburg u.U., wonach die Greben, Vorsteher, Heimbürger, Dorfschulzen, Richter, Eidgeschworene, Dorfknechte, Köddergreben, Dienstlader, Dienstherren, Feldhüter, Nachtwächter und wie es mit den Dorfrechnungen in Zukunft zu halten, tun hiermit kund und zu wissen ...«

Alle Greben, die sich bisher in ihren Ämtern bewährt haben, verbleiben in ihren Stellungen, dagegen werden solche, die »Säufer, Spieler und Zänker sind« und ihre Pflichten verletzt haben, durch andere Männer ersetzt. Diese sollen Angesessene sein, in gutem Ansehen stehen und des Lesens, Schreibens und des notwendigen Rechnens kundig sein. Der neue Grebe wurde nicht gewählt, sondern von dem Landesherrn eingesetzt und durch folgende Eidesformel verpflichtet:

»Ihr sollet geloben und schwören einen leiblichen Eid zu Gott, dass ihr das euch aufgetragene Grebenamt eurem besten Wissen und Gewissen nach wollet versehen, Ihre Königl. Majestät Unserm Allergnädigsten Könige und Landesfürsten treu, hold, gehorsam und gewärtig sein, Dero Schaden warnen und Bestes prüfen, insbesondere auf die Bußfällige, dass solche zu rechter Zeit angezeigt, keine Strafen, Besthäupter oder Erbfälle, Lehn-, In- und Abzugs- auch andere Gelder und Einkünfte unterschlagen, sondern treulich zur Erhebung bracht werden, fleißig Acht haben, gute Ordnung in der Gemeinde halten, der Dorf schätz Nutzen und Bestes so viel an euch und es dem Herrschaftlichen Interesse nicht zuwider ist, befördern helfen, überhaupt aber allen den in der euch zugestellten Greben- Instruktion enthaltenen Punkten, als der ihr euch wohl kundig zu machen habt, nach eurem besten Verstand und Vermögen nachkommen und euren Grebendienst überall so verwalten, wie solches einem treuen und ehrlichen Greben zu tun oblieget. Treulich und ohne Gefährde, u.u. Alles, was mir anjetzo vorgehalten ... u. u.«

In knapp 50 Kapiteln werden dann für die Durchführung aller Aufgaben dem Greben eingehende Vorschriften gegeben. Es sind eigentlich keine neuen Bestimmungen, sondern die schon zum Gewohnheitsrecht gewordenen Aufgaben werden nun zusammengefasst und als allgemein gültige Verordnungen bestimmt. Im folgenden sollen die wichtigsten, die einen guten Einblick in das damalige Dorfleben vermitteln, genannt werden.

  • 1. Die »Sabbat-Ordnung« steht an der Spitze aller Verordnungen. An den »Sonn-, Feier-, Bet- und Danktagen« sollen tunlichst alle Einwohner den Gottesdienst besuchen.

Der Grebe hat Sorge zu tragen, dass diese Tage »heilig« gehalten werden; während des Gottesdienstes muß es im Dorf »ruhig und still« sein. Die Wirtshäuser sind zu »visitieren«, damit während und auch nach dem Gottesdienst keine »liederlichen Gelage« abgehalten werden. Diejenigen, die vor und unter der Predigt in den Wirtshäusern liegen und weltlichen Geschäften nachgehen, sind dem Landbereiter (= Landjäger) und dem Prediger anzuzeigen. Die Eltern und Erziehungsberechtigten soll der Grebe anhalten, dass sie ihre Kinder mit »behörender Sorgfalt« zur Schule und in die Kinderlehre schicken und ihre Pfarrei- und Schulgebühren richtig und pünktlich abführen.

  • 2. Nach der »Armen- und Bettelordnung« ist zu beachten:

Alle »einschleichenden fremden Bettler« sind sofort aus dem Land zu verweisen. - Unsere Dorfgemarkung grenzte an das braunschweigische Ausland! - Dorfwachen sollen die Ein- und Ausgänge des Dorfes kontrollieren. Fahrlässige Gemeinden, ihre Greben und Vorsteher machen sich strafbar. Auch inländische Bettler sollen nicht geduldet werden, sondern sogleich in ihre Heimat gewiesen werden. Den Wirten ist bei Zuchthausstrafe verboten, Bettler zu beherbergen. Den einheimischen, noch arbeitsfähigen Armen soll Arbeit verschafft und den Schwachen nach Notdurft Almosen gereicht werden.

  • 3. Der »Zuchthaus-Ordnung« zufolge ist das Abhalten einer Kirmes, das Auftreten von »Seiltänzern, Komödianten, Gauklern, Taschenspielern, Raritätenkastenträgern, Glückstöpfe- und Lotteriehaltern, Ärzten, so aufbauen und dergleichen umziehenden Leuten« ohne behördliche Erlaubnis und ohne vorherige Entrichtung der vorgeschriebenen Gebühr verboten.

Das Scheibenschießen auf den Dörfern ist untersagt. Bei »Schencke- Hochzeiten« wird von jedem Tisch, der mit 12 Personen besetzt ist, eine Abgabe entrichtet. Dasselbe gilt bei anderen festlichen Veranstaltungen. Die Einnahmen fließen in die Zuchthauskasse. Greben und Vorsteher sollen offenbare Müßiggänger, Trunkenbolde, Spieler, Zänker und andere die Dorfschaft schädigenden Leute dem Landbereiter zur Einweisung in ein Zuchthaus melden, damit sie dort zur »Besserung« erzogen werden. Die Zuchthäuser jener Zeit waren weniger Zuchthäuser im heutigen Sinne, vielmehr waren es Erziehungsanstalten.

  • 4. Die Gesinde-Ordnung bestimmt, dass Kinder, wenn sie keinen Beruf erlernen und sie ihr Brot selbst verdienen können, in den Dienst anderer Leute treten sollen.

Alles fremde und herrenlose Gesinde soll, wenn es der Gemeinde zur Last fällt, weggeschafft werden. Wer seinen Dienst aufgibt, läßt sich von der Obrigkeit des Ortes, in dem er gedient hat, vom Prediger und der letzten Herrschaft ein Zeugnis über das Verhalten und den Lebenswandel erteilen. Das Gesinde muß alle Arbeit willig und fleißig verrichten, im Dienst ehrbar, still und gehorsam sich betragen und der Herrschaft Nutzen beobachten. Untreues Gesinde wird mit Gefängnis bei Wasser und Brot, dann mit Zuchthaus oder Thurn- haft (Thurn-Burg), das dritte Mal mit Festungsbau, oder wenn der Wert des Entwendeten mehr als 10 Reichstaler beträgt, mit dem Strang bestraft.

  • 5. In Bezug auf »Gerichts-Sachen« hat der Grebe ein Register anzulegen, in das er alle Straftaten einträgt, die er selbst in Erfahrung gebracht hat oder die ihm durch den Feldhüter, den Nachtwächter, den Feuerherrn (= Ortsbrandmeister) und andere »angesetzte Leute« gemeldet werden. Diese Liste ist dem Rügegericht allmonatlich einzureichen.
  • 6. In »Polizei-Sachen« muß der Grebe

a) zu bestimmten Zeiten die »Gewichte, Ehlen, Haespel, nass- und trocken Gemäß« überprüfen,

b) darauf achten, dass die Wirtschaften pünktlich abends um 10 Uhr geschlossen und dass keine Glücksspiele vorgenommen werden,

c) veranlassen, dass die festgesetzte Anzahl von »Sperlingsköpfen, Kräheneiern und Maulwürfen« beim Landgericht abgeliefert wird,

d) die »Nachbarn« warnen, Grenzsteine oder Raine zu verändern, Zäune zu nahe an die Grenze zu setzen. - Das sogen. Schwengelrecht musste gewahrt bleiben!

  • 7. Nach der Juden-Ordnung dürften keine verdächtigen oder Bettel-Juden im Dorf geduldet

werden. Schutz-Juden müssen die christlichen Sonn- und Feiertage achten und sich auf ehrliche und erlaubte Art ernähren. Wucher-Verträge, die einige Juden auf Garn, Wolle, Frucht, Vieh u. a. abzuschließen gewohnt sind und dadurch in ihre Hände geratene Leute in schnelle und schwere Armut stürzen, sollen unterbunden werden.

  • 8. Die Zunft-Ordnung bestimmt, dass diejenigen Handwerksmeister, wie Leineweber, Schuster, Bender u.a., die Zünften angehören, den Anordnungen des Zunft-Meisters und der Zunft-Ordnung Folge leisten.
  • 9. Besondere Bestimmungen gelten der Bevormundung Unmündiger.
  • 10. Die »Feuer-Ordnung« sieht sehr scharfe Maßnahmen vor. Die Strohdächer und die »gebrechlichen Backöfen« bilden eine ständige Feuersgefahr.

a) Bei Errichtung von Neubauten werden keine Strohdächer mehr gestattet.

b) Jedes Vierteljahr soll der Grebe mit dem Feuerherrn alle Feuergeräte, alle Feuerstätten und Schornsteine im Dorf sowie die Backöfen überprüfen und nötigenfalls veranlassen, daß die Ofenlöcher möglichst mit gußeisernen Türen versehen werden, damit keine Kohlen herausfallen können.

c) Jeder Hausgesessene soll eine »wohlverwahrte Laterne« besitzen, die er von Zeit zu Zeit bei den Rügegerichten vorzuzeigen hat.

d) Die Feuerlöschgeräte: Spritzen, Hacken, lederne Eimer und Leitern sind sorgfältig zu behandeln und trocken aufzubewahren. - Das geschah hier im alten Wacht- und Spritzenhaus.

e) Ein jeder »Inzöger« hat neben der Zahlung eines Einzugsgeldes einen ledernen Eimer zu stiften.

  • 11. Die hessischen Landgrafen haben von jeher ihr besonderes Augenmerk auf die Erhaltung guter fahrbarer Landstraßen und Wege gerichtet. Das geht auch aus der »Wegebau-Ordnung« hervor.

Jede Gemeinde ist verpflichtet, jährlich zweimal auf Anweisung des »Wege- Aufsichters« und unter Aufsicht des Dorfgreben den ihr zugewiesenen Distrikt der Landstraßen und die Wege und Brücken in der Dorfgemarkung, die »verdorben, ausgefahren oder durch Wasser ausgespült« sind, instand zu setzen.

  • 12. Die »Baumpflanz-Ordnung« bestimmt, dass die Dorfschaften »absonderliche wohlverzäunt- und bewahrte Gemeinde-Baumschulen neu anlegen oder die alten wohl pflegen«.

Junge Eheleute sind verpflichtet, 4 Obstbäume zu pflanzen und sie so lange zu pflegen, bis sie »geraten« sind. Die neuen »Inzöger« sollen nicht eher aufgenommen werden, bis sie auf eigenem Grund 5 Obstbäume oder in die Gemeinde-Hecken und -Waldungen 5 Eichen- oder andere wilde Bäume gesetzt haben. In den Baumschulen werden alle Arten von »gutem Stein- und Kernobst und allerlei wilde Bäume« herangezogen. Die jungen Obstbäume sollen auf freie Plätze und die wilden Stämme in die Wälder gepflanzt werden. Der Grebe hat auf eine sorgfältige Pflege aller Bäume zu achten.

  • 13. Die »Garten-Ordnung« sieht harte Strafen für Beschädigungen und Diebstähle in Garten und Feld vor.

a) Wer nachts bei einer Straftat »arrestiert« wird, muß mit halb- oder ganzjähriger Zuchthausstrafe rechnen.

b) Wer »Planken oder Zaunstecken stiehlt, wie auch Hecken verwüstet, verbrennt oder aufreißet, wird mit schwerer Thurnhaft (= Gefängnis) bestraft.«

c) Ziegen sollen »wegen des großen Nachteils, der den Hecken und jungem Aufwuchs durch sie geschieht, abgeschafft werden oder wenigstens nicht aus den Ställen gelassen werden.«

d) »Die Schäfer und Hirten müssen zwischen den Zäunen und Hecken solchergestalt hüten, daß deshalb kein Schaden geschieht.«

e) Die Kinder sind frühzeitig für die Gartenarbeit anzuhalten.

  • 14. Ströme und ihre Ufer sind besonders zu beobachten. Stellen, an denen Wasser einzubrechen droht, müssen von den Eigentümern ausgebessert, mit Weiden besteckt werden, um ein Einreißen zeitlich zu verhüten.
  • 15. Inseln, die sich in größeren Flüssen bilden, gehören dem Landesfürsten.
  • 16. Besondere Bestimmungen gelten nach den Münz-Edikten, den nicht geltenden Geldsorten.
  • 17. Bei Einquartierungen und Durchmärschen müssen die Soldaten die geltenden Ordnungen beachten. Der Quartiergeber sorgt für gutes Obdach, Lagerstatt, Stallung, Verpflegung und Futter.
  • 18. Fremde »Werber« sind in den Dörfern nicht zu dulden, sondern zur Anzeige zu bringen.

Landeskinder dürfen keine fremden Dienste annehmen. Beurlaubte »Soldaten« müssen dem Greben auf »Erfordern« ihre Pässe vorzeigen; dieser hat darüber zu wachen, dass die Urlauber sich »ruhig« betragen und wieder rechtzeitig zu ihrem Regiment zurückkehren.

  • 19. Der Grebe führt eine Liste über alle dienstfähigen Männer, die zum »Land-Ausschuß«

eingezogen werden können; dabei muß er »unparteiisch« vorgehen. Befreit vom Dienst sind nur herrschaftliche Diener, Spürer, Kesselmenger, Berg-, Hütten- und Hammerleute und herrschaftliche Köhler. Die militärische Ausstattung (Gewehre und Zubehör) wird in der Wohnung des Greben aufbewahrt. Zum Exerzieren und »sonstigen Kommandos« muß sich jeder Einberufene pünktlich einstellen bei Vermeidung von 13 Albus Strafgeld oder »Verbüßung einer Thurn-Strafe«.

  • 20. Aus der »Bau-Ordnung« geht hervor, dass der einstige Holzreichtum in unseren Wäldern

nicht mehr bestand.

a) Jeder »Bauende« erhält das unbedingt notwendige Bauholz angewiesen, er soll aber sparsam damit umgehen.

b) Die Grundschwellen der Neubauten müssen untermauert werden und mindestens 2-3 Schuh über die Erde gelegt sein.

c) »Soviel nur tunlich und zwar vornehmlich ist das unterste Stockwerk aus Steinen zu bauen.«

d) Die Gärten sind mit lebendigen Hecken einzuzäunen, um dadurch das »Planken-Holz« zu sparen.

e) Bei Neubauten sind Strohdächer verboten, und die Schornsteine müssen durch das Dach hindurch geführt werden.

  • 21. Salz, Kupfer, Messing und Eisen dürfen nicht ins Land eingeführt werden, um es zu verkaufen. Für das Salz aus Sooden-Allendorf gelten besondere Bestimmungen.
  • 22. Holz darf außer Landes nicht verkauft werden.
  • 23. Aus der »Forst-Ordnung« ist zu beachten:

a) Das Holzlesen ist nur mit Erlaubnis der Forstbediensteten an bestimmten Tagen gestattet. Axt und Barte dürfen nicht mitgeführt werden.

b) Brenn-, Bau- und Werkholz wird auf Anforderung nur auf »höheren Befehl« angewiesen.

c) Die an die Wälder angrenzenden Feldgüter müssen auf Anweisung der Forstbediensteten durch Gräben oder durch Steine von jenen unterschieden werden (siehe Freiheiter Trift!).

d) Wo Wildzäune vonnöten sind, muß die Gemeinde unter der Aufsicht des Greben die erforderlichen Dienste leisten.

e) Wilddiebe erwartet eine hohe Strafe.

f) Sofortige Meldung ist zu erstatten, »wo sich Wölfe angeben«.

  • 24. Die Mast-Ordnung regelt die Bucheckern- und Eichel-Mast im Walde. Die Mast-Schweine müssen vor und nach der Mast vom Greben gezählt werden. Die Mast-Hirten werden vereidigt und müssen sich bei den Schweinen im Walde aufhalten. Nur mit Erlaubnis dürfen sie Holz für die Mast-Hütten und zum Brennen schlagen. Der Grebe veranlasst, dass die festgesetzten Gebühren pünktlich gezahlt werden.
  • 25. Die »Jagd-Dienst-Ordnung« beauftragt den Dorfgreben, die jagddienstbaren Einwohner, die unentschuldigt bei den angesetzten Jagden fehlen, zur Anzeige zu bringen. Derselbe hat auch dafür zu sorgen, dass in seinem Dorf keine Hunde »prügel- los« herumlaufen und dass die Hirten und Metzger ihre Hunde im Felde »am Strick« führen.
  • 26. Nach der »Fisch-Ordnung« darf niemand ohne Genehmigung in den Flüssen, Bächen und Teichen fischen.

Es ist untersagt, in den Forellenbächen Flachs zu »rösten«, dafür sind »Flachsrösten« anzulegen. Den Müllern ist es verboten, in ihren Mühlgräben ohne Beisein eines beeidigten Fischereiaufsehers Fische zu fangen. Er darf auch ohne Erlaubnis keine Aalkörbe auslegen. Die Fischdiebe sind in Haft zu nehmen und werden wie Wilddiebe bestraft.

  • 27. Die Bestimmungen der »Zehnt- Ordnung« werden alljährlich vor dem Beginn der Ernte in der Gemeindeversammlung verlesen. - Der Zehnte war ja der wichtigste Teil der dem Landgrafen schuldigen Abgaben!

Der Grebe hat ein Verzeichnis angelegt über sämtliche, nach Klassen eingeteilten Äcker, das auch den Anschlag für die zu erwartenden Zehnten in Naturalien und in Geldwert enthält. Die Erntearbeiten und vor allem das Abfahren der Zehnten sowie auch die »Vermalterungen« werden streng überwacht. Der Ortsgrebe ist dafür verantwortlich, daß nicht die »geringsten Unterschleife und Mängel« vorkommen.

28. Bei Erlass von Forderungen und Schadenbesichtigungen seien es Schäden, die durch Brand, Hagel, Hochwasser, Mißwuchs oder Viehsterben entstanden sind, hat der Grebe sofort zu handeln, sachkundige Männer zu Rate ziehen und zu berichten.

  • 29. Auch die »Tauben-Ordnung« wird den Einwohnern - und zwar zweimal jährlich - in der Gemeindeversammlung bekannt gegeben.

Während der Sommer- und Winteraussaat müssen die Tauben jedes Mal 14 Tage lang »innen bleiben«. Das Dorfoberhaupt muß die jährliche Zählung der Tauben vornehmen und den Taubenzehnten berechnen. Er achtet auch darauf, dass 1 Hufenbesitzer nicht mehr als 12 Paar, der Eigentümer einer ¥4 Hufe nicht mehr als 5 Paar und der von V2 Hufe 6 Paar hält.

  • 30. Die »Vorwerks-Dienstordnung« enthält genaue Vorschriften über die Anforderungen, die an einen Dienstpflichtigen gestellt werden, z.B.:

a) Jeder Pflug muß täglich mindestens einen Acker pflügen.

b) Eine Egge egget 3 Acker an einem Tag.

c) Zu einem Düngewagen von 4 Pferden kommen 2 Personen nebst einem Auflader.

d) In der Ernte schneiden 4 Mäher einen Acker.

e) Die Frucht von 3 Äckern wird an einem Tag von 1 Binder und 2 Anlegern gebunden.

f) Bei der Heu- und Grummet-Ernte gehört 1 Mäher auf einen % Acker; auf 10 Mäher kommt ein Streuer.

g) Bei andauerndem Regenwetter muß auf Anforderung des Verwalters die ganze Gemeinde Mann für Mann zum Schneiden, Mähen, Binden, Trockenmachen und Einfahren erscheinen, h) Beim Holzfahren lädt 1 Wagen % Klafter Holz.

i) Ein Dienstwagen, der den Dienst versäumt, gibt 16 Albus Strafe. Kommt er zu spät, zahlt er für jede versäumte Stunde 2 Albus und muß den Dienst nachholen,

k) Ein Handdienst, der ausbleibt, gibt 5 Albus und für jede versäumte Stunde 1 Albus.

l) Wer 2-3 Dienste hintereinander verfehlt, wird dazu noch mit Gefängnis bestraft,

m) Jeder Dienstpflichtige soll sich ein Dienstbuch halten und die »getane Dienste« bescheinigen lassen.

n) Die Dienste, die der Grebe jeweils durch den Dorfknecht bestellen läßt, erfolgen der Reihe nach.

o) Am Michaelistag eines jeden Jahres erfolgt in Gegenwart des Landbereiters auf Grund der Eintragungen im Dienstbuch die Abrechnung. - Die Einwohner des Dorfes hatten ähnliche Dienste auf dem herrschaftlichen Sensenstein und die der Freiheit auf dem Stift zu leisten!

  • 31. Beim Dienstwesen überhaupt hat der Grebe vielerlei Bestimmungen zu beachten. Werden Dienste bestellt, läßt es der Grebe demjenigen, der an der Reihe ist, ansagen. Infrage kommen Jagddienste, Straßenbau und Spanndienste als Kontribution, nach der Hufenzahl oder nach dem Anspann.

Als Kontribution sind diejenigen Dienste zu verrichten, die das Militär- und Festungsbauwesen betreffen. Nach der Hufenzahl wird gedient bei Vorwerken, in herrschaftlichen Gärten und Wiesen, außerdem gehören hierzu Frucht-, Verpflegungs- und Holzfuhren für die fürstlichen Häuser, die Hofhaltung, Küchen-, Back- und Brauhäuser, Bendereien, Kellereien u.a. Nach dem Anspann werden Dienste zum Straßenbau, bei Jagden, für Kirchen und Schulen und andere Gemeinde-Angelegenheiten verrichtet.

  • 32. Bei Schäfereien und Hammelschnitt muß der Grebe im Frühjahr zugegen sein und darauf achten, daß nicht das beste Vieh vor der Zählung weggebracht und verkauft wird. Bei der Zählung soll auch der Gesundheitszustand der Schafe überprüft werden.
  • 33. Die Woll-Ordnung bestimmt, daß den Schafen Wolle nur gewaschen und getrocknet abgenommen werde.

Der Grebe führt eine Liste, in der verzeichnet wird, wieviel Wolle die einzelnen Schafhalter jährlich abgegeben haben. Handel mit Wolle bedarf der Genehmigung.

  • 34. Gemäß der »Verordnung wegen des Garnspinnens und Linnen-Tuchmachens« besichtigt der Dorfgrebe unter Zuziehung eines Leinewebers zweimal im Jahr in jedem Haus das gesponnene Garn, das vorher nicht verkauft werden darf.

Wegen unterlassener Besichtigung und wegen Herstellung »betrüglichen Tuches« werden die Schuldigen von dem Rügegericht zur Verantwortung gezogen.

  • 35. Durch die Zoll-Ordnung wird dem Greben aufgetragen, zu beobachten, daß alle, die um Lohn, oder ihres Handels wegen, fahren u. treiben, den in der Zoll-Rolle angegebenen Zoll entrichten.
  • 36. Auf Grund der »Tabaks-Lizenz-Ordnung« wird jeder der fremden »ungesiegelten Tabak« einführt, in eine empfindliche Buße genommen: % einer verhängten Geldstrafe erhält der Ankläger.
  • 37. Der Grebe überprüft nach den Bestimmungen der »Trank-Steuer-Ordnung« die Konzessionen für das Braugewerbe und meldet vorgekommene Unregelmäßigkeiten beim Bierbrauen, Branntweinbrennen und beim Wein-Einkellern dem Landbereiter, u. a. müssen die Braumeister vereidigt, die Bütten und Fässer »geeicht«, das gebraute Bier nach jedem Gebräu geschätzt und dem Bier die nötigen Mengen von Malz und Hopfen zugesetzt sein.
  • 38. Gemeinsam mit dem Akzis-Beamten kontrolliert der Grebe, ob die Müller die Vorschriften der »Mühlenordnung« befolgen.
  • 39. Auf Grund des »Hufen-Ediktes« wacht der Grebe darüber, daß geschlossene Hufengüter nicht durch Verschreibung, Kauf oder Tausch zerrissen werden.

Kontrakte und Verschreibungen können nur mit Wissen der Beamten erfolgen.

  • 40. Diese Abteilung enthält Bestimmungen für Vögte, Landbereiter und andere.
  • 41. Ein- und Abzug, Besthaupt, Lehen- und Forstgeld. Wer in ein Dorf einzieht, muß Einzugsgeld bezahlen.

Kein Eingesessener darf ohne Wissen der Behörde aus einem Dorf ausziehen. Wo die Herrschaft wegen der Sterbefälle dingt oder teidigt, müssen die gestorbenen Personen monatlich angezeigt werden.

  • 42. Die General-Instruktion des Jahres 1723 enthält Bestimmungen, wie bei der Berechnung und Erhebung der herrschaftlichen und Gemeindegelder zu verfahren ist.

Jeder muß bedacht, auf eine ehrliche Weise sein Brot zu erwerben, deshalb sollen sie sich zeitig ans Spinnen und Stricken gewöhnen. Er soll sein Land verbessern, rechtzeitig säen, herabgespülte Erde sammeln und wieder aufs Land bringen. Jeder soll sich befleißigen, ausreichendes und gutes Schaf und anderes Vieh zu halten.

  • 43. Gemäß der Bestimmungen über die »Erhebung von Geldern« stellt der Grebe mit dem Gelderheber ein Verzeichnis über alle ständigen und unständigen Steuern und Kontributionen und über die Abgaben der Einwohner auf. Er ist verantwortlich für die rechtzeitige Erhebung und Ablieferung.

Zweimal im Jahr - im Juni und Dezember - soll er mit Zuziehen des Landbereiters und eines Gerichtsschöffen eine Zählung von »Mannschaft, Gewerbe und Vieh« durchführen und die Richtigkeit der Steuersätze überprüfen. Mit der Erhebung der Naturalien (Schatzhafer, Gänse, Hühner, Eier) kann er den Dorfknecht oder die Koetner- Greben beauftragen.

  • 44. Bei Pfändungen und Exekutionen ist der Grebe verpflichtet, alle hilfliche Hand zu bieten.
  • 45. Nach der »Verordnung wegen des Hütens auch Hegung der Feldgüter« liegt dem Greben in Verbindung mit dem Feldhüter auch die Hegung der Feldmark und die Beaufsichtigung der Hirten ob.

Die Hutezeiten und die Grenzen der Hüten müssen genauestens beachtet werden. Die Brache soll man nicht »über die Gebühr aussömmern«, sonst wird sie der Schafhute zu lange entzogen. Der Feldhüter, der noch eine besondere Dienstanweisung bekommt, muß vor Übernahme seines Amtes vereidigt werden.

  • 46. Die »Verordnung über die den Dorfschaften zugehörigen Gemeinde-Güter und Gefälle« fordert von dem Greben eine Aufstellung über alle Gemeindegüter, über Gerechtigkeiten (Nutzungsrechte) und alle Zinsgefälle und Hinterlegung einer Abschrift beim Amt. Jede Änderung soll umgehend gemeldet werden.
  • 47. Zum Ende eines jeden Jahres wird durch den Greben und den Gelderheber nach einem vorgeschriebenen Formular die »Dorf-Rechnung« mit Einnahmen und Ausgaben und unter Beifügung aller notwendigen Belege festgestellt.

Im Januar soll die Dorfrechnung allen Einwohnern in einer Gemeindeversammlung vorgelesen und besprochen werden. Wenn sie dann die »Gemeinde-Obrigkeit« für richtig befunden hat, wird sie dem Amt zur »Abhörung und Unterschrift« vorgelegt.

  • 48. Nach der »Verordnung betr. der Greben-Gehalt und -Freiheiten« stehen dem Greben für seine Dienstleistungen folgende Vergütungen zu:

a) Befreiung von der Kontribution, »welche auf der Mannschaft stehet«.

b) Befreiung von »Hand- und gehenden Diensten«.

c) Befreiung vom Fahrdienst bis zu 4 Hufen seines Besitzes.

d) Mastfreiheit für ein Schwein in den Herrschaftlichen und in den Gemeinde-Wäldern. Bei den sonstigen Steuern und Diensten ist er abgäbe- und dienstpflichtig wie die anderen Einwohner.

e) 13 Albus für die »Wahrung der Tranksteuer« statt eines »Haustranks«.

f) 1 Klafter Holz aus den Herrschaftlichen und 1 Klafter aus den Gemeinde-Waldungen forstfrei.

g) 4 Albus für die halbjährlichen Zählungen (siehe oben),

h) 1 Albus für eine Vorladung zum Amt.

i) 7 Albus für die Teilnahme an einem Land-Rügegericht,

k) 4 Albus für die Durchführung der »Mißwachs-Schaden-Besichtigung«.

l) 3 Albus für »Ab- und Zuschreiben« zinsbarer Güter,

m) 4 Albus für jede in der Gemeinde vorfallende Verpachtung,

n) 2 Taler für die Aufstellung der jährlichen »Dorf-Rechnung«,

o) Freie Belieferung mit dem erforderlichen Papier und den Schreibmaterialien.

Schließlich wird verfügt, dass diese Grebenordnung sowie alle amtlichen Bestimmungen allen Einwohnern bekannt gegeben und in »eines jeden Greben Haus niedergelegt werden«, so dass sie jederzeit eingesehen werden können. »... Wornach sich demnach in allem zu achten und dieser Unserer gnädigsten Willensmeinung also nachzukommen ist.«

Greben, Feuerherren, Geld- Erheber, Feldhüter, Nachtwächter und Hirten legen bei Annahme ihres Amtes einen Eid ab.

Urkundlich Unsers beigedruckten Königlich- und Fürstlichen Secret- Insiegels. Gegeben in Unserer Residenz- und Hauptstadt Stockholm. 26. Okt./6. Nov. Friedrich L. S. gez. v. Adelebsen.« 5)

Siehe auch

Ortsrecht · Verwaltung · Administration

Ansichten
Persönliche Werkzeuge