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Graben

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Ein Wassergraben ist ein Kanal, ein künstlich angelegtes oder ausgebautes, zumeist geringfügig fließendes Gewässer.

Wassergräben dienen der Wasserversorgung, oder Be- oder Entwässerung (Drainage) als Melioration des Bodens. Allgemeine Bezeichnungen sind in diesem Zusammenhang Fluter und Vorfluter. Ebenso diente ein Wassergraben – als Stillgewässer-Bestandteil von Befestigungsanlagen – als künstliches Hindernis zur Verteidigung, beispielsweise bei Burgen (Burggraben), Stadtmauern (Stadtgraben) und Festungen (Festungsgraben).

Inhaltsverzeichnis

Kirchvers

Lapps

im 17. Jahrhundert „Groawe“

Haus: Burggarten 1, alte Nr. 4

Deutung: „Lapps“: Nachname Lapp, „Groawe“: Örtlichkeit Graben

Herkunft: Johann Zimmermann, genannt „Graben Hanchen“ (mundartlich „Groawe Hannche“), war der erste bekannte Besitzer des Hofes. Er starb vor dem Beginn der Kirchenbücher (1641). Sein Schwiegersohn Emmerich Steinmüller (+ 1651), der vermutlich aus Bieber oder Fellingshausen stammte, übernahm den Hof mit seiner Ehefrau Kunigunda, genannt „Graben Küngundt“. Nächster Besitzer war dessen Sohn Peter (1646-1722), verheiratet mit Anna Elisabetha geb. Pitz aus Krumbach. Peters ledige Schwester Catharina wurde laut Kirchenbuch als „das alte lahme Graben Catgen“ bezeichnet. Peters Sohn war Johann Jost Steinmüller (1679-1743), der Margaretha geb. Simon aus „Hobgans“ heiratete und den elterlichen Besitz erbte. Sein Sohn Hans Caspar (1717-1797) war mit Anna Christina geb. Schmidt aus der Hardtmühle verheiratet. Er erbte später die Mühle von seinem ledigen Schwager.

Den heutigen „Lapps“ Hof vermachte er seinem Schwiegersohn Johann Peter Waldschmidt (1751-1819) aus Frankenbach. Dessen älteste Tochter Anna Catharina heiratete Johann Georg Hahn im Nachbarhof (Nicht mehr vorhandenes Haus|Hof an der Ecke Pfarrstraße/Burggarten). Sie erbte nach dem Tod ihres Vaters den Hof. Dadurch waren also „Lapps“ und der Nachbarhof im Besitz einer Familie. Dies blieb bis zum Jahr 1860 so, als die ledige Anna Margaretha Simon (1811-1873) aus „Gehannete“ den heutigen „Lapps“ Hof kaufte. Sie nahm ihre Nichte Elisabeth Wagner (1833-1905) mit deren Mann Johann Lapp (1835-1902) zu sich. Lapp stammte aus Lohra. Seitdem trägt der Hof den heutigen Dorfnamen. Johann Georg Lapp (1861-1952), der Sohn der vorgenannten Eheleute, übernahm mit seiner Frau Anna Katharina geb. Wagner aus „Liwwis“ das Anwesen und gab es später an seinen Sohn Johann Lapp (1887-1970) weiter. Dieser war mit Margarethe geb. Boßhammer aus Stedebach verheiratet und von 1919-1946 Kirchverser Bürgermeister. Keiner seiner drei Söhne blieb in Kirchvers. Den Besitz erbte der Sohn Friedrich, der in Wolfshausen wohnhaft war. 47)

Groawedäiresch

Haus: Burggarten 4, alte Nr. 10

Deutung: Örtlichkeit Graben und Vorname Dietrich

Herkunft: Im Kirchenbuch wird Dietrich Schneider (1645-1718) mit dem Beinamen „Graben-Dietrich“ genannt, was mundartlich „Groawe-Däirer“ hieß. Sein Vater war Jost Schneider, genannt „Graben-Jost“ (1607-1673). Der Beiname „Graben“ oder „Groawe“ taucht schon im 16. Jahrhundert in Kirchvers auf, so daß nicht mehr nachvollziehbar ist, warum die betreffenden Familien diesen Namen trugen. Eventuell wohnten sie in der Nähe eines Grabens (siehe auch „Lapps“).

Dietrich Schneider hatte mit seiner Ehefrau Elisabetha geb. Schlag, die 1684 mit der ersten Tochter im Kindbett starb, keine Nachkommen. Ein Dokument im Pfarrarchiv aus dem Jahr 1706 sagt dazu folgendes aus: „Nach deme der hierinn benandte Dietrich Schneider ein Wittwer undt ohne Kinder, alß hat er, weiln er alt undt bawfällig, Johannes Wagner, Johann Wagners Sohn allhier, bey sich in Haus und Hoff genommen und ihm das seinige uff gewisse condition übergeben“. Dieser Johannes Wagner (1671-1739), Sohn des Hofmanns Johann Wagner im „Adelshof“ (Grabenhof), und dessen Ehefrau Anna Catharina geb. Schmidt aus „Schmiejes“ haben also Dietrich Schneiders Hof von ihm vermacht bekommen. Sie gaben ihn anschließend an ihren Sohn Hans Reinhard Wagner (1704-1776) weiter. Danach übernahm Hans Reinhards Schwiegersohn Johann Matthäus Schmidt (1746-1829) aus Weipoltshausen den Hof. Dessen Enkel Johann Adam Schmidt II. (1813-1883) heiratete Anna Elisabeth geb. Schreiner aus Rodenhausen und war von 1852-1864 Bürgermeister.

Über deren Sohn Johann Adam Schmidt III. gelangte das Anwesen in den Besitz von Johann Jost Abel (1860-1931) aus Weipoltshausen, der Anna Elisabeth (1862-1933), die Tochter des letztgenannten Schmidt heiratete. Diese gaben den Besitz an ihren Sohn Jost Abel (1900-1979) und dessen Ehefrau Katharina geb. Waldschmidt (1900-1977) aus Krumbach weiter. Sie waren die Eltern von Herbert Abel, dem heutigen Besitzer. 47)

Grabenhof

oder auch „Grebenhof

Dieser Adelshof stand hinter „Schmidts“ im Bereich der heutigen „Schmidtswiese“. Er hatte eine geräumige Zufahrt, die zwischen „Schmidts“ und „Kätte“ durchführte und von der auch „Bachcaspersch“ in ihren Hof (damals noch mit Scheune und Stallungen) fahren konnten. Am Ende der Fahrt befand sich die Viehtränke.

Die erste namentliche Nennung des Hofgutes findet sich in einem Lehensrevers vom 4. Mai 1352, in dem Emer(i)ch von Verse, einer der letzten dieses adligen Geschlechts, bestätigt, daß er vier Mark aus seinem „Grabin Hofe zu Verse“ von Bischof Ludwig von Münster und dem Landgrafen Henrich von Hessen „Halb zu Burglehin un(d) Halb zu Man lehin“ empfangen habe. Ein Burglehen war ein Lehen (eine Art Leihgabe) zur Belohnung einer Person, die sich durch Bewachung einer Burg und deren Einkünfte Verdienste erworben hatte. Als Mannlehen wurde ein Lehen bezeichnet, welches ausschließlich im Mannesstamm vererbt werden sollte. An diesem Lehensrevers hängt noch das Siegel mit dem Wappen derer von Vers, den drei Ringen, die auch im heutigen Ortswappen Kirchvers vorkommen.

In weiteren solcher Lehensreverse tritt nun die Familie Riedesel auf diesem Hof auf. Es werden folgende Lehensmänner genannt:

1405: Craft Riedesel, Gelbrachts (Gilberts) hinterlassener Sohn

1418: Eghard Rietesil, „Lantfoid“ (Landvogt) des Landgrafen Ludwig von Hessen, ein Bruder des Craft Riedesel

1446: Philipp Rietesel, Crafts hinterlassener Sohn mit seinem Bruder Gilbrecht

1458, 1471 und 1489: dieselben

1501: Philipp Rietesell, Crafts hinterlassener Sohn mit seinen Söhnen Cun(o) und Gilbrecht

1512: Cun(o) und Gilbrecht Rietesel, Söhne des Philipp

In diesen acht Dokumenten wird der „Grabenhof“ zusammen mit einem Burgsitz in Königsberg verlehnt, wo die Familie vermutlich wohnhaft war.

Für die Zeit zwischen 1512 und 1641 sind im Staatsarchiv Marburg keine weiteren Lehensreverse erhalten, jedoch geben andere Quellen weitere Auskünfte.

1572: (Salbuch des Amtes Marburg): „2 fl. (= Gulden) 2 alb.(us) Crafft Riedtesels erbenn vom graben guth, gibtt Johann Reinhardt Riedtesell zu Kirchversa, g(e)felt zu Bartholomey“ (sogenannte „Bartholomäi-Zins“, war am Bartholomäustag im August abzuliefern).

1592: (Salbuch des Gerichts Lohra): „ U(nser) g(nädiger) f(ürst) unndt Her hat zue Kirchversa ein Hoff, so Hanns Reinhardt Riedteßel vonn U(nserem) g(nädigen) f(ürsten) unndt Hernn Zue Lehn In hatt unndt gehorenn In Dießem Hoff nachvolgente stück

Erstlich Ein Hauß Hoff sampt Scheuer unndt stallungen.

An garttenn ist ferner nichts dan (als) was umb die Hoiffraidt herumb ligt (etc.)“.

Anschließend erfolgt eine Auflistung sämtlicher zum Gut gehöriger Ländereien, als 10 Wiesen und 30 Äcker, sowie die Nennung der oben schon erwähnten Bartholomäuszinsen.

Im Jahr 1641, nachdem mit Georg Eberhard Riedesel die Familie, die sich nach ihrem Herkunftsort bei Hungen auch Riedesel zu Bellersheim nannte, in Kirchvers ausgestorben war, wurde das Lehen von Landgraf Georg auf den Haupt- und Amtmann Ulrich Eberhardt von Buseck in Gießen übertragen. Dieser bat jedoch 1653 den Landgrafen, seinen Schwiegersohn Rittmeister Caspar Friedrich von Dernbach mit dem Hof zu belehnen, was dann auch geschah. Von dieser Zeit an liegen wieder fast lückenlos bis zum Abbruch des Hofes Lehensreverse vor, aus denen nachfolgende Belehnte hervorgehen:

1653 und 1664: Caspar Friedrich von Dernbach, Rittmeister, Schwiegersohn des Ulrich Eberhard von Buseck

1700: Ludwig Conrad und Augustus von Dernbach, Söhne des Caspar Friedrich, mit weiteren verwandten Mitbelehnten, sie haben den Hof seit 1695

1728 und 1731: Augustus von Dernbach und Mitbelehnte

1735: Friedrich Wilhelm von Dernbach, Obrist, und Mitbelehnte

1740: Friedrich Ludwig Christian von Dernbach, Hauptmann, Augusts hinterlassener Sohn, und andere Verwandte

1748, 1752, 1761 und 1788: Anna Sophia Maria Charlotta von Buseck geborene von Dernbach, Schwester des verstorbenen Friedrich Ludwig Christian von Dernbach, sowie weitere Verwandte von Nordeck zur Rabenau, von Kützel, von Schwalbach und von Berlepsch.

1793: Friedrich (Alexander) von Buseck und seine Geschwister Wilhelmine von Denzell, Caroline von Rottenhof und George von Buseck, alle Kinder der oben erwähnten Frau von Buseck, sowie weitere Verwandte

Dieser Friedrich von Buseck scheint gleichzeitig der letzte Lehensmann gewesen zu sein.

Die genannten adligen Familien von Buseck und von Dernbach wohnten aufgrund ihrer weit verstreuten Besitztümer gar nicht oder nur vorübergehend auf diesem Hof und konnten sich somit auch nicht selbst um die große Landwirtschaft kümmern. Daher bestellten sie sogenannte Hofmänner, die zumeist mit Familie und Gesinde den Hof bewohnten und verwalteten. Ab dem Beginn der Kirchenbücher sind auch diese nahezu vollständig überliefert:

1. Jacob Wagner (1600-1673), gebürtig aus Seelbach

2. Johann Wagner (1645-1715), Jacobs Sohn, verheiratet mit Catharina geb. Schmidt aus Fronhausen

3. Hans Jacob Wagner (1677-1743), Johanns Sohn, verheiratet mit Susanna geb. Willershausen aus Fronhausen

4. Hans Dietrich Rontzemer (1708-1743), Schwiegersohn des Vorgängers (siehe auch Litze)

5. Hans Jacob Simon (1703-1764), wohnte in seinem Elternhaus „Gehannete

6. Johann Simon Kraft (1731-1774) aus Seelbach

7. Conrad Daniel, Herkunft unbekannt, heiratete die Witwe Krafts und besaß auch zeitweise „Schumestersch I“-Hof am Heiligen Garten 3

8. Johannes Becker (1759-1817) aus „Hanse“, bewohnte diesen Hof vermutlich bis zum Abbruch und baute anschließend „Hohmanns“ Haus

Über das Verschwinden des „Grabenhofes“ gibt das „Lager-, Stück- und Steuerbuch der Dorfschaft Kirchvers“, das 1745 begonnen wurde und somit das älteste Kataster ist, Aufschluß. Dort ist verzeichnet, daß 1816 Johannes Gerhardt („Schmidts“) im Tausch mit dem „Obrist Leutenant Friedrich Alexander von Buseck zu Grosenbuseck“ den Hof erworben hat und daß sämtliche Gebäude abgebrochen wurden. Wahrscheinlich sind sie im Laufe der Zeit zusammengefallen, denn schon aus einem Schreiben der oben erwähnten Frau von Buseck von 1777 geht hervor, daß den Gebäuden täglich der Einsturz drohte. Das Lehensverhältnis war inzwischen aufgelöst worden. Der ganze Platz wurde später von Gerhardt zu Wiese und Garten umfunktioniert. Zudem rückte er zwei seiner Stallungen etwas in Richtung des ehemaligen Hofstandortes, um seinen Hofraum zu vergrößern.

Somit verlor Kirchvers den wohl bedeutendsten Hof der Ortsgeschichte. In der Schulchronik heißt es, dass der Garten, wo er früher gestanden hatte, noch 1905 „Edelhof“ genannt wurde. Heute ist den älteren Einwohnern nur noch die Einfahrt in Erinnerung geblieben. 47)

Siehe auch

Kirchvers · Straßen · Geographie · Wüstungen · Link-Service · Literatur · Recherche · Hausnamen · Flurnamen

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