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Geschichte von Kirchvers

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Die Geschichte des Dorfes Kirchvers bis zum Ende des I. Weltkrieges


Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Namen

Zu den ältesten Siedlungen gehören die Orte in den Haupttälern. Das im Oberlauf breite Verstal, das allzu große Überschwemmungen wohl nicht aufzuweisen hatte, bot schon früh die Möglichkeit zur Ansiedlung. Nach Diefenbach S. 23 sind die beiden Verse (Kirchvers und Altenvers) ebenso wie Lohra sicher alt, während die Orte mit “Hausen“ auf eine spätere Siedlungsperiode hinweisen, wo man von den Flusstälern und breiten Auen in die Nebentäler ging. Kirchvers könnte schon vor 800 entstanden sein. Es ist entstanden als Folge adligen Besitzes. Diefenbach schreibt darüber Seite 207: „Es fehlt der Kern einer bäuerlichen Siedlung, da sämtliche Höfe rings um die Kirche noch heute durch Benennung und mündliche Überlieferung Beziehungen zu den Ortsadligen zeigen, aus deren Hof sich infolgedessen das Dorf entwickelt zu haben scheint.“

Kirchvers wird 1196 im Urkundenbuch Kappel “Verse“ genannt. Im Volksmund heißt es heute noch Vers. 1359 wird wird es in den Marburger Rechnungen “Kirchferse“ genannt, 1502 im Verzeichnis der Hausgesesse im Oberfürstentum “Kirchfersse“. Der Ortsadel ist nachzuweisen schon 1271-1272. Der Adel hatte in Kirchvers eine Turmburg und einen Hof, dazu Rechte und Waldbesitz.

Die Besitzrechte in Kirchvers

In Kirchvers war alter Besitz mainzischer Herkunft vorhanden. Dieser Besitz des Stiftes St. Stephan geht aber immer mehr an den niederen Adel und später an die Landgrafen, die in ihrer Territorialpolitik ihre Hoheit erweiterten. 1271 belehnte St. Stephan die von Rodenhausen und von Vers in Kirchvers mit einem Hof. Aber 1356 und 1370 wurde das Gut mit dem übrigen Vogteibesitz des Stiftes an die Landgrafen zu Lehen gegeben. Der letzte adlige Besitz wurde von den Grafen zu Leiningen-Westerburg an die Bauern in Kirchvers verkauft. Es handelte sich besonders um Wald und um Zehntrechte (vergl. die Akten bei dem Bauern Johannes Wagner in Kirchvers).

Die Grundherrschaft des niederen Adels umfasste Besitz an Höfen, Ländereien, Wäldern; nicht selten verfügten sie über die Kirche, über den Zehnten, über die Hege, Mühlen und Fischereigerechtsame. Ihre Höfe sind gegenüber den bäuerlichen bevorzugt als Fron- und Freihöfe errichtet, denen Dienste zu leisten waren. Sie unterscheiden sich von den Bauernhöfen grundsätzlich durch die Befestigung, die meist an benachbarten Stellen angelegt ist (Beispiele befestigter Höfe: Fleckenbühl, Fronhausen, Turmburgen in Rodenhausen auf dem Dünkelsloh, Seelbach, Rollshausen und Kirchvers). Oft waren auch Wasserburgen dabei wie die im Gericht Lohra, die 1434 erwähnte mainzische Wasserburg Offenhausen später Wüstung). Nur wenigen des niederen Adels ist es gelungen, Teile ihres Besitzes, ihrer Gerichts- oder Hoheitsrechte gegen die Landgrafen von Hessen zu behaupten. Der Umfang ihres Grundbesitzes und ihrer Rechte stellte sich dem Ausbau der Landeshoheit hemmend entgegen. Aber die Landgrafen dehnen ihren Herrschaftsbereich stetig und langsam aus, wie auch in Kirchvers zu erkennen ist. Seit 1237 scheinbar stehen die Gerichtsrechte in Kirchvers, das zum Gericht Lohra gehörte, dem Landgrafen zu. „Das den Erben der Herren von Merenberg im späten Mittelalter zustehende Viertel am Gericht, Hoheitsrechte der Grafen zu Solms und der Dynasten von Westerburg dürften andeuten, daß den Landgrafen die Erwerbung wohl auf dem Wege stückweiser Entfremdung und allmählicher Durchsetzung gelungen war.“ 1249 langsames Vordringen der Landgrafen in der südlichen Grafschaft. 1261 Besitz in Kirchvers und Reimershausen erworben. 1271 Landgräfin Sophie besiegelt eine Urkunde über Güter in Kirchvers.

Der Besitz der Herren von Vers

1271 in Kirchvers Einkünfte aus dem Lehen St. Stephan, ebenso in Damm. 1313 in Oberweimar Einkünfte, 1320 in Cyriaxweimar Einkünfte, 1333 in Amöneburg Burglehen, 1333 in Eiloh Einkünfte (Wüstung), 1335 in Hachborn Einkünfte, 1335 in Ilschhausen Einkünfte, 1353 in Falkenstein Lehen, 1358 Lehen von Hessen, 1365 Gerichtsrechte vom Lehen Westerburg, 1365 Patronat vom Lehen Westerburg, 1372 Hörige vom Lehen Nassau-S, 1375 Waldrechte vom Lehen Westerburg, 1365 Zoll vom Lehen Westerburg, 1383 in Michelbach Hörige, ebenso in Elnhausen und Niederhof. Auch in Weimar werden 1383 Hörige der Herren von Vers genannt. Der Grundbesitz muß also bedeutend gewesen sein. Daß auch die Herren von Vers langsam Lehnsleute der Landgrafen werden, zeigt die Veränderung ihres Wappens. 1352 zeigt ihr Wappen 3 Ringe allein, 1363 zeigt sich die Beziehung zu Hessen darin, daß das Wappen geteilt ist: oben laufender Löwe, unten 3 Ringe.

Geistlicher und weltlicher Besitz in Kirchvers

1271 hatte das Stift St. Stephan Einkünfte in Kirchvers, 1460 hatte das Prämonstratenserstift in Hachborn Einkünfte in Kirchvers, die wohl von den Herren zu Merenberg herrühren dürften.

1358 wird das Lehen von St. Stephan an die Landgrafen gegeben.

1333 Besitz der von Falkenstein in Kirchvers, 1261 haben die Landgrafen Einküfte in Kirchvers, 1347 die von Solms, 1372 haben die Grafen von Nassau-Saarbrücken Hörige in Kirchvers, 1461 die von Rodheim Einkünfte, 1465 die von Dersch, 1472 haben die Landgrafen Hörige, 1572 haben sie Zehnten und Zoll, 1690 haben die Herren von Dernbach Einkünfte in Kirchvers, 1457 die adlige Familie Zöllner. 1365 hatten die von Westerburg (Dynasten) in Kirchvers Gerichtsrechte, Hörige, Patronat und Zehnten. 1372 wird ein Hofmann der von Vers erwähnt.

Gemarkungsgrenzen in Kirchvers

1374 nennt das Marburger Salbuch als Dörfer des Gerichtes Lohra unter anderen auch Kirchvers, Rodenhausen und Weipoltshausen. 1572 gibt das Verzeichnis der Hausgesesse im Oberfürstentum in Kirchvers 16 Häuser an, 1570 wird in den Hessischen Beweisartikeln über die Grenze des Gerichts Lohra zum Gleiberger Wald die Verser Mark erwähnt, das Walddgebiet des heutigen Buchenbühl, das nun endgültig von Hessen gefordert wird. Die Dörfer Kirchvers, Altenvers, Reimershausen und Weipoltshausen hatten darin Nutzungsgerechtsame.

Nach dieser Grenzfestsetzung bildete das Kirchspiel Kirchvers den südlichen Teil der Landgrafschaft. Die Grenze verlief zwischen Treisberg und Hemmerich nach der Straße Gießen-Biedenkopf, dort entlang (die Winkelbach wurde aber 1650 durch Hessen-Cassel an Hessen-Darmstadt abgetreten) in südöstlicher Richtung über den Wilsberg zum Gleiberger Wald, wo heute beim Waldhaus noch die „drei Herren Steine“ stehen, zum Reimershäuser Kopf (1710 beanspruchten bei Grenzverhandlungen Hessen Lichtenberg und Rodenhäuser Holz und Nassau den Reimerhäuser Kopf).

Bild:3 Herrensteine.jpg

Die „drei Herren Steine“, von denen einer die Zahl 1735 trägt, waren also der Grenzpunkt zwischen Hessen-Cassel, Hessen-Darmstadt und Hessen-Weilburg.

1577 nennt das Dorfbuch des Oberfürstentums in Kirchvers 43 Häuser. 1590 wird im Kirchverser Salbuch die Gemarkungsbezeichnung „Möllnhausen“ gebraucht. Möllnhausen ist nach Diefenbach eine Wüstung.

Kirchvers im Dreißigjährigen Krieg

Über die Reformationszeit sind bisher kaum Quellen aufgefunden worden. Als die Reformation 1527 im Marburger Land eingeführt wurde, was ein gewisser Vollpart Fischer Pfarrer in Kirchvers. Die meisten örtlichen Quellen wurden durch den 30jährigen Krieg vernichtet. 1640 sind die Kirchenbücher verbrannt; die neuen Kirchenbücher beginnen mit dem Jahre 1641. Der 30jährige Krieg hinterließ erhebliche Spuren, die auch heute noch zu erkennen sind. Das Dorf Reimershausen, das früher ein großes Dorf gewesen sein muß, ging mindestens zur Hälfte unter. Der Dorfbrunnen liegt heute außerhalb des Dorfes. Zwei andere Dörfer, Milbertshausen und Gilbertshausen, nach der „Eisernen Hand“ gegen Wilsbach gelegen, sind gänzlich verschwunden. Sie wurden durch Seuchen, Hunger und Brand vernichtet. Die Sage berichtet, daß die einzigen Überlebenden, drei Schwestern, nach Frankenbach, Erda und Wilsbach geheiratet hätten, wodurch das Land dieser Dörfer an diese Gemeinden fiel, wie es heute noch ist. Gilbertshausen war ein uraltes Dorf (890 genannt Giselbrechtshusen, 1344 Gylebrachtshusen, 1402 Gebrechtshusen, 1414 Gilbrachtshusen, 1588 im Königsberger Salbuch Gilbertshausen).

Da Kirchvers Grenzgebiet war zwischen Hessen-Cassel und Hessen-Darmstadt, kam es auch in den sogenannten Hessischen Erbfolgekrieg zwischen Hessen-Cassel und Hessen-Darmstadt hinein. Hessen-Cassel stand auf der Seite der Schweden, Darmstadt auf der Seite des Kaisers. So sind die starken Zerstörungen in Kirchvers und Rodenhausen zu erklären. Die beiden Kriegsjahre 1634 und 1640 haben dem Dorfe schweren Schaden zugefügt. Viele Gehöfte sind in Schutt und Asche gelegt worden. Die Pfarrscheune z. B., von Soldaten des Feldmarschalls Bernharrd zu Weimar als Winterquartier benutzt, wurde bei deren Wegzug 1640 angezündet, desgleichen das Pfarrhaus. Die meisten Akten und Kirchenbücher sind damals verbrant. In dem Schriftstück „Gebrechen der Gotteskasten zu Rodenhausen, Kirchvers und Weipoltshausen“ stehen die Sätze: „...geben jährlichen (Zins zu ergänzen) beide Johann Schmitts und Jost Friedrichs von ihren Hofraithen ... weil aber die Bäue die schwedischen Völker abgebrochen und verbrannt worden, als bitten sie um einen Nachlaß.“ „Ist der Heubau bei der Pfarre allhier, als notwendig wiederumb gebaut werden muß, durch die schwedischen Völker oben über einen Haufen geworfen worden. Weil aber der Vorderbau noch steht, auch das meiste Holz noch da ist und itzo mit geringen Kosten wiederumb repariert werden könnte ... , daß ihm beizeiten geholfen würde ... (1640). Dieser Bau ist später scheinbar angezündet worden mit dem Pfarrhaus. Das Jahr 1641 muß aber wieder ein schweres Jahr gewesen sein, denn der Pfarrer Johann Philipp Dippel, Schwager des Superintendenten Hortenius, stirbt am 29.04.1641 auf der Flucht zu Gießen. Mit dem Pfarrer sind wohl auch viele umgekommen. Die Kastenrechnungen dieser Kriegszeit weisen viele vertriebene Pfarrer und Lehrer auf, die vom Kirchenkasten unterstützt werden. Im Jahre 1682 wird eine neue Schlaguhr in der Kirche eingebaut, da die vorige durch die Franzosen gestohlen worden war (Kirchverser Salbuch). Also hat Kirchvers auch französische Besatzung gehabt.

Kirchvers im Siebenjährigen Krieg

Auch der Siebenjährige Krieg hat auf Kirchvers eingewirkt. Obwohl in unmittelbarer Gegend keine Kämpfe stattfanden, fügten doch die durchziehenden Truppen den Bauern großen Schaden zu. Im Winter 1757-1758 war Kirchvers besetzt. Alle Leute haben Fuhren und Lebensmittel liefern müssen. Der Pfarrer ungefähr vierzigmal. Wenig später lagen die Soldaten des französischen Marschalls Soubise bei Sichertshausen, wohin die Kirchverser für Artilleriepferde haben Heu liefern müssen. Am schlimmsten aber ging es im Jahre 1759 zu. Zwei große Heerflügel der Franzosen zogen vom Rhein in die Kasseler Gegend, wobei der eine die Straße Gießen-Marburg-Kassel wählte. Fuhrdienste und Lebensmittelbelieferungen (Fourage) haben damals die Kirchverser sehr gedrückt. Das Pfarrhaus, Johannes Svhmidt, Johann Konrad Gibb und Johann Steinmüller mußten jeder ein Pferd stellen, für die damalige Zeit ein Vermögen. Die anderen, die sich weigerten, mußten flüchten und sich samt ihrem Vieh in den Wäldern verstecken. Deshalb wurden von den Truppen alle Vorräte requiriert, Geld abgefordert und mit Brandschatzung gedroht. Nur die Franzosenniederlage bei Minden bewahrte Kirchvers vor der furchtbaren Brandfackel.

Die spätere Zeit

Auch in der Zeit 1806 bis 1815 hatte Kirchvers schwer zu leiden unter den hin- und herziehenden Truppen ... Aus jenen Tagen sind die Kosacken besonders in der Erinnerung des Dorfes lebendig geblieben, die von Frankreich zurückkamen und durch ihr zügelloses Leben mehr gefürchtet waren als die Franzosen.

Von den Aufregungen der Jahre 1848/49 scheint die Kirchverser Gegend kaum berührt worden zu sein ...

Größer schon, aber eher humoristischer als tragischer Art waren die Einwirkungen des Feldzuges 1866. Viele Verstalbewohner flüchteten mit ihrem beweglichen Gut in den Kreis Biedenkopf, der damals noch darmstädtisch war. Andere versteckten sich in den Wäldern aus Furcht vor den Preußen. Man glaubte, daß sie die Burschen und Männer mitnehmen würden.

Die nachfolgende Zeit mit ihrer industriellen Entwicklung bringt auch für Kirchvers neue Arbeitsmöglichkeiten. Die Hüttenwerke im Salzbödetal, die Eisenwerke im Raume Lollar und Wetzlar und die Zigarrenindustrie in der Umgebung geben neue Verdienstmöglichkeiten. Natürlich blieben die Wege sehr beschwerlich, besonders im Winter. Anfangs laufen viele zu Fuß nach Lollar. Später kommen die Fahrräder auf. Das Zeitalter des Motorrades und der Omnibusse war nocgh nicht da. Aber der neue Stand der Arbeiter entsteht in Kirchvers verhältnismäßig spät, erst nach 1870. Anders läuft die Entwicklung in den Nachbarkreisen Gießen, Wetzlar und Biedenkopf. In Kirchvers hängt das zusammen mit der soziologischen Struktur des Dorfes, das immer ein Bauerndorf gewesen ist. Der Besitz wurde nach altem Erbrecht nicht geteilt, sondern ging auf einen Erben über. Darüber blieben die Bauernhöfe bis heute erhalten. Das nur langsame Anwachsen des Dorfes war bestimmt durch das Zweikindersystem bei den Bauern, das ganz eindeutig von 1900 an zu beobachten ist. Das Dorf hat bis heute immer wieder unter großer Trockenheit und kalter Nordluft im Winter zu leiden. Die Ursache ist das Roden des Waldes unter dem langen Loh im Jahre 1721, der bis dahin nach Norden zu schützend sich vor das Verstal legte. Auch waren die Schieferhänge am Gruhluck nach Weipoltshausen zu nicht so sehr der Austrocknung ausgesetzt wie heute. Aber die Rodung war durch das Anwachsen des Dorfes notwendig geworden. Auch war schon 1701 für den Bau des neuen Turmes auf der Kirche ein Teil des Kirchenwaldes geschlagen worden.

Der Krieg 1870/71 geht an dem Dorf spurlos vorüber. 4 - 5 Kirchverser, die an dem Feldzug gegen Frankreich teilnahmen, kehrten wohlbehalten wieder zurück. Gewaltig eingegriffen in das Leben des Dorfes hat der 1. Weltkrieg (1914-1918). Ein ausführlicher Stimmungsbericht steht in der alten Chronik geschrieben, der sich auf die ersten Tage des Krieges beschränkt, aber leider nichts Weiteres bringt. An ihm ist bemerkenswert die ruhige, ernste und gefaßte Haltung des Bauerndorfes, die eher einer Niedergeschlagenheit als einem Enthusiasmus glich. Doch haben sich auch Freiwillige, besonders in Weipoltshausen gemeldet. Der Abschiedsschmerz in den ersten Augusttagen mitten in der Kornernte war bei den Müttern und jungen Frauen sehr groß, die ja auch nachher die große Last der Wirtschaft allein zu tragen hatten. Der 2. August 1914 war ein Sonntag. In den Gottesdiensten in Kirchvers und Rodenhausen predigte Pfr. Trusheim über das Wort 1. Petrus 5,6-7. Nach den Gottesdiensten fand eine Verabschiedung der von der Mobilmachungsorder betroffenen Krieger unter Führung der Kriegervereinsvorstände statt. Am 4. August, einem Dienstag, und am 5. August, einem Mittwoch, fanden in Rodenhausen und Kirchvers besondere Abendmahlsfeiern statt für die hinausziehenden Soldaten und ihre Angehörigen.

Mancher Landwirt war auch durch die Ablieferung von Pferden schwer betroffen. Aber all’ die Opfer, die verlangt wurden, wurden getragen mit dem Bewußtsein einer großen vaterländischen Sache. Das Nationalbewußtsein war erwacht. Charakteristisch die Worte eines Vaters, der seinen einzigen Sohn dahingehen sah: „Schwer, bitter schwer ist für mich diese Stunde, doch das Vaterland ruft. Das geht vor, dem heißt es jetzt Treue zu bewähren.“ Die gedienten Soldaten fanden sich sehr schnell hinein. ... schreibt an seine junge Frau: „Jetzt bin ich wieder ganz mit Leib und Seele Soldat, munter und fröhlich, wie einst, da ich aktiv diente.“ Nach den ersten großen Siegen hoffte jeder auf eine baldige Beendigung des Krieges. Überall vermutete man Spione in den ersten Tagen, und jeder fremde Radfahrer, jedes Auto, jeder Handwerksbursche wurde angehalten und untersucht. Auch Pfr. Trusheim wurde kurze Zeit bei einer Fahrt nach Gießen als Spion auf dem Abendstern verhaftet. Die ersten Gefangenen, vor allem französische Kolonialtruppen, wurden als Wundertiere bestaunt. Brachte schon die Militärzeit für die Dörfer die einzige Abwechslung und ein Herauskommen aus dem Altgewohnten, so war der Anfang des Krieges voller Sensationen. Doch der Fortgang des Krieges wurde bitter und schwer. Die ersten Todesnachrichten riefen Bestürzung und große Trauer hervor. Seit 1917 wurde auch die Lage für die Bauerndörfer sehr schwierig. Arbeitskräfte fehlten. Die Nahrungsmittel wurden knapp. Die Ablieferung drückte. Und dieser Zustand hielt auch nach dem Kriege noch an durch die lange Gefangenschaft. Es sind in Kirchvers gefallen oder vermißt: J. Dönges, J. A. Wagner, J. J. Gerlach, J. Gerlach, G. Gerlach, F. Haas, J. A. Weber, H. Weimer, K. Laucht, L. Wagner, Ph. Rühl, J. J. Schmidt, A. Weber, P. Rühl, J. J. Schlag, J. Abel, H. Schlag, H. Kraft (18 Gefallene). In Gefangenschaft waren 9 Mann aus der Gemeinde.

Bild:Denkmal WK I.jpg

Siehe auch

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