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Germanisch kaiserzeitlichen Siedlung bei Altenvers

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Germanisch kaiserzeitlichen Siedlung bei Altenvers

Die Reste der kaiserzeitlich germanische Siedlung , vermutlich aus der zweiten Hälfte des zweiten und dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus liegen auf Altenverser Gemarkung in Richtung Reimershausen. Die Siedlung liegt auf einem nach Norden hin leicht ansteigenden Hang. Wasserzuläufe zur Vers befinden sich in unmittelbarer Nähe der Siedlung. Leider sind überwiegende Teile dieser Siedlung weggeschwemmt worden. Somit sind Aussagen über Größe und die genaue Lage der Ansiedlung nicht mehr möglich. So wurde nur eine Grube, bei der nach der Fundmeldung eingeleiteten Grabung 1998 entdeckt und ausgegraben.

Zwei weitere Gruben entdeckte man, als ein Entwässerungsgraben auf dem Gelände vertieft wurde. Eine dieser Gruben enthielt große Scherben einer römischen Amphora, die der Unteren Denkmalschutzbehörde übergeben wurde. Diese Gruben sind nicht ausgegraben worden und somit im Gelände noch vorhanden. Das Gelände wird heute nur noch als Wiese- und Weideland genutzt und ist somit im Moment vor weiterer Zerstörung geschützt.

Im Zuge der Flurbereinigung und Verkoppelung von Ackerflächen wurde in das Gelände massiv eingegriffen und diese verändert. So wurde der in der Nähe heute befindliche Entwässerungsgraben künstlich angelegt und das Gelände mit Entwässerungsgräben durchzogen. Wichtige Befunde sind durch diese Maßnahmen unwiederbringlich vernichtet worden.

Die gemachten Scherbenfunde sind von der Denkmalschutzbehörde erfasst und bestimmt worden.

Aufgrund der Funde ist die Siedlung einer rhein- wesergermanischen Bevölkerungsgruppe zu zuordnen. Die vielen römischen Scherben (bessere römische Keramik, Terra Sigillata) machen diese Siedlung für die Wissenschaft besonders interessant. Sie zeigen, dass die Bevölkerung in enger wirtschaftlicher Beziehung zum römischen Imperium stand.

Es ist die erste germanische Siedlung, in welcher so weit nördlich des Limes (22 Kilometer Luftlinie) so viel römische Keramik gefunden wurde.

Der Dünsberg, der seit dem ersten vorchristlichen Jahrhundert langsam von Germanen besiedelt wurde und die Kelten ablöste, liegt ungefähr 7 Kilometer von der Siedlung entfernt und ist von dort gut sichtbar. Es ist zu vermuten, dass die Siedlung an wichtigen Verbindungswegen ins Marburger Land und -Gießener Becken und weiter zum Limes, lag.

Unsere Gegend ist reich an Eisenerzvorkommen, das teilweise als Bonerz oberflächig aufgelesen werden konnte. Dies mag auch ein ganz wichtiger Grund gewesen sein, warum sich Menschen hier niederließen und das gefundene Erz verarbeitete. Ein Beweis hierfür sind Schlackenreste, die in der einzig ausgegrabenen Grube gefunden worden sind und die Verhüttung von Eisen und die Weiterverarbeitung anzeigen.

Geschichte der Auffindung, Vorbereitung der Ausgrabung

1997 entdeckte Marcus Hemberger am Fuße des Hanges mehrere römische Terra Sigillata - Scherben des späten 2. nachchristlichen Jahrhunderts und germanische Scherben.

Diese Funde wurden ordnungsgemäß der Denkmalschutzbehörde gemeldet.

Aufgrund der Besonderheit der Fundstelle -auffallend viel römische Keramik in einer germanisch kaiserzeitlichen Siedlung- wurde umgehend eine Ausgrabung veranlasst.

Vor der Ausgrabung wurde das Gelände geomagnetisch untersucht.

Nicht alles muss, wenn es nicht unmittelbar bedroht ist, ausgegraben und somit endgültig zerstört werden. Befunde können somit zerstörungsfrei untersucht und für spätere Generationen bewahrt werden.

Insgesamt wurden 20 000 m² untersucht. Hierbei wurden neben ein bis zwei eindeutige germanische Siedlungsspuren (Gruben), Drainagegräben, alte in Folge der Flurbereinigung aufgelassenen Wege und Pfostenlöcher oder Baumwurfgruben entdeckt.

Siehe auch

Geschichte · Altenvers · Christianisierung · Besonderheiten · Recherche

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