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Feuerwehrseinsatz in Rollshausen 1930

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Feuerwehrseinsatz in Rollshausen 1930

Im April 1930 sorgte ein Einsatz der Lohraer Feuerwehr bei einem Waldbrand in Rolshausen für Aufsehen:

Inhaltsverzeichnis

"Frankfurter Volksstimme" vom 16. April 1930

Lohra: Nationalsozialistische Raufbolde

Am 12. April ertönte hier Feueralarm. Ausgerüstet mit Hacke und Schippe zog die Feuerwehr. Meistens Arbeiter, die Höhen hinauf, um den Waldbrand der Interessenten von Rollshausen zu löschen. In schwerer Arbeit gelang es der Wehr am Abend, des Brandes Herr zu werden. Der Bürgermeister des Ortes versorgte die Leute mit Speise und Trank in der Gastwirtschaft Schmidt. Unterdessen hatte sich eine Horde Nazis versammelt und auf die noch weilenden Leute mit Biergläsern und sonstigen Instrumenten losgeschlagen, wobei die Überfallenen Verletzungen davontrugen. Diese Nazihelden soll man überall mit Verachtung strafen.

(Volksstimme hieß eine einflussreiche sozialdemokratische Tageszeitung ab 1906 „für Südwestdeutschland“ die regulär vom 2. Januar 1890 bis zum 1. März 1933 in Frankfurt am Main erschien. Sie erreichte eine verkaufte Auflage von bis zu 70 000 Exemplaren. Anfangs und auch später erschien sie unter dem Titel Frankfurter Volksstimme.)

"Frankfurter Zeitung"; "Sturm" April 1930

Lohra: Der Feuerwehrskandal von Rollshausen

Das Dorf Rollshausen im Kreise Marburg bekennt sich fast geschlossen zur N.S.D.A.P. Aus diesem Grunde erfreut es sich der besonderen Liebe der „Frankfurter Volksstimme“, von deren Existenz man dort allerdings zum ersten Male auf Umwegen am 16. April 1930 durch nachstehende Lokalnotiz in der Nummer 90 vom 16. April des Jahres etwas erfuhr. Lohra, den 16. April. (Nationalsozialistische Raufbolde)

Am 12. April ertönte hier Feueralarm. Ausgerüstet mit Hacke und Schippe zog die Feuerwehr. Meistens Arbeiter, die Höhen hinauf, um den Waldbrand der Interessenten von Rollshausen zu löschen. In schwerer Arbeit gelang es der Wehr am Abend, des Brandes Herr zu werden. Der Bürgermeister des Ortes versorgte die Leute mit Speise und Trank in der Gastwirtschaft Schmidt. Unterdessen hatte sich eine Horde Nazis versammelt und auf die noch weilenden Leute mit Biergläsern und sonstigen Instrumenten losgeschlagen, wobei die Überfallenen Verletzungen davontrugen. Diese Nazihelden soll man überall mit Verachtung strafen.

Wir geben diese Notiz der „Frankfurter Volksstimme“ wörtlich wieder, um den Lesern des „Sturm“ an diesem Beispiele einmal zu zeigen, wie traurig es um die Wahrheitsliebe dieses „Arbeiterblattes“ bestellt ist, das sich nicht scheut, ehrbare und friedliebende Dorfbewohner durch den Schmutz zu ziehen, die weiter nichts taten, als eine wehrlose Frau den Klauen von Betrunkenen zu entreißen und sich gegen einen gegenwärtigen tätlichen Angriff, Hausfriedensbruch usw. wehrten.

Am 12. April ds. Js. brach in Rollshausen ein Waldbrand aus, der den Einsatz der Lohraer Feuerwehr notwendig machte. Diese erschien unter Führung des Bezirksbrandmeisters Phillipp Schlienbecker aus Lohra, seines Zeichens Gemeinderechner und Kreistagsabgeordneter. Nachdem der Brand gegen Abend auf seinen Herd beschränkt war, bewilligten die Waldinteressenten von Rollshausen – fast durchweg Nationalsozialisten – der Lohraer Feuerwehr in der Gastwirtschaft des Pg. Jakob Schmidt ein Faß Bier.

Mit Speisen „versorgten“ sich die „Gäste“ derart, daß sie im Dorfe von Haus zu Haus gingen und Eier, Speck und Schinken bei eben diesen Nationalsozialisten „aufhoben“. Das bewilligte Faß Bier war bald ausgelaufen, der innerliche Brand aber noch so groß, daß man ihm mit weiteren erheblichen Mengen „Ihring-Melchior“ und Brandwein zu Leibe ging;

während dieser Zeit befand sich die Rollshäuser Mannschaft mit wenigen Ausnahmen noch auf der Brandstätte. In vorgerückter Stunde entfachte starker Wind das Feuer nochmals. Der Landwirt Schneider alarmierte durch die Feuerglocke, ohne daß es jedoch die Lohraer Feuerwehr, insbesondere aber Bezirksbrandmeister Schlienbecker, die gerade eifrig mit Bier und Schnaps spritzten, für nötig gehalten hätten, an der Brandstätte zu erscheinen.

Als sie von Herrn Schneider hierzu aufgefordert wurden, lehnten sie es ab mit der Begründung: „Man solle zunächst die Lohraer Pflichtfeuerwehr alarmieren“, und löschten in der Gastwirtschaft Schmidt den eigenen Brand. Da Frau Gastwirt Schmidt alleine bediente, trieben diese seltsamen Feuerwehrleute und ihr Kreisbrandmeister so bunt, daß sie sich bald nicht mehr retten konnte. Man zapfte sich selber Bier und benahm sich so, als ob man Herr im Hause sei.

Zwei ganz saubere Subjekte deren Namen wir zunächst nicht nennen wollen, ergriffen nun die Frau Schmidt.Einer hielt sie fest, während ihr der andere nach dem Geschlechtsteil griff. Frau Schmidt setzte sich heftig zur Wehr und schrie um Hilfe, worauf der eine sagte: „Das Sauweib, jetzt habe ich ihr….(folgt eine anzügliche Bemerkung) und nun schlägt sie mich auch noch“. Ein anderer Rohling riß darauf der Wehrlosen die Jacke auf und versuchte mit dem Munde ihre Brüste zu erreichen.

Dies alles genügte der Gesellschaft, für die die „Frankfurter Volksstimme“ sich so warm eingesetzt hat, noch nicht. Man zerrte Frau Schmidt an den Haaren in die Stube, in welcher Absicht wollen wir nicht näher erörtern! Der Zimmermeister Heinrich Michel und Herr Heinrich Schneider aus Rollshausen versuchten vergeblich, Hilfe zu leisten. Der Schwager, der sie befreien wollte, wurde sofort hinterrücks von der sauberen Gesellschaft überfallen und gewürgt. Nunmehr kamen der Zimmermann Georg Michel, welcher hauptsächlich von den Bezirksbrandmeister Schlienbecker angegriffen wurde und Herr Jakob Schmidt selbst von der Brandstelle zurück. Letzterer versuchte seine Frau sofort zu schützen, wurde jedoch gleichfalls tätlich angegriffen. Nachdem noch einige Rollshäuser Einwohner von der Brandstelle zurückgekommen waren, gelang es endlich, diese saubere Feuerwehr zu überwältigen.

Von dem Wirt aufgefordert, binnen 5 Minuten das Lokal zu verlassen, schrieen und johlten sie wie die Wilden. Als man sie schließlich auf die Polizeistunde aufmerksam machte, erklärte Herr Philipp Schlienbecker: „Ich bin Bezirksbrandmeister und Kreistagsabgeordneter und habe mehr zu sagen, wie die Polizei. Ich verlängere die Polizeistunde bis 2 Uhr“! und erläutert:

„Wenn ganz Rollshausen abbrennen würde, käme er mit seiner Feuerwehr nicht wieder nach hier, er wolle in Lohra bekanntmachen lassen, daß kein Lohraer mehr die Gastwirtschaft Schmidt in Rollshausen betreten solle. Georg Michel habe von ihm eine auf die Nase bekommen, weil er sein politischer Gegner sei - Den anderen Rollshäusern Bewohnern wurde angekündigt, daß ihnen der Buckel vollgehauen und sie in der Salzböde ertränkt würden, wenn sie wieder nach Lohra kämen“.

Die Empörung über diese Gemeinheiten ist allgemein. Aus Rücksicht auf unsere Leser konnten wir gewisse Äußerungen und Geschehnisse, die von Seiten dieser „Herren“ gefallen sind, bzw. sich abgespielt haben, nur leise angedeutet. Wir behalten uns vor, auf den Fall noch ausführlicher zurückzukommen. – Stellt man den geschilderten Tatsachen nun den Bericht der „Frankfurter Volksstimme“ gegenüber, so kann man nur feststellen, daß dieser den Gipfelpunkt der Unwahrhaftigkeit und der gewissenlosesten politischen Hetze darstellt.

Der Herr Oberstaatsanwalt in Marburg hat nunmehr das Wort; ebenso der vielbeschäftigte Landrat Schwebel, dessen Aufmerksamkeit dieser Vorgang scheinbar durch das Theater mit einem verlorenen Reisepaß entgangen ist.

Der Bezirksbrandmeister Schlienbecker hat durch sein Verhalten seine absolute Unfähigkeit zur Bekleidung seines Amtes bewiesen. Daß er sich seiner Schuld übrigens voll und ganz bewußt ist, beweist die Tatsache, daß er, nachdem die Polizei schon verständigt war, mit dem Maschinenmeister Schäfer nach Rollshausen kam und Schweigegelder anbot.

Dem Gastwirt Jakob Schmidt 200,-Mark, dessen Bruder 20-50 Mark und dem Zimmermann Michel 50 Mark; jedoch hatte mit dieser üblen Zeugenbeeinflussung kein Glück.

Die Absicht der „Frankfurter Volksstimme“ …..

Man möchte diese peinliche Geschichte gerne mit dem Mantel der „Liebe“ zudecken. An gewisser Routine fehlt es ja gewissen Menschen auf Grund jahrelanger Praxis nicht. Sie lassen jedoch keinen Zweifel darüber, daß wir die restlose Klärung und Verfolgung dieser skandalösen Vorfälle auf parlamentarischem Wege und durch die Presse erzwingen werden. In Rollshausen und Umgebung weiß man jedenfalls jetzt, was man von der „Frankfurter Volksstimme“ zu halten hat.


((Der örtlichen Überlieferung nach handelt es sich um einen Artikel der "Frankfurter Zeitung" (gegründet 1856 als „Frankfurter Geschäftsbericht“, bis 1943, der Schaffung einer liberalen, demokratisch-sozialen Gesellschaft verpflichtet), aus dem Inhalt "den Lesern des Sturm" (Der Sturm 1910–1932 war eine wöchentliche, dann halbmonatliche Zeitschrift des Expressionismus, die in Berlin herausgegeben wurde) kann der Artikel inhaltlich keinem Blatt direkt zugeordnet werden, obwohl er seit Jahrzehnten in unserer Gemeinde kursiert, zumal er gut recherchiert erscheint. Nach intensiver Recherche stießen wir auf "Der Sturm", das wöchentlich erscheinende Nationalsozialistische Kampfblatt für Kurhessen und Waldeck, was ab 1. Dezember 1930 für den NSDAP-Gau Hessen-Nassau-Nord Tageszeitung mit dem Namen "Hessische Volkswacht" firmiert. Heimische Zeitungen waren die Oberhessische Zeitung (Vorgänger der Oberhessischen Presse) und das am 29. April 1933, wegen geistigem und wirtschaftlichem Druck eingestellte, in Marburg erscheinende demokratisch-liberale Hessische Tageblatt. Die Oberhessischen Zeitung hatte somit ein Zeitungsmonopol in Stadt und Region. Schriftleiter der Oberhessischen Zeitung war der spätere Marburger Oberbürgermeister Dr. Ernst Scheller, nach dessen Worten sich die Zeitung schon während der Kampfzeit auf nationalsozialistischen Boden gestellt und die Interessen der NSDAP vertreten hatte. Eine Zweidrittelmehrheit für die NSDAP bei den Kommunalwahlen in Marburg am 12. März 1933 lässt einige Schlüsse zu.))

"Oberhessische Zeitung"

Rollshausen 14. April 1930:

Vergangene Woche wurde die hiesige Bevölkerung dreimal durch Sturmläuten erschreckt. In einem abgeholzten Waldgebiet lag noch Reißig, das während des Anbaues der jungen Fichten verbrannt werden sollte. Am Donnerstag hatten die Pflanzer das Feuer gedämpft und einen Graben gehackt. Gegen 1/2 9Uhr hatte sich das Feuer durchgefressen und war vom Wind über den Graben getrieben worden. Vom Dorfe aus sah man die Flammen an verschiedenen Stellen auflodern, und dichter Qualm wälzte sich über den Hochwald. Die Pflichtfeuerwehr die sofort alarmiert, konnte das Feuer mit Hilfe von Hacken und Schippen wieder ersticken. Auch die übrige Bevölkerung beteiligte sich zahlreich. Am Freitag wurden wieder Fichten gepflanzt, wobei noch Funken ausgetreten werden konnten. Aber unter den Nadeln glimmten die Stöcke weiter, so daß der Wind unbeobachtet (am Sonnabend wurde nicht an der Brandstelle gearbeitet) die Kohlen wieder entflammt. Man bemerkte den Qualm erst, als das Feuer schon bis an den Hochwald vorgebrochen war. Sofort wurden die benachbarten Dörfer benachrichtigt. Die Lohraer Feuerwehr konnte bemerkenswerte Schutzarbeit leisten. Vom Hochwald brannten nur einige Bäume. Das Gelände fiel nämlich in der Richtung des fortschreitenden Feuers, so daß der seine Macht verlor. Als am Abend nur noch die Wache mit der Seelbacher Spritze zugegen war, entfachte der stärker gewordene Wind nochmals die angebrannten Bäume. Wieder musste die Dorfbevölkerung auf das Zeichen der Feuerglocke gefüllte Wasserfässer an die Brandstelle fahren. Den sieben Leuten, die zur Wache bestimmt waren, leisteten noch andere Gesellschaft. Auch am Sonntag musste das Gelände noch bewacht werden.

Weitere Infos notwendig

Da in dieser Zeit die veröffentlichten Informationen jeweils sehr tendenziös waren, benötigen wir hierzu mehr Informationen und Bilder, um eine objektive Darstellung erstellen zu können.

Siehe auch

Aktuelle Ereignisse · Besonderheiten · Feuerwehr · Historische Nachrichten · Rollshausen · Geschichte · Lohra · Veranstaltungskalender

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