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Evangelische Kirche Lohra

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Die evangelische Kirche von Lohra

Die Kirche des alten Gerichtsortes Lohra, ursprünglich eine Taufkirche, liegt über dem Ort inmitten eines großen, umhegten Hofes. Die recht gut erhaltene spätromanische Pfeilerbasilika stammt aus dem 13. Jh., es gab wohl schon im 9. Jahrhundert an diesem Platz eine Kirche. Die jetzige Kirche wurde bald nach 1200 als spätromanische Basilika mit Chorraum, Mittelschiff und Seitenschiffen aufgebaut. Die Art des Gewölbes mit diagonal überkreuzten Bögen erlaubt es, die Fertigstellung der Kirche in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts anzusetzen. Sie wurde dem Heiligen Martin geweiht. Das südliche Seitenschiff wurde 1909 durch ein aufgesetztes Fachwerkgeschoß um 200 Plätze vergrößert. Allerdings konnte man von dem neuerbauten Raum aus das Geschehen am Altar nicht sehen, sondern nur den Pfarrer, wenn er auf die Kanzel stieg. Deshalb brachte man gegenüber der neuen Empore ein großes Bild an der Wand an. Es ist ein Kreuzigungsbild des Malers Dauber. Das Besondere daran ist, dass es im Hintergrund die Gemeinde Lohra zeigt und dass der römische Hauptmann die Züge des damaligen Pfarrers Bücking trägt und Maria Magdalena die seiner Frau. Im Zuge dieser Umbauten wurde die Orgel erweitert, der Spieltisch nach unten verlegt und der Chorraum so geordnet, wie er jetzt dasteht. Die Kirche besitzt eine schlichte, formlose Westfassade mit gotischem Eingangsportal und seitlichen massiven Strebepfeilern. Dem quadratischen Chor ist ein Dachreiter des 18. Jh. vorgelagert. Das Kircheninnere besteht aus zwei Jochen und einem quadratischen Chor in gleicher Höhe und Breite wie das Mittelschiff. In den Seitenschiffen sind romanische Tonnen mit Stichkappen, im Mittelschiff gotisches Kreuzrippengewölbe, das auf ornamentierten bzw. gemalten Konsolen aufliegt. Zwei rundbogige Arkaden trennen die Seitenschiffe vom Mittelschiff. Die Ausmalung der Wände, weiße Fugen auf ockerfarbenem Grund, sind anhand noch vorhandener Reste erneuert. Im 17. Jh. erhielt die Kirche ihre Emporen. Der Altar hatte wahrscheinlich eine schöne Bilderwand und im Mittelteil das Bild des Gekreuzigten. Die lutherische Reformation brachte kaum Veränderungen im Kirchenraum. Die calvinische Reform des Landgrafen Moritz um 1600, die keine Bilder duldete, ließ die Altarbilder wie so viele Kostbarkeiten aus hessischen Kirchen entfernen. Das Altarkreuz vom Anfang des 15. Jahrhunderts hat diesen Bildersturm irgendwo versteckt überdauert. Der Querbalken trägt eine Inschrift, die übersetzt heißt: „In den Armen meines Heilandes Jesu Christi will ich leben und sterben.“ Im Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 wurde die Kirche verwüstet. Das Epitaph der Familie von Pfarrer Heinrich Fenner (+1656) im südlichen Seitenschiff vermittelt einen bewegenden Eindruck über diese Zeit, „da die Sonne ihren Schein verlor.“ Langsam erholte sich die Gemeinde und die Kirche bekam eine neue Einrichtung. Zwei Emporenreihen im Chor und an der rechten Wand sowie die Männerbühne hinten wurden eingebaut. Auf die obere Empore im Chorraum wurde 1799 die jetzige Orgel eingebaut. Die korbähnliche Ausbuchtung war der Platz des Organisten. Der Prospekt der Orgel lässt sich durch schön gestaltete und bemalte Türen verschließen. 1720 wurde der Gladenbacher Kirchenmaler Wilhelm Hermann Werner und seine Werkstatt beauftragt, die Felder an den Emporen auszumalen. Sie zeigen im Chorraum Christus, den guten Hirten und dann die Bilder der Heilsgeschichte bis zur Ausgießung des Geistes wie folgt:

Jesu Taufe; Abendm.; Gefangenn.; Ecce homo

Flucht n. Ägypt.; - Kreuzigung;

Jesu Geburt; - Grablegung;

Maria Verkündigung; - Ostern;

Sündenfall; - Himmelfahrt;

Guter Hirte; - Pfingsten.

Im Schiff sind der Reihe nach Jesus und die zwölf Apostel auf der Empore zu sehen. Ganz im Sinne der alten Meister ist in der Mitte, über dem Westausgang das Bild vom Jüngsten Gericht. Im Chor befindet sich ebenfalls auf einer Holzsäule eine bemalte Empore, die die Orgel trägt. Das Instrument stammt aus der Werkstatt von J. H. Schaum aus Langgöns. Der Prospekt lässt sich durch reich geschnitzte und mit den Bildern der Tugenden Justitia und Fortitudo gestaltete Türen verschließen. Außerdem ist eine Sakramentsnische des 14. Jhs. erwähnenswert. Der Altarkruzifix stammt aus dem frühen 15. Jh. Die Kanzel ist von 1699, der Pfarrerstand aus derselben Zeit. Im südlichen Seitenschiff hängt ein Bild, das Luther mit dem Schwan darstellt. Ein gemaltes Holzepitaph ist für den Pfarrer H. Fenner (gest. 1656) gearbeitet. Der letzte Umbau erfolgte 1955-1956. Die vielen Verzierungen an Gewölben und Bildern wurden entfernt. Das Taufbecken von unter der Kanzel wurde ins nördliche Seitenschiff verlegt und das Bild von Dauber an diese Ostwand eingepasst. So entstand ein schöner Raum für die Taufen. Im gegenüberliegenden Seitenschiff wurde im Jahre 2006 ein schwedischer Gebetsleuchter aufgestellt der regelmäßig zu persönlichem Beten und Gedenken einlädt und der an Tagen öffentlichen Gedenkens einen Platz neben dem Altar bekommt. Unter dem Schiff wurden verschiedene Persönlichkeiten bestattet, eine vermutete Verbindung zum Pfarrhaus bestand/besteht nicht. 12,34)


Siehe auch

Kirchen · Einrichtungen · Bauwerke · Friedhöfe · Geschichte · Sehenswürdigkeiten · Geistliche · Orgeln · Vereinigungen

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