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Ehrenamtliche Engagement

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Ein Ehrenamt im ursprünglichen Sinn ist ein ehrenvolles öffentliches Amt, das überwiegend unentgeltlich ausgeübt wird, zu dem man in vielen Fällen auch verpflichtet und das teilweise auch aberkannt werden kann. Es gibt für ein Ehrenamt kein Gehalt, oft aber eine Aufwandsentschädigung.

Inhaltsverzeichnis

Beispiele für Ehrenämter

  • Politik (Gemeindevertreter/Gemeindevorstand/Ortsbeirat/Ortsvorsteher)
  • Justiz (Schöffen/Ehrenamtliche Richter/Schiedsleute)
  • Administration (Archive/Büchereien)
  • gerichtlich bestellte Betreuer
  • Wahlhelfer/Wahlvorstände
  • Mitglieder von Betriebsrat/Personalräten/Mitarbeitervertretungen/Jugend- und Auszubildendenvertretungen
  • Hilfsorganisationen Mitglieder der Freiwillige Feuerwehr, des Deutsches Rotes Kreuzes und anderer vergleichbarer Hilfsorganisationen/Sanitätsdienste sowie des Technisches Hilfswerks.
  • Freiwillige Dienste (Verschönerungsvereine/ Nachbarschaftshilfe/ Alten-, Kinder-, Jugendbetreuung/ Betreuung öffentlicher Anlagen uvm.)

Seit einigen Jahren versteht sich Ehrenamt generell als unentgeltliches Handeln im gemeinnützigen Bereich und heißt zunehmend auch „Freiwilligenarbeit“, „bürgerschaftliches Engagement“ oder „zivilgesellschaftliches Engagement“. Hierzu gehört auch die Mitarbeit als einfaches Mitglied in einer Vereinigung von Menschen zu einem definierten gemeinnützigen Zweck, die nicht zwingend mit einer Vereinsatzung im Vereinsregister eingetragen sein muß.

Ohne Ehrenamt ist unsere Gesellschaft in ihrer heutigen Form nicht existenzfähig und nicht finanzierbar.

Im engeren Sinn ist Ehrenamt jede durch eine Wahl verliehene Funktion in einer Vereinigung oder Körperschaft die keine Entlohnung nach sich zieht.

Umfang des Ehrenamtes in Deutschland

Jeder Dritte in Deutschland engagiert sich ehrenamtlich zum bürgerschaftlichen Engagement.

Geschichte des Ehrenamts

In der gesamten abendländischen Tradition, sei es aus der Sicht der klassischen Antike oder der des Christentums, gehört der individuelle Beitrag zum allgemeinen Wohl unverzichtbar zu einem sinnerfüllten Leben. Schon in den Stadtgesellschaften der Antike Griechenlands war es Sache jeden männlichen Bürgers sich für das Gemeinwesen zu interessieren, für dessen Wohl zu engagieren und in den Versammlungen über die Belange der Stadt zu diskutieren. Da Sklaven (und Frauen) die produktiven Arbeiten ausführten, verfügten sie auch über genügend freie Zeit dafür. Wer an solchen Versammlungen nicht teilnahm und sich auch den Angelegenheiten des Gemeinwesens verweigerte, war ein Idiot, also ein Privatmensch: „Wer an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger,“ formulierte es der Athener Perikles etwa 500 vor Christus. Die Hochherzigkeit galt als eine jener Eigenschaften, der sich vornehm gesinnte Männer befleißigen sollten. Aristoteles definierte sie als Freigiebigkeit, wobei die Größe des erbrachten Opfers in Relation mit dem betriebenen Aufwand gesetzt werden muss. Das Archon (Beamter), das Beamtentum, wurde im Laufe der Zeit auch immer mehr zu einem Ehrenamt.

Im antiken Rom bezeichnete „Magistrat“ das durch Volkswahlen in den Komitien verliehene ordentliche staatliche Ehrenamt (honos). Allerdings wurde dies meist ohne jede politische Einflussmöglichkeit zugeteilt und bekleidet.

Eine andere Wurzel des sozialen Engagements findet sich in der christlichen Tradition im Liebesgebot der Bibel, das in der Frühzeit jedoch oftmals noch mit der Sicherung der eigenen Versorgung verknüpft war. Schon im Mittelalter wurde es durch die Versorgung von Armen mit Almosen vereinzelt umgesetzt. So verbindet etwa der zunächst als Ritterorden gegründete Johanniterorden, der seit 1099 in Jerusalem ein Spital für Arme, Alte und Kranke unterhielt, den christlichen Glauben zu wahren und Notleidenden zu helfen. Die Ehrenämter waren tatsächlich noch mit dem Erwerb von Ehre verbunden; adlige Personen, später auch Bürger mit hoher Bildung, gesellschaftlichem Ansehen und Reichtum konnten solche bekleiden und damit ihre Ehre noch erhöhen bzw. (im Falle der Bürger) erst erhalten. Die Titelverleihung war eine verbreitete Form zur Gewinnung von Vasallen, später auch zur Einbindung von Ständen.

In der Zeit nach der Reformation kann Ehre durch Dienst am Gemeinwesen verdient werden. Die Möglichkeit der Mitbestimmung des Bürgertums wurde zum ersten Mal in der Preußischen Städteordnung von 1808 festgeschrieben, die die kommunale Selbstverwaltung regelte und mit der auch die Bedeutung des Ehrenamts wuchs. Ehrenbeamte standen der sozial- caritativen Arbeit vor, ausgeführt wurde sie aber von Frauen.

Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts entstanden offizielle und organisierte Armensysteme mit ehrenamtlichen Helfern, die als erste Ursprünge der modernen Sozialarbeit gelten können. Es stellt die eigentliche Form des heute noch verbreiteten sozialen Ehrenamtes dar. So entstand 1788 in Hamburg das „Hamburger Armensystem“: Die Stadt wurde in 60 Bezirke mit je drei ehrenamtlichen Armenpflegern eingeteilt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten ehrenamtlich tätige Bürger die kommunale Armenpflege und schafften damit die Grundlage für die moderne organisierte Sozialarbeit. Am 9. Juli 1852 erließ Elberfeld eine neue Armenordnung – als „Elberfelder System“ künftiges Vorbild der Armenpflege im gesamten Deutschen Reich. Die Stadt wurde in 26 wiederum in Quartiere unterteilte Bezirke aufgeteilt, wobei für jedes Quartier ein ehrenamtlicher Armenpfleger zuständig war. Aber auch die Bedeutung der beginnenden Frauenbewegung im 19. Jahrhundert für die ehrenamtliche Tätigkeit sollte nicht unterschätzt werden.

In der Zeit des Nationalsozialismus musste das Ehrenamt zwangsweise zum „Wohle des Volksganzen“ ausgeführt werden.

1957 gründete sich die Aktion Gemeinsinn e. V. in Bonn (während einer Spezialtagung über Werbung und Ethik in der Evangelischen Akademie Bad Boll): zur Förderung des Ehrenamts in der Bundesrepublik Deutschland nach dem amerikanischen Vorbild National Advertising Council.

Rolle des Ehrenamtes in Deutschland

In Deutschland sind 23 Millionen Menschen über 14 Jahren ehrenamtlich in Vereinen, Verbänden, Initiativen oder Kirchen tätig. Viele Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens würden ohne Ehrenamtliche kaum mehr existieren. Neben Betreuung von Kindern und alten Menschen zählen dazu: Dienste bei Tierschutz, Berghütten, Bewährungshilfe, Telefonseelsorge, Caritas und Diakonie, Hilfsorganisationen, Umsonstladen, Hausaufgabenhilfe; Helfer wie Grüne Damen und Herren in vielen Spitälern, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen; in Sport- und anderen Vereinen. Die Freiwilligen Feuerwehren, wichtigste Stütze der aktiven Gefahrenabwehr in Deutschland, haben ausschließlich ehrenamtliche Mitglieder. Auch den Katastrophenschutz der Bundesrepublik Deutschland gewährleisten größtenteils ehrenamtliche Kräfte.

Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbaren nebenberuflichen Tätigkeiten oder der nebenberuflicher Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen im Dienst oder im Auftrag einer inländischen juristischen Person des öffentlichen Rechts oder einer unter §5 Abs. 1 Nr. 9 des Körperschaftssteuergesetzes fallenden Einrichtung zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke § 52 ff der Abgabenordnung bis zur Höhe von 1.848 Euro jährlich (Stand 2007) sind steuerfrei § 3 Nr. 26 Einkommensteuergesetz.

Das Jahr 2001 war das internationale Jahr der Freiwilligen mit zahlreichen Aktionen auf Bundes- und Landesebene. Bund, Länder aber auch Kommunen versuchen auf vielfältige Weise, die Freiwilligenarbeit bzw. das Ehrenamt zu stärken. Freiwilligenagenturen dienen dazu Einsatzstellen zu suchen und zu vermitteln.

Auch wenn außer dem Verlust des jeweiligem Gehaltes noch immens hohe Kosten wie für die Ausbildung zu einem Rettungshelfer bei Hilfsorganisationen anfallen können, überdies bezahlte Stellen vielerorts fehlen, werden Ämter trotzdem über längere Zeit betrieben, in manchen Fällen sogar zur Lebensaufgabe gemacht.

In Deutschland sind langfristige Bindungen an Ehrenämter üblich, obschon sich Konzentrationen des Ehrenamts, wie in Gewerkschaften und Kirchen leicht tendenziell aufzulösen scheinen. Fachleute sehen hierfür Gründe, verglichen mit den USA, wo sich öfter nur für bestimmte Projekte leichter Freiwillige finden. Beispielsweise um als Firma an einem Wochenende eine bestimmte Schule anzustreichen. In Frankfurt am Main etwa sind solche Kurzzeit-Aktionen als „Frankfurter Freiwilligentag“ bekannt. Die Definition des Ehrenamtes schließt oft auch die unbezahlte Familienarbeit mit alten Angehörigen ein und in den USA, aber auch in Deutschland, die Teilnahme an einem Freiwilliges Soziales Jahr|freiwilligen sozialen Jahr, wobei die Teilnehmer in den USA bis hin zu mehreren hundert Dollar Entschädigung bekommen können. In Deutschland erhalten die Freiwilligen Unterkunft, Verpflegung und Taschengeld, die Übernahme der Versicherungskosten sowie gegebenenfalls Kindergeld.

Bei der Stellensuche, im Lebenslauf und in Bewerbungsgesprächen war bisher die Ausübung eines Ehrenamts gerne gesehen, weil es einem Bewerber eine soziale Kompetenz zusprach. Bei vielen Arbeitgebern ist es inzwischen unerwünscht, weil es nicht mehr in die moderne Personalpolitik passt: Der Bewerber könnte seine Arbeitszeit und -kraft vernachlässigen. Außerdem verschweigen viele Beschäftigte aus Angst um ihren Arbeitsplatz ihre freiwilligen Tätigkeiten.

Motive ehrenamtlich Engagierter

Hauptmotiv des freiwilligen Engagements ist das Bedürfnis der Bürger/innen zur gesellschaftlichen Mitgestaltung (wenigstens oder gerade im Kleinen). Dazu kommt der Wunsch nach sozialen Kontakten und sozialer Einbindung. Altruistische Motive, Spaß zu haben und mit sympathischen Menschen in Kontakt zu kommen, stehen im Vordergrund der konkreten Erwartungen an die freiwillige Tätigkeit. „Für drei Viertel ... ist es darüber hinaus wichtig, Kenntnisse und Erfahrungen zu erweitern. Ein möglicher beruflicher Nutzen ist dagegen nur für eine Teilgruppe von rd. 20 % von Bedeutung“ (Rosenbladt/Picot 1999). An der Situation hat sich 2004 nicht viel verändert. Allerdings nimmt bei jungen Leuten und Arbeitslosen die so genannte Interessensorientierung (eigene Interessen und Probleme sowie der berufliche Nutzen als Hintergrund des Engagements) deutlich zu. (Übernommen aus dem Artikel Freiwilligensurvey)

Oft gleicht die Art des Engagements bezahlte Berufstätigkeit aus: Wer beispielsweise in der Buchhaltung arbeitet, will ehrenamtlich mit Menschen zu tun haben. Auch werden Tätigkeiten gewählt, in denen man im „normalen Leben“ nicht gebrauchte fachliche Fähigkeiten und Kenntnisse anwenden kann, oder um im Falle von Arbeitslosigkeit überhaupt eine sinnvolle Beschäftigung zu haben.

Förderung des Ehrenamts

Der Staat fördert ehrenamtliches Engagement in unterschiedlicher Weise, da er durch diese Tätigkeiten finanziell entlastet wird.

Steuerliche Förderung

Ehrenamtlich Tätige können Aufwandsentschädigungen erhalten. Oft sind sie pauschaliert und auch im Rahmen bestimmter Grenzen steuerfrei.

Versicherung

Vielfach versichern Vereine und Institutionen die ehrenamtlich Tätigen gegen Unfall- und Haftpflichtschäden. Das Bundesland Hessen bieten darüber hinaus einen Versicherungsschutz für die, die bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit sonst keinen hätten. Eine gesetzliche Unfallversicherung besteht bei bestimmten ehrenamtlichen Tätigkeiten (vgl. § 2 Abs. 1 Nr. 9-13 Sozialgesetzbuch VII)

Auszeichnungen

Bei den Vergabekriterien für Verdienstorden und Auszeichnungen spielt ehrenamtliches Engagement meist eine große Rolle (siehe auch oben zur Geschichte des Ehrenamts). Mit der so genannten „Ehrenamts-Card“ (E-Card) zeichnet etwa das Land Hessen Menschen aus, die seit mindestens 5 Jahren mindestens 5 Stunden pro Woche ehrenamtlich tätig sind. Sie bietet den Inhabern eine Reihe von Vergünstigungen; allerdings wird diese nur über ein ein Auswahlverfahren ausgehändigt: pro Jahr werden nur 1000 Stück davon vergeben. Der „Kompetenznachweis Ehrenamt” des Landes Hessen steht hingegen für alle Menschen offen, die sich mindestnens 80 Stunden im Jahr freiwillig engagieren. Sie dienen als Nachweise über im Ehrenamt ausgeführte und gewonnene Fähigkeiten und Kenntnisse und können potentiellen Arbeitgebern vorgelegt werden (siehe dazu jedoch auch oben zur Rolle des Ehrenamtes in Deutschland).

Besondere Aspekte ehrenamtlichen Engagements

Netzwerke

Verschiedene Vereine und Verbände haben sich zu Netzwerken zusammengeschlossen, um die Möglichkeiten und die rechtlichen Rahmenbedingungen für freiwillige Arbeit zu verbessern. Sie bieten auch Plattformen für Kommunikation und Informationsaustausch und binden Wissenschaft und Forschung ein, die sich mit Rahmenbedingungen und Wandel des Ehrenamtes im Dritten Sektor befasst und inzwischen auch eine umfangreiche Literatur zum Themenfeld hervorgebracht hat. Weiterhin gründeten sich in jüngster Zeit Projektbüros und lokale Netzwerke, die auch Beratungsangebote für Ehrenamtliche vorhalten (z.B. die hessische Landesehrenamtsagentur). Eine Variante des Ehrenamtes ist beispielsweise die Arbeit in Selbsthilfegruppen - zugleich eher ein Fall von gegenseitiger Hilfe (was in die schwierige Definition von wer hilft wem, was ist Freundschaft, was ist Ehrenamt, hinein reicht).

Internet und neue Medien

Auch die Arbeit vieler Open Source- und Open Content- Projekte, wie beispielsweise der Lohra-Wiki, wird ehrenamtlich geleistet und stellt so eine neue Form von bürgerschaftlichem Engagement dar; denn es entstehen öffentliche Güter in Form von freier Software und freien Inhalten, die allen unentgeltlich zur Verfügung stehen.

Kritik

Ambivalenz der staatlichen Förderung

Kritisch ist der Stellenwert ehrenamtlicher Arbeit in der gesellschaftlichen Gegenwartssituation zu betrachten. Einerseits liegt nahe zu vermuten, dass unbezahlte Arbeit bei ständig steigender Verschuldung der öffentlichen Haushalte und steigenden Kosten im sozialen und Gesundheitsbereich einiges von den nicht mehr bezahlbaren Aufgaben übernehmen soll, die in den letzten Jahrzehnten in den Bereich staatlicher Fürsorge fielen. So wurden beispielsweise Sozialleistungen für kognitiv beeinträchtigte Personen in England mit der Begründung, die Versorgung würde durch ehrenamtliches Engagement kostengünstiger und selbständig organisiert, massiv gekürzt. Es können jedoch nicht alle sozialen Aufgaben ehrenamtlich organisiert werden, was sich in diesem Fall gezeigt hat.

Gegenüber dem „ehrenamtlichen Engagement“ sind „zivilgesellschaftliches“ oder „bürgerschaftliches Engagement“ umfassendere Begriffe, mit denen auch Engagement durch Geldspenden gemeint ist. Im Kontrast zu solchem Engagement hat ehrenamtliches Engagement den Charakter der Zeitspende.


Weblinks

Vereinigungen

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