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Burschenschaft "Club Einigkeit" Kirchvers

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Burschenschaft "Club Einigkeit" Kirchvers

Die ländlichen Burschen- und Mädchenschaften sind im Allgemeinen gänzlich unpolitische Vereinigungen, die sich die Geselligkeit und die Integration junger Menschen in das Dorf- und Vereinsleben auf die Fahne geschrieben haben. Die Burschenschaft "Club Einigkeit" Kirchvers besucht - wie die anderen Vereine im ländlich orientierten Raum Mittelhessens auch - die Feste anderer Burschenschaften. Das sind in der Regel die Burschen- und Mädchenschaftstreffen, die jeder Verein einmal im Jahr ausrichtet. Neben der Kirmes veranstalten die Kirchverser Burschen das Backhausfest am ersten Mai, das regen Zuspruch bei Wanderern und Radfahrern findet. Hinzu kommt jedes Jahr die Wanderung an verschiedene umliegende Orte für die aktiven Mitglieder.

"Wer aus der Schule kam, der ging in die Burschenschaft", hieß es früher. Tatsächlich zählte der Verein in den 70er Jahren zwischen 30 und 40 Mitgliedern. Heute sind es etwas über 20 junge Männern, die das Vereinsleben gestalten. Hinzu kommt eine Vielzahl passiver Burschen, die entweder geheiratet haben oder nach der Vollendung ihres 30. Lebensjahres den Entschluss gefasst haben, sich aus dem Burschenleben zurückzuziehen.

Vor kurzem halfen die Burschen beim Laternenumzug des Kindergartens Kirchvers. Außerdem konnte eine Spende an die Interessengemeinschaft Schutzhütte übergeben werden. Die Renovierung des Dorfgemeinschaftshauses Kirchvers haben die Burschen tatkräftig unterstützt. Hinzu kommen Spenden zu Zwecken der Dorfverschönerung, wie für die Schutzhütten-Sanierung, die unregelmäßig vorgenommen werden. Alles Maßnahmen, mit denen auch die jungen Männer in Kirchvers ihren Beitrag zur Erhaltung der Dorfkultur beitragen. 29

1. Vorsitzender: Martin Willershausen, Bachweg 4, 35096 Wenkbach, willersm@web.de

2. Vorsitzender: René Willershausen, Bornweg 18, 35102 Kirchvers, peppi187@web.de

1. Kassierer: Andreas Liebelt, Hardtweg 3, 35102 Kirchvers

2. Kassierer: Christoph Simon

1. Schriftführer: Stephan Gerlach, Gießener Landstr. 23, 35102 Kirchvers

Inhaltsverzeichnis

Kontakt

Maik Kober, Pfarrstr. 5, 35102 Lohra, 06426/7632

Termine

Geschichte

Es war das gesellige Beisammensein, das den Kirchverser Burschen in den Nachkriegsjahren des vorigen Jahrhunderts fehlte. Im Ort gab es den Gesangverein und die Feuerwehr, doch keinen Verein für die Junggesellen. Im Jahre 1951 erkannten neun wackere Burschen, was ihnen in Kirchvers fehlte und riefen die Burschenschaft "Club Einigkeit" aus. Als loser Zusammenschluss junger Männer organisierten die Burschen die Kirmes. Die Kirmes war in Kirchvers nichts Neues: Ernst Willershausen, Inhaber des heutigen Gasthauses "Zur Linde" hatte schon Jahre zuvor Kirmessen auf der Wiese neben seinem Wirtshaus veranstaltet.

Die Burschenschaft "Club Einigkeit" übernahm mit ihren neun Mannen den Aufbau des Zeltes und kassierte von den Gästen eine Mark Eintritt. Zur Deckung der Kosten reichte das noch nicht - jeder der neun "Mitglieder" (der Verein war schließlich nicht eingetragen) musste fünf Mark bezahlen, damit die Kirmes überhaupt kostendeckend durchgeführt wurde. Ernst Willershausen kümmerte sich nach wie vor um den Verkauf von Getränken und zapfte das Glas Bier für dreißig Pfennige. Erst im dritten Jahr nach der ersten Kirmes, welche die Burschenschaft "Club Einigkeit" übernahm, wurde der erste Gewinn eingefahren. Man nahm die 300 Mark, die übrig geblieben waren, um mit den Mitgliedern und deren Lebensgefährtinnen nach Rüdesheim am Rhein in den Urlaub zu fahren.

In den folgenden Jahren - die meisten Gründer der Burschenschaft hatten bereits geheiratet - schlossen sich immer mehr Burschen dem Verein an. Jedes Jahr trommelte Erhard Heuser einige junge Männer zusammen, die unter dem Namen "Club Einigkeit" die Kirmes ausrichteten - stets mit einer weißen Vereinsfahne, die ein künstlerisch begabter Arbeitskollege eines Gründers aus einem Betttuch geschnitten und mit blauer Farbe bemalt hatte.

Als bloße Kirmesgesellschaft, die die Burschenschaft in den 50er Jahren wohl war, wollten zehn junge Männer im Jahre 1961 den "Club Einigkeit" nicht weiter sehen. Heinz Glebe sammelte wöchentlich von jedem der zehn Aktiven fünf Mark ein - damals deutlich mehr als ein Stundenlohn. Das Geld wurde in eine samtene Vereinsfahne investiert. Den Stoff kauften die jungen Männer in Gießen und ließen ihn in Krofdorf mit dem blau-weißen Vereinswappen besticken. Den Fahnenmast ließen die Burschen aus Coburg per Bahn nach Lohra fahren, wo sie Helmut Laucht mit dem Motorroller am Bahnhof abholte. Nicht zuletzt fertigte Ewald Becker einen Löwen an, der noch heute den Kopf des Fahnenmastes darstellt. Alles in allem gaben die Burschen, die Helmut Laucht als ersten offiziellen Vorsitzenden nominierten, 1280 Mark für die edle Fahne aus.

Unterdessen fand die jährliche Kirmes schon nicht mehr auf der Wiese neben dem Gasthaus, sondern bei der damaligen Bushalle in der Wellergasse statt. Die Burschenschaft profitierte von einem stetigen Wachstum des Festes, das zu dieser Zeit noch eine von wenigen Kirmessen im Umkreis war. Den Verkauf von Speisen und Getränken hatte die Burschenschaft zu dieser Zeit vollständig übernommen. Die Burschen der frühen 60er Jahren besuchten bereits Feste in den Nachbardörfern. Außerdem stellte der Verein jedes Jahr einen Pfingstbaum auf. Die Jüngsten sammelten Eier und Speck in den Haushalten die dann zu Eierpfannkuchen gebacken wurden. Der Baum selbst wurde verlost - eine Tradition, die in Kirchvers zwar in den beiden letzten Jahren nicht durchgeführt werden konnte, aber längst nicht eingeschlafen ist.

Eine Satzung arbeitete der Vorstand der Burschenschaft "Club Einigkeit" Kirchvers im Jahre 1961 aus. Die Eintragung ins Marburger Vereinsregister erfolgte allerdings erst am 15. Mai 1964, wie deren Akten belegen. Und seit den 60er Jahren fährt die Burschenschaft jedes Jahr in den Urlaub, wofür der Kirmes-Überschuss verwendet wird.

Meistens ging es nach Österreich: Schladming war ein Ziel, Kaprum, Südtirol und nach Mittersill hat es die Kirchverser gleich zweimal verschlagen. Aber auch Ziele in Deutschland wie der Schwarzwald, Heidelberg oder Hamburg waren durchaus beliebt. In jüngerer Zeit fuhren die Burschen nach Ostfriesland, Amsterdam und auf Ibiza. An den berüchtigten "Ballermann" auf Mallorca ging es auch schon - allerdings in den achtziger Jahren, als Strandpromenade noch Balneario hieß.

Mit zunehmender Größe wechselten auch die Orte, an denen Kirmes gefeiert wurde: Das 20-jährige Bestehen. fand auf eine Wiese nahe der Gießener Landstraße statt. Von dieser Kirmes sind noch viele Bilder erhalten, die in manch einem Wohnhaus in Kirchvers an der Wand hängen.

In den siebziger Jahren schlossen sich die Kirchverser mit den Burschenschaften aus den heutigen Landkreisen Gießen und Wetzlar zu einer Art Dachverband zusammen, der unter dem Namen des Dünsberges firmierte. So wurden vor allem Kirmessen in Naunheim, Waldgirmes, Steindorf, Fellingshausen und Rodheim besucht, deren Burschen im Gegenzug nach Kirchvers pilgerten. In Fellingshausen wurde außerdem regelmäßig ein Fußballturnier zwischen den Burschenschaften ausgetragen.

Die meisten Burschenschafter waren gleichzeitig Fußballer. Angetrieben von Berthold Luh und Wolfgang Willershausen wurde 1974 die Abteilung Fußball des Sportvereins Kirchvers ins Leben gerufen, deren Mitglieder damals fast vollzählig auch zur Burschenschaft gehörten. Und waren die fußball begeisterten Männer zuvor unter dem Namen der Burschenschaft gegen Mannschaften der Nachbarorte ins Feld gelaufen, so traten sie von 1974 an als "SV Kirchvers e.V." auf.

Das 25-jährige Jubiläum im Jahre 1976 ging als das größte, doch gleichzeitig auch als das bis dahin schwierigste Fest in die Geschichte der Burschenschaft ein. Ein großes Zelt mit zwei Kapellen, die von weit her angereist waren und auf einem Parkett-Boden spielten, zogen derart große finanzielle Probleme nach sich, dass die Jubiläumskirmes zum Verlustgeschäft zu werden drohte. Vom Fest blieb zwar kein namhafter Gewinn, doch musste auch kein Verlust getragen werden.

Im Jahre 1991 feierte die Burschenschaft 40-jähriges Bestehen. Dieses große Fest zog viele Burschen- und damals auch schon Mädchenschaften nach Kirchvers. In den neunziger Jahren ist die Kirmes in Kirchvers zu einer der größten Veranstaltungen in der näheren Gegend avanciert. Und es hat sich viel verändert: Nicht mehr drei oder vier Kirmessen im näheren Umkreis werden im Jahr besucht. Die Kirchverser müssten gut 30 Feste besuchen, wenn sie allen ihren Gästen einen Gegenbesuch abstatten wollen. Aber auch Festumzüge - einst eine stolze und fröhliche Angelegenheit für alle Vereine zugleich - sind seltener geworden. Als zweites Fest im Jahr ist das Backhausfest am ersten Mai in den 80er Jahren hinzugekommen: Jährlich strömen weit über 1000 Besucher zum Fest im Kirchverser Ortskern. Auch nach 50 Jahren ihres Bestehens hat die Burschenschaft "Club Einigkeit" eines nicht aus den Augen verloren: Den Gemeinschaftssinn und Pflege der Geselligkeit im Dorf. Und das wissen die Kirchverser wohl zu schätzen. 29

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