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Bonifatius

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Bonifatius (Winfrid), Missionserzbischof , Erzbischof von Mainz

673 + 5. Juni 754 gewaltsam getötet, Exeter bei Dokkum (Friesland)

  • Der Angelsachse Bonifatius wurde als Wynfrith (Winfrid) 673 in Wessex (England) geboren. Er begann mit 40 Jahren seine Missionsarbeit. Bonifatius wurde am 15.Mai 719 in Rom während seiner ersten Romreise von Papst Gregor II. (715 – 731) zum Heidenmissionar bestellt. Zweite Romreise Bonifatius im Jahre 722. Papst Gregor II. weiht Bonifatius am 30. November 722 zum Missionsbischof ohne festen Bischofssitz. 732 wird Bonifatius von Papst Gregor III. zum Legaten des Papstes für Germanien ernannt. 737/738, Dritte Romreise von Bonifatius. Nachdem Karl Martell 741 gestorben war, gründet Bonifatius, mit Zustimmung von Karlmann I., für die 3 Stämme des ehemaligen Thüringerreiches, 3 Bischofssitze: Würzburg, Büraburg und Erfurt. Bonifatius wollte Bischof von Köln werden, Gegner vereitelten seinen Plan. Er wurde 746 mit Mainz (unter Bonifatius kein Erzbistum) abgefunden. Bonifatius dankt 753 als Bischof in Mainz ab. Lullus wird Bischof von Mainz. Papst Stephan II. hielt sich das ganze Jahr 754 bei Pippin III. im Frankenreich auf. Am 5. Juni 755 im Alter von fast 82 Jahren wird Bonifatius bei Dokkum in Friesland ermordet.
  • Er war ein angelsäschsischer Benediktinermönch und Missionar. Er kam als Missionar von England auf das Festland, wo sein erster Bekehrungsversuch bei den Friesen 716 scheiterte. Papst Gregor II. beauftragte ihn 719 mit der Mission auf dem Gebiet des späteren Deutschland. Er missionierte seit 721 in Hessen und Thüringen, wurde 722 Bischof und 732 Erzbischof. Er organisierte seit 738 als päpstlicher Legat die bayerische und mitteldeutsche Kirche (Errichtung der Bistümer Salzburg, Regensburg, Freising, Passau, Eichstätt, Würzburg, Büraburg, Erfurt sowie der Klöster Fulda, Amöneburg, Ohrdruf, Fritzlar, Tauberbischofsheim, Kitzingen, Ochsenfurt). Sein Versuch, die fränkische Kirche zu reformieren, hatte wegen des Widerstrebens des fränkischen Adels nur teilweise Erfolg. 746 übernahm Bonifatius das Bistum Mainz, nachdem seine Erhebung auf den bischöflichen Stuhl von Köln gescheitert war. 754 zog er nochmals als Missionar nach Friesland, wo er mit zahlreichen Gefährten den Märtyrertod erlitt; seine letzte Ruhestätte fand er in Fulda.
  • Die von ihm geknüpfte enge Verbindung der fränkischen Kirche an das Papsttum hatte lange Bestand.
  • Winfrid war der Sohn einer wohl adligen, in kulturellem und kirchenorganisatorischen Ausbaugebiet der angelsächsischen Staatenwelt ansässigen Familie. Als puer oblatus dem Kloster Exeter übergeben, wechselte Winfrid bald ins Kloster Nursling bei Winchester über. Den Mönch aus Berufung formte eine monastische Welt, in der gegen 700 die römischen Traditionen einschließlich der Benediktinerregel das Übergewicht gegenüber der noch immer wirkungsmächtigen iro-keltischer Befruchtung erlangt hatten. Seine intellektuelle und gesistige Schulung stand ganz in der Traditionslinie Aldhelms. Sie ebnete Winfrid den Weg zum Scholaster in seinem Kloster, als welcher er selbst Unterrichtsbücher in Grammatik (anhand des Donatus) und Metrik verfaßte. Proben seiner metrischen Kunst lieferte er bis ins hohe Alter. Kurz nach 700 erhielt er die Priesterweihe, die ihn enger mit dem Diözesanbischof verbinden sollte und wohl auch seine Autorität in einer friedensstiftenden politischen Aktion stärkte.
  • Im Frühjahr 716 suchte Winfrid die uneingeschränkte Verwirklichung seiner monastischen Existenz angelsächsischer Prägung in der peregrinatio. Die geplante Mission in Friesland scheiterte, da die fränkische Schutzmacht der friesischen Galubenspredigt in diesem Moment ausfiel. Winfrid kehrte nach Nursling zurück, wo ihn seine Mitbrüder zum Abt erhoben. 718 entband ihn der Diözesanbischof von der Klosterleitung und ermöglichte ihm erneut die missionarische peregrinatio.
  • Diesmal ersuchte er den Heiligen Stuhl als Hüter des Glaubensgutes und Quelle rechtlicher Autorität um die Missionsvollmacht. Am 15. Mai 719 erteilte sie ihm Papst Gregor II. und gab ihm den Namen des am Vortage gefeierten römischen Heiligen.
  • Sein Auftrag führte Bonifatius nach Thüringen, wo er staatlichen Rückhalt noch nicht fand. Als sich das friesische Missionsfeld 719 wieder auftat, unterstellte er sich Willibrord. Die Gründe der Trennung von Willibrord 721 sind unbekannt. Fortan wirkte Bonifatius als Missionar im hessisch-thüringischen Grenzraum, wozu auch das Gebiet von Lohra gehört.
  • Organisatorische Probleme verlangten in dem teilweise schon christianisierten Land, wo durch den Einfluss der Römer (Germanisch kaiserzeitliche Siedlung bei Altenvers), welche das Christentum zur Staatsreligion erklärt hatten, die Weihegewalt und Jurisdiktion eines Bischofs.
  • Am 30. November 722 weihte ihn der Papst persönlich zu Rom, wobei Bonifatius den nur wenig veränderten, den kirchlichen Verhältnissen des Missionslandes und des Frankenreiches kaum angepassten Obödienzeid der unmittelbaren römischen Suffragane leistete. Seit 723 mit einem Schutzbrief Karl Martells ausgerüstet, vollendete Bonifatius die hessisch-thüringische Mission. Ihren Abschluss signalisierte die Fällung der Donareiche zu Geismar 723.
  • Die organisatorische Erfassung der Neugetauften erfolgte, nicht zuletzt in Abwehr kanonischer Ansprüche des Mainzer Bischofs, von monasteria aus, die Bonifatius in rascher Folge ins Leben rief (Ohrdruf, Fritzlar, Tauberbischofsheim, Kitzingen, Ochsenfurt), die, vorwiegend von angelsächsischen Landsleuten, die letzteren auch von Frauen (Lioba) besetzt, priesterliches Wirken und fraulichen Hilfsdienst den Vorzug vor der monastischen Zurückgezogenheit gaben, so dass Bonifatius einigen Schülern die Einrichtung einer Eremitenniederlassung in Hersfeld (736) zugestehen musste. 732 reiste Bonifatius erneut nach Rom, wobei er nicht nur Mitarbeiter und Jünger gewann, die sein Werk auch nach seinem Tode trugen, sondern auch aus Gregors III. Hand das Pallium erhielt, so dass er als Erzbischof jetzt neue Bistümer kanonisch errichten und ihre Oberhirten weihen sollte. Eben dies unterblieb infolge der südwärts gerichteten Politik Karl Martells und der Bedrohung Thüringens und Hessens durch die Sachsen.
  • Auf seiner dritten Romreise 737/38 erlangte Bonifatius die Würde und Funktion eines päpstlichen Legaten. Doch wirkte sie sich zuerst in Bayern aus, wo Bonifatius 739 in Zusammenarbeit mit dem Herzog, dem Träger der Kirchenhoheit, den römischen Organisationsplan von 716 und seine eigenen kanonische Visitation von 733/35 vollendete: Drei Bischöfe setzte Bonifatius in Regensburg, Freising und Salzburg ein; der Oberhirte von Passau hatte seine Weihe in Rom empfangen. Nur die Schaffung eines Metropoplitansitzes und damit die Umschreibung des bayerischen Kirchenprovinz schob Bonifatius auf. Er hatte damit ungewollt Stellung bezogen in der karolingisch-agilolfingischen Spannung, die den Tod Karl Martells überdauerten.
  • Da Bonifatius in dieser Lage faktisch auf weitere Eingriffe in Bayern verzichtete, fanden sich nach 741 die neuen Herren des karolingischen Machtbereichs und Bonifatius: Als Legat des Papstes konnte Bonifatius für kurze Zeit auf die den KAROLINGERN zugänglichen Kirchen einwirken. Dank der tätigen Unterstützung des Hausmeiers Karlmann vermochte er die Bistümer Würzburg, Büraburg und Erfurt einzurichten, sie mit seinen Schülern zu besetzen und das monasterium Eichstätt unter bischöflicher Leitung als fränkischen Stützpunkt zu schaffen. Nach dem reformatorischen Concilium Germanicum von 743 tagten Anfang März 744 in den Herrschaftsbereichen beider Söhne Karl Martells gleichzeitig Synoden zu Les Estinnes und Soissons, die die fundamentalen Vorschriften kirchlicher Zucht und christlichen Lebens ins Gedächtnis riefen (Stellung und Pflichten des Bischofs, Standesethos und Verhalten des Klerus, Ordnung des geistlichen Gemeinschaftslebens, gesetzliche Regelung der Beanspruchung kirchlichen Gutes zur Sicherung der karolingischen Herrschaft, Abkehr von heidnischen Praktiken, Fragen des kirchlichen Eherechtes). Die karolingischen Brüder zeigten damit, dass sie, wenn auch unter nomineller Oberleitung eines rasch kreierten MEROWINGER-Königs, in der Durchsetzung der von ihnen verkündeten Synodalbeschlüsse die Hoheit in der fränkischen Kirche souverän auszuüben gedachten und sich zugleich über jene Aristokratie emporschwangen, aus der sie hervorgegangen waren und deren (militärisch-politische) Hilfe sie noch bedurften.
  • Die sich formierende Opposition ließ zwar die Gründung neuer Bistümer an der Peripherie des Frankrenreiches geschehen, gab aber die innerfränkischen Bischofsstühle nicht frei. Dabei bedienten sie sich kirchenrechtlicher und kirchenpolitischer Mittel und kirchengschichtlicher Argumente: In Sens und Reims konnten keine Erzbischöfe eingesetzt werden, weil Bonifatius und die KAROLINGER es wollten - die kanonisch bestellten Inhaber der cathedrae lebten (als "Weihbischöfe") noch. Köln als geplanter Metropolitansitz des Bonifatius war disqualifiziert - einen Kölner Bischof setzte im 4. Jh. ein unter Vorsitz des Trierer Metropoliten tagendes Konzil angeblich als Erzketzer ab. Der des Mordes überführte, offenbar zur Resignation gezwungene Mainzer Bischof suchte, seine Restitution in Rom zu betreiben. Mainzer Einfluß am Mittelrhein wurde womöglich von Trier aus zurückgedrängt.
  • Das zeitweilige Bündnis zwischen den KAROLINGERN und Bonifatius mußte sich lockern, wollten die Hausmeier, seit 747 der abwägende Pippin III., ihre Herrschaft ausweiten und zum Königtum steigern. Bonifatius konnte daher 745 und 747 keine Synoden mehr abhalten, die unter karolingischer Autorität standen; 748 berief Pippin III. selbst ein Konzil ein und wandte sich auch in kirchenrechtlichen Fragen direkt an den Papst, der Bonifatius nur von seiner Antwort unterrichtete. Bonifatius war beiseitegeschoben; doch sein Werk hatte Wurzeln geschlagen: Die karolingischen Herrscher führten die Reform der fränkischen Kirche behutsam weiter mit vorwiegend fränkischen Kräften einer jüngeren generation, die die Vorrangstellung der KAROLINGER nicht mehr in zweifel zog und die Auflösung der Machtbastionen rivalisierender Aristoktraten erst ermöglichte. Pippin III. errang für seine Dynastie die Königskrone ohne des Bonifatius Hilfe (751), er knüpfte den weltgeschichtlich bedeutsamen Bund mit dem Papsttum, während Bonifatius in Friesland als Märtyrer heidnischer Hand erlag (754).
  • Bonifatius konnte nicht einmal in dem ihm als Bischofssitz angewiesenen Mainz sicher sein, daß ihm dort ein Schüler folgen werde, dem er die Sorge für alle seine Helfer über antworten könne. 744 hatte er inmitten der Völkerschaften, denen er Glaubensbote, Seelsorger und Bischof war, das Kloster Fulda gegründet als geistlich-geistiges Zentrum. 751 entzog er es mit Hilfe eines päpstlichen Privilegs der Organisation der fränkischen Kirche (Exemtion). Als feststand, daß sein Schüler Lullus sein Mainzer Nachfolger werde, ließ Bonifatius die Bistümer Büraburg und Erfurt im Verband der Diözese Mainz aufgehen. Nach dem Tode des Friesenmissionars Willibrord hatten die KAROLINGER dem Erzbischof und Legaten auch die junge friesische Kirche übertragen, auch sie peripher gelegen. Hier fand Bonifatius in seinem letzten Lebensmonaten noch einmal die Kraft, als Missionar und Spender der Taufe aufzutreten. Auf diesem Missionsfeld wurde er am 5. Juni 754, da er Neophyten die Firmung spenden wollte, samt seinen Begleitern von beutegierigen Räubern erschlagen. Das Kloster Fulda nahm seinen Leichnam auf und birgt ihn bis auf den heutigen Tag.

Siehe auch

Besonderheiten · Germanisch kaiserzeitliche Siedlung · Geschichte · Kirchen · Recherche · Für Neugierige

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