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Örtlichkeit

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Örtlichkeit ist der Ort im allgemeinen Sinne (im Gegensatz zur Ortschaft) und fasst hier verschiedene Orte zusammen.

Inhaltsverzeichnis

Kirchvers

Das Höfchen

vorher auch „Eiffertsplatz“ oder „Eyffartsplatz

Mit diesen Namen wird in alten Dokumenten des Pfarrarchivs und auch im Kataster der Garten zwischen „Mellerhanse“ und „Petersch“ genannt. Die Bezeichnung „Das Höfchen“ deutet darauf hin, daß dort vielleicht in früherer Zeit ein kleinerer Hof gestanden haben könnte, was aber nicht nachzuweisen ist. Der vorhergehende Name „Eifferts-„ oder auch „Eyffartsplatz“ könnte mit dem 1558 in einer Leibeigenenliste genannten „Eipherts Jorg“ (ph = f) in Verbindung stehen.

In einem Dokument im Pfarrarchiv mit dem Titel „Gebrechen deß Gottes Castens Zue Kirchverß“ aus dem Jahr 1643 steht folgendes: „Dieterich Schmitt gibt Jährlichen auß einem baumgarten der Eifartsplatz genant 9 alb.(us). Weil aber die Bäume durch die Schwedischen Völcker vertilget worden undt Er keinen sonderlichen nutzen mehr davon hat, alß hat Er dem Casten denselbigen ufgesagt, nach dem es aber fürstlicher instruction (= Ordnung) (...) zu wider, alß wird Ihm solches nicht gestattet werden können.“

Der Garten gehörte also (bis zur Mitte des 18zehnten Jahrhunderts) zu den Gütern des Kirchverser Kirchenkastens und wurde alle 8 Jahre neu verliehen bzw. verpachtet. Über zwei Jahrhunderte pachteten ihn die Bewohner von „Schmidts“, wo auch der oben genannte Dietrich Schmidt wohnte. Daher stand noch 1855 das zu diesem Hof gehörige Backhaus auf diesem Gelände. Später wurde ein Teil des Grundstückes von den Bewohnern in „Mellerhanse“-Hof erworben, um ihren Hofraum zu vergrößern. 47)

Graben

( u. a. Groawe, Groawedäiresch, Grabenhof, Grebenhof)

Hobgehanns

(abgeschliffen zu „'Hobgans'“)

Haus: Burggarten 9, alte Nr. 34

Deutung: Örtlichkeit Hof (im Sinne von Pachthof) und Vorname Johann

Herkunft: Dieser Hof gehörte in früherer Zeit dem Landgrafen von Hessen und wurde von ihm an Bauern verpachtet.

Allein durch das reich verzierte, stattliche Wohnhaus, das mündlichen Überlieferungen zufolge aus den Jahren 1609-11 stammen soll, wird heute noch deutlich, daß der Hof eine besondere Stellung im Dorf hatte. Ein weiteres Indiz dafür ist die Silbe „Hob“ (Hof) im Dorfnamen.

Die erste Nennung des Pachthofes findet sich in der Fruchtrechnung des Amtes Marburg aus dem Jahr 1564. Ein Mann namens „Mewes“ (Bartholomäus) mußte 4 ½ Malter Korn abliefern, weil er „meines g(nädigen) H(errn) Hoff diß Jar gepochtt“ (= gepachtet) hatte. Die Rechnung des Jahres 1582 nennt „Simons Hengen“ (Hengen = Johannchen) als Pächter des Hofes. Im Salbuch des Gerichts Lohra von 1592 steht folgendes: „U(nser) g(nädiger) f(ürst) Unndt Her hat Zu Kirchversa ein Hoff, g(e)nant der teiß Hoff, so itzo (= jetzt) Siemonns Henchgenn sampt seinenn Consorten Auff 9 Jahr Verliehenn (ist), darin gehörenn Volgente stück: Erstlich Zwey Wonhaus ein scheur stall unndt Backhauß, Noch ein alt Hauß sampt Scheuer unndt stellenn, ligt beim Pfar Hoff“. Bei der ersten Hofreite handelt es sich mit Sicherheit um den heutigen „Hobgans“ Hof, die Lage der anderen ist noch unklar.

Nächster bekannter Pächter war „Simons Johann“, der auch Johann Hoffmann genannt wurde. In dem schon mehrmals erwähnten Prozeß aus dem Jahr 1612 mußte auch er als Zeuge aussagen und wird wie folgt beschrieben: „Johan Hoffmann oder Simons Johann, sey von aldenversch bürtig, itzo aber zu Kirchversch wonhafftig u. habe sein vatter Gerlach die mutter Ottilia geheissen, an die 40 jahr altt, er sey ein ackerman, dessen er sich auch nehre“. Im Salbuch der Pfarrei Kirchvers wird er 1616 als Bürgermeister erwähnt.

Dessen Sohn dürfte Jost Simon (1609-1671) gewesen sein, der im Jahr 1639 Catharina, eine Tochter des Hans Gerlach aus Weipoltshausen zur Frau nahm. Er gab den Hof dann an seinen Sohn Jacob Simon (1645-1691) weiter. Dieser hatte einen Sohn Johann Simon (1675-1746), genannt „Hoff-Johann“ (mundartlich „Hobgehann“), der das Anwesen mit seiner Ehefrau Catharina geb. Wagner aus „Jongenhans“ übernahm. Nach ihm nennt man den Hof „Hobgans“. Er war zeitweise Gemeindevorsteher, Kirchenältester und Gerichtsschöffe. Sein Grabstein befindet sich noch heute an der Vorderseite der Kirchverser Kirche.

Über dessen Sohn Johannes (1698-1783), der Elisabetha geb. Rücker aus Weipoltshausen geheiratet hatte, gelangte der Hof in den Besitz seines gleichnamigen Sohnes (1732-1799), der mit Elisabeth geb. Schmidt aus „Schmidts“ verheiratet war. Letzterer war Kirchenältester, Gerichtsschöffe, Vorsteher der Gemeinde und Grebe (= Dorfschultheiß). Diese vielen Ämter bezeugen ein hohes Ansehen der Hofbewohner. Seine Ehe blieb jedoch ohne Kinder.

Nach seinem Tod erbte Johannes Simon (1771-1833) aus Seelbach mit seiner ersten Ehefrau Elisabeth geb. Gerhardt aus „Schmidts“ den Hof. Die Frau war eine Nichte der oben genannten Elisabeth Simon geb. Schmidt. Nach dem Tod der ersten Frau heiratete er in zweiter Ehe Anna Catharina geb. Steinmüller aus „Bachcaspersch“. Deren Urenkel war Johann Heinrich Simon (1863-1932), der mit Anna geb. Heuser (1869-1951) aus „Hanse“ verheiratet war und das Anwesen später an seinen Sohn Johannes (1891-1977), verheiratet mit Margaretha geb. Klös (1892-1963) aus Mornshausen, weitergab. Der mittlerweile verstorbene Schwiegersohn Wilhelm Schmidt heiratete aus Rollshausen ein. Heute ist der alte Hof verpachtet. 47)

Wesse

Haus: Wiesenstraße 6, alte Nr. 83

Deutung: Örtlichkeit Wiese/Wiesenstraße, früher am Ortsrand gelegen

Herkunft: Das Haus erbaute Elisabeth Kaletsch geb. Wagner (1914-1986), die Witwe des im zweiten Weltkrieg vermißten Peter Kaletsch („Ihrlichs Peter“). Sie war gebürtig aus „Juusts“. Aufgrund der damaligen Lage am Ortsrand wurde das Haus fortan „Wesse“ genannt. Heute bewohnt die Tochter Erika Bingel das neue Haus im Garten und das alte wurde vermietet. 47)

Siehe auch

Kirchvers · Straßen · Geographie · Wüstungen · Link-Service · Literatur · Recherche · Hausnamen · Flurnamen

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